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Iron & Wine – Gediegen in der Muffathalle

 

Es ist heute bestuhlt in der Muffathalle. Das ist immer so ein bisschen komisch, aber macht es gleichzeitig auch immer ein wenig formeller, ja erhabener und gediegener. Iron & Wine stehen auf dem Programm und alle warten sehnsüchtig auf Sam Beam und seinen Rauschebart.

Half Waif, die Vorband ist einfach schön. Eine Mischung aus London Grammar und Florence & The Machine. Die Stimme beeindruckend und voller Gefühl. Sie singt, als gäbe es kein Morgen mehr und ihre Stimme schwebt über dem Konzertpublikum. “You are always such a kind audience.” Die deutsche Seele wird ein bisschen gestreichelt. Die New Yorkerin spricht auch rudimentär Deutsch: “Ich bin eine Frau”, haucht sie uns entgegen – alle lieben es. Die Singleauskopplung ist am 6.2.18 angekündigt. Sie beendet ihr Spiel, indem sie ganz zauberhaft looped. Es ist doch immer wieder schön, eine Stimme in Endlosschleife durch eine Konzerthalle zu jagen.

Nun aber endlich Iron & Wine. Sam Beam, Traum aller Singer-Songwriter-Enthusiasten und in Indiekreisen gehypt seit dem Garden State Soundtrack. Kleine Wolken schweben über der Band. Es ist fast ein bisschen magisch, als sie anfangen zu spielen. “Please remember me.” Ja, wir erinnern uns. Es ist als wäre die Zeit nie weggewesen.

Iron & Wine ist eigentlich klassische Liebeskummermusik. Eine Stunde Gänsehaut ist also auf jeden Fall vorprogrammiert. Es sind echte Instrumente, echte Musik, echtes Gefühl und sie können auch laut und verschroben. Seine Stimme ist so unverkennbar. Sie schrubben und arbeiten auf der Bühne.

Es ist “alright”. Und tatsächlich glaube ich ihm das auch an diesem Donnerstag Abend. Sie können ja auch fröhlich und manchmal möchte man auch aufstehen, obwohl man im Stuhl lümmelt. Sitzen ist eh das neue Rauchen oder so. Schön ist auch das einsame Glas Rotwein auf seinem Barhocker. Den Mittelpunkt der Bühne ziert es ziemlich passend. In vino veritas. Das Leben ist manchmal melancholisch, aber dann doch irgendwie immer toll.

Ich kann mich an mein früheres Ich erinnern, wie es sich gefühlt hat als es Iron & Wine gehört hat. Es macht nicht mehr das mit mir, was es früher gemacht hat. Vielleicht alles zu groß. Zusammengequetscht in einem kleinen Plattenladen würde man wahrscheinlich vor Intensität in Ohnmacht fallen. Trotzdem ist es einfach nur schön. Nur manchmal wünsche ich mir eine Muffathalle voll mit Sofas und darüber den elfengleichen Gesang von Sam Beam. Er spielt eine runde Mischung aus alten und neuen Songs.(L.A.)

Fotos Iron & Wine