Der Abend, an dem Tränen geweint wurden – Bosse am 20.04.13 in der ausverkauften Muffathalle München

München, 21.04.13.   Zwei Supports, die dafür da waren, das Publikum gekonnt auf etwas Besonderes einzustimmen: Valentine und Herrenmagazin.

Das Besondere kam in Gestalt von Axel Bosse auf die Bühne. Pathetisch, ohne es erzwungen zu haben, lyrisch ohne dick aufgetragen zu haben und authentisch in seinem Auftreten. Musikalisch einwandfrei, zwar unaufgeregt und zuweilen seicht, fanden sich an diesem Abend Momente, die in Erinnerung bleiben werden. Es gibt immer diesen einen ganz bestimmten Moment, wenn sich die Atmosphäre ändert, wenn man das Gefühl hat, den Atem anhalten zu müssen. Der Moment, in dem Tränen über die Wangen kullern, man die Welt mit aller Kraft anhalten will, weil man nicht möchte, dass es vorbei geht.

Als sich Bosse in die Menge bewegt und das Publikum auffordert, sich zu setzen, war dieser Punkt erreicht. Die komplette Halle sitzt auf dem Boden, Bosse in der Mitte. Er singt für seine Fans, lässt einen schwelgen und alles um sich herum vergessen. Deutsche Texte, ab und zu mit einigen englischen Passagen, wurden mitgesungen, es hat fast ein wenig Woodstock-Flair.

Rockiger und auch nostalgisch wurde es mit seinem Song “Die schönste Zeit” – ein Lied über die Pubertät und den Tag, an dem Kurt Cobain starb. Und plötzlich ist es wieder 1994, man fühlt sich an seine eigene Jugend, an seine persönlichen 1990er erinnert, in denen Kassetten nicht nur als Plastik-Handyhüllen benutzt wurden, als man sich noch nicht über Facebook für ein Skype-Date am Abend verabredete und als Vinyl nicht zur Dekoration an der Wand hing. Als die Welt doch irgendwie in Ordnung war, weil man wusste, dass man bloß einmal um die Ecke gehen musste, um den besten Freund oder die beste Freundin zu treffen. Nostalgie hielt hier Einzug, wehmütig wünscht man sich die Zeit zurück und ist gleichzeitig froh, gerade in diesem Moment im Jahr 2013 angekommen zu sein, um ein solches Konzert miterleben zu dürfen.

Dass er seit vielen, vielen Jahren sein eigenes Ding macht, merkte man im Laufe des Konzerts zunehmend. Auch, wenn es einige Zeit gedauert hat, bis er da angekommen ist, wo er jetzt steht. Und er ist definitiv angekommen, das begeisterte Publikum dankte für den Abend mit “Zugabe”-Rufen und Jubelrufen.

Und er entließ sein Publikum in den Abend. Als man  aus der Tür in die Stille der Nacht trat, hatte man das Gefühl, dass die Welt in diesem Moment ein kleines bisschen besser, ein kleines bisschen bunter geworden war.(A.E.)

Fotos BOSSE – Muffathalle München

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