An allem, was man sagt, ist auch was dran: Clueso am Montag im Zenith München

Er kommt nie mehr, er ist in Chicago. Zum Glück entschied er sich, doch zu bleiben, um die Münchner Herzen einzunehmen. Ein Abend, an dem ihm dies gelang.

Die Stimmung ist entspannt und freudig aufgeregt zugleich. Bereits während des Auftritts der Vorband Anne May Kantereit wird mit gebannter Erwartung auf 20 Uhr hingefiebert. 20:15 Uhr, die Lichter gehen aus, es ist dunkel, Clueso betritt die Bühne. Klassisch rockig ist er gekleidet: Schwarze Röhrenjeans, schwarzes T-Shirt, schwarzer Sweater. Er startet mit “Pack meine Sachen ein” aus seinem aktuellen Album „Stadtrandlichter”. Der Abend kündigt sich besonders an, denn jedes Lied wird von einem originellen, perfekt abgestimmten, emotionenergreifenden Lichtkonzept, nostalgischem Videomaterial sowie Live-Aufnahmen in seiner Individualität unterstrichen. Clueso lässt keine Begeisterungsvariable aus: Mal lässt er seine Band Soli spielen, bewegt sich aufgeregt auf der Bühne, mal findet er einen kurzen Moment Ruhe und greift selbst zur Gitarre: Keiner nimmt ihm heute sein Lachen. Stets lässt er keine Möglichkeit aus, eine besondere Verbindung zu seinem Publikum aufzubauen und zu halten: Zwischen humorvollen und schwelgenden Momenten, in denen er Anekdoten erzählt oder beim gemeinsamen Anstoßen schafft er Platz für eine sanfte, bindende Intimität, mit der es ihm sicherlich gelang, alle Erwartungen der Publikumsseite bestmöglich zu erfüllen.

Zwischen Titeln wie Freidrehen”, „Chicago”, „Barfuss” lässt er keinen Zweifel an der Komplexität des Bühnenzusammenspiels, bei der Gitarre, Bass, Rassel, Laptop und Mischpult, Schlagzeug, Xylophon und Klavier ihren Einklang finden. Dass Clueso auch rappen kann, beweist er, als er in der Mitte seines Auftritts plötzlich die Kappe aufzieht und zwei Mitglieder der Wostok MCs die Bühne betreten. Der Startschuss für Tanzstimmung ist gegeben, auf die deutsche Art übernehmen sie die Melodie des N.E.R.D.-Hits „She wants to move”, performen „Love the People”. Die Menge ist unermüdlich: Auch nach zwei Stunden tanzt sie noch begeistert mit. 

Doch als Clueso „Gewinner” anspielt, füllt Gejubel den Raum, danach folgt das Atemstocken, Herzen stehen still oder hämmern laut, die Luft schmeckt nach angenehmer, drückender Nostalgie. Für drei Minuten bleibt die Zeit im Raum stehen.

Das baldige Ende des Konzerts wird angekündigt, er beginnt seine erste Zugabe mit „Out of Space”, einer beeindruckenden Animation und bebendem Sound. Als dritte und letzte Zugabe ertönt „So sehr dabei”. Das Publikum zückt Feuerzeuge und Handys und streckt die Arme in die Luft, erlebt den unvergesslichen Moment, seine Lichtlandschaft live auf der Leinwand beobachten zu können.

Clueso beeindruckte mit großer Authentizität und Sensibilität, Stimmpräsenz, keiner Scheu, Intimität und Blickkontakt zu seinem Publikum herzustellen. Ein großartiger Auftritt, der seinen Fans im Gedächtnis haften bleiben wird. (ASK)

Fotos Clueso

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