Adel Tawil war am Freitag in der Olympiahalle München

Solide und durchdacht 

München, 24.03.14.   Bekannt geworden ist Adel Tawil nicht nur durch Ich&Ich, sondern auch durch die Band Boyz, in der er als Kane auftrat. Seit 2013 ist der Sänger ägyptisch-tunesicher Abstammung auch solo unterwegs und landete mit „Lieder“ gleich auf Platz 2 der deutschen Singlecharts.

Ob seine Musik wirklich diesen Biss hat, bleibt fraglich, aber sie hat Wiedererkennungswert. An diesem Freitagabend warteten die Fans mit Spannung auf Adel Tawil. Als Support spielten Benne, die sich ein wenig nach Echt anhörten. Schnörkelloser Pop, ein wenig zu geradlinig und unaufregend.

Als die ersten Takte erklangen, hing der Vorhang noch, Adel Tawil hatte die Bühne betreten. Die Spannung stieg, die ersten Reihen sangen mit. Erst bei Einsatz des Schlagzeugs – wie sollte es auch anders sein – fiel der schwarze Vorhang und Jubel brandete auf.

Ein gut gelaunter Tawil sprang über die Bühne, seine Band im Hintergrund gab sich verhalten, aber durchaus nicht gelangweilt oder unambitioniert. Es ist nun ein anderer Adel Tawil, der nicht mehr Ich&Ich ist, sondern ein eigenes Bühnenprogramm hat. Seine Songs wirken ein wenig holprig, irgendwie nicht rund. Das Programm zieht sich in die Länge, was auch die Besucher der nicht ganz gefüllten Olympiahalle bei diesem Tourauftakt merken. Sie gähnen zwar nicht, aber die Einzigen, die stehen, sind die Menschen in der Arena. Auf den Rängen bleibt man sitzen und schunkelt mit. Unweigerlich fragt man sich, wer Adel Tawil sein möchte – ein nächster deutscher Soulsänger, ein in der Masse untergehender Popstar oder doch lieber der nette Nachbar von nebenan, dem man ab und zu lauscht? Man kann an diesem Abend zu keinem Ergebnis kommen, denn Tawil hat von alledem etwas.

Erst gegen Ende der Show findet er sich wieder in alten Liedern zurecht, singt diese mit Inbrunst und wirkt in der Kommunikation und im Austausch mit den Fans authentisch, fröhlich und gelöst.

Ja, seine Stimme kann buttrig, bittersüß und samtig sein, doch genau diese Eigenschaften schlagen bei ihm schnell in etwas Langweiliges, Schnödes und Unoriginelles um. Das ist schade, denn das Potential ist vorhanden.

Einen schönen Abschluss fand er dann mit „Schnee“ – wieder ein Song, der für ihn von Annette Humpe, mit welcher er als Ich&Ich auf der Bühne stand, geschrieben hat. Die Erwartungen wurden also keineswegs übertroffen und so war es ein Abend, der durch Langeweile, ein paar Überraschungen und trotz allem solider Musik geprägt war. Musik, die man dann aber eigentlich eher im Radio beim Autofahren hören mag und nicht bei einem Konzert in der Olympiahalle.(A.E.)

Fotos Adel Tawil

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