„Alarm“ – LaBrassBanda feiert furioses 10-jähriges Jubiläum in München

Auf einmal waren seltsame Geräusche in der Olympiahalle zu vernehmen. War das etwa ein Muhen? Ja, richtig – tatsächlich ein Muhen! Kühe in der Olympiahalle?! Nein, das war es dann doch nicht – so viel sei an dieser Stelle verraten. Obwohl man LaBrassBanda auch eine solche Gaudi durchaus zutrauen würde.

Von LaBrassBanda ist man ja gewohnt, dass sie alles andere als gewöhnlich sind und das zeigten sie auch gestern wieder. Barfuß und in Lederhosen – mittlerweile ein unverkennbares Markenzeichen der Band – spielten und feierten die sieben Chiemgauer Jungs mit ihrem ausgelassenen Publikum, das die Olympiahalle füllte. LaBrassBanda spielt Blechblasmusik. Aber was so angestaubt nach Musikantenstadl und Co. klingt, hat die Band in ihrer nun 10-jährigen Geschichte völlig neu interpretiert. Kein lahmes Rum-ta-ta, sondern eine mitreißende Mixtur aus scheinbar so gegensätzlichen Stilrichtungen wie Brass, Pop, Techno, Hip Hop, Reggae, Soul oder Punk – womit die Aufzählung sicher noch nicht vollständig ist.

Herausgekommen ist eine Bandbreite von Songs auf mehreren Alben, aus denen die Band gestern geschöpft hat. Angefangen vom ersten Album „Habedieehre“ bis zum gerade erst erschienenen Album „Around The World“, das sie vor ihrer kürzlich erst beendeten Welttournee aufgenommen haben – von allen war etwas dabei. Ein Höhepunkt des an Höhepunkten nicht armen Konzerts war die Aufführung des Songs „Indian Explosion (Bauwagn)“ vom neuen Album, der frenetisch bejubelt wurde. Auch nach mehreren Stunden, in denen sie ihre Stücke mit beeindruckender Virtuosität und schier unglaublichem Tempo aufführten, waren die sieben Jungs noch immer nicht aus der Puste – eine bemerkenswerte musikalische Leistung.

 

 

„Alarm“, wie ein weiterer Song ihres neuen Albums heißt, ist also angesagt, wenn LaBrassBanda auftritt. Stephan Dettl, der Leadsänger der Band, war ganz in seinem Element, immer in Bewegung, voll unbändiger Energie, mal hierhin, mal dorthin hüpfend und tanzend. Und tanzen sollte auch das Publikum: „Wir haben ein Ritual: Jeder darf tanzen, wie er mag, egal wie Scheiße es ausschaut.“ Das sagte Dettl natürlich nicht auf hochdeutsch, sondern im breitesten bayerischen Dialekt. Die Fans folgten der Aufforderung und tanzten, was das Zeug hielt.

Besonders berührend waren die leiseren und nachdenklichen Stücke, die auch zu hören waren, wie „Johnny“ oder „Nacht“, ebenso vom neuen Album. Bei letzterem wurde auch das Publikum ganz still und hörte gebannt den ruhigen Klängen zu, die die Olympiahalle im Nu in eine ganz andere Atmosphäre verwandelten.

Erwähnenswert ist noch die Leinwandgestaltung der Desginer-Brüder Poschauko, die mit ihren Zeichentrick-Elementen wie geflügelten Kühen die Atmosphäre des Konzertes unterstrichen, ohne dabei zu sehr in den Vordergrund zu treten. Einen Gastauftritt hatte Biermösl-Blosn-Mitglied Christoph „Stofferl“ Well, der gesellschaftskritisch über zu niedrige Milchpreise hiphopte.

Ach ja – da war ja noch die Sache mit den Kühen. Als Dettl Songs vom Album „Kiah Royal“ ankündigte, ließ er sein Publikum die Hände über den Kopf nehmen, mit ihren Zeigefingern Hörner imitieren und es dabei laut muhen. Also doch keine Kühe in der Olympiahalle, sondern ein Publikum, das jede Gaudi der Band begeistert mitmachte.

Wer bei diesem furiosen Auftritt gestern nicht dabei sein konnte, sei aber getröstet: Die Tour hat gerade erst begonnen und LaBrassBanda feiert in großen Städten, aber auch in kleinen Dörfern – ganz LaBrassBanda eben.(D.S.)

Fotos: LaBrassBanda