Kreischalarm bei Twenty One Pilots

Ein sehr junges Publikum tummelt sich an diesem Abend in der Tonhalle in München, vor allem die Mädels sind nicht älter als 25 Jahre. Wie das bei einer dieser Bands nicht anders zu erwarten war, campten schon viele Fans Stunden vor dem Konzert vor dem Venue, so dass Sanitäter kommen mussten, um Wärmedecken zu verteilen. So ging es auch für jene weiter, die nämlich bereits vor Konzertbeginn reihenweise junge Damen aus den Wartenden ziehen mussten, da Ohnmachtsanfälle nicht selten waren.

Karottenhochwasserhosen bei Frauen und Männern sowie die eigentlich schon wieder aus der Mode gekommenen Hipsterbärte prägen das Bild des Publikums.

Als Vorband spielt ein Electro/House-DJ, der musikalisch so gar nicht zum Ambiente passen will. Doch sobald Twenty One Pilots die Bühne betreten, geht das Gekreische los, die Fans jubeln, tanzen und singen ab der ersten Minute über technische Fehler, die jedoch schnell behoben werden konnten, hinweg und aus voller Seele mit. Eine beinahe schon überbordende Divergenz ist zwischen Sänger Tyler Joseph und Schlagzeuger Josh Dun zu erkennen: Ersterer singt etwas lasch vor sich hin, während der Drummer beinahe auszurasten scheint und die Menschenmenge beinahe taub zu machen scheint. Etwas an diesem Glamour, der die Band für das junge Publikum zu umgeben scheint, gerät ins Wanken, bröckelt ein wenig. Bei Joseph fehlt immer wieder der Höhepunkt – beinahe so, als würde man jemandem ein High Five geben wollen, aber sich im letzten Moment doch umentscheidet. „Nee, doch nicht.“

Sie überzeugen mit ihrer Musik, wenngleich die Rapparts etwas undeutlich sind. Musikalisch dennoch gelungen und abwechslungsreich präsentieren sich Twenty One Pilots hier und beweisen, dass vor allem „Blurryface“, ihr aktuelles Album, so schnell nicht im Schrank verstauben wird.

Ein fantastisches Konzert, gekrönt von einer Pyroshow und einem stagedivenden Josh Dun – mit Sicherheit gibt es an diesem Abend niemanden, der nicht schwärmend nach Hause geht.(A.K.)

Fotos Twenty One Pilots