Max Giesinger in der Tonhalle München

Max GiesingerVon der Rückkehr der Ehre der deutschen Sprache in der Musik

Der mit harten Fäusten ausgetragene Kampf um die heiß begehrten Parkplätze am Ostbahnhof war erst ein Vorbote dessen, was man in der Tonhalle am Samstagabend zu erwarten hatte. Max Giesinger, der 2012 – wenn man das so sagen darf – „nur“ und zu Unrecht den vierten Platz bei „The Voice of Germany“ belegte, war nach so einigen Malen wieder zu Gast in München und wurde vom Publikum mehr als herzlich in Empfang genommen. So herzlich, dass Max direkt nach einem freien WG-Zimmer mit billiger Ikea-Ausstattung fragte – wovon natürlich jeder Zuschauer plötzlich eines anzubieten hatte. Insgesamt scheint der Giesinger einen guten Draht zur Landeshauptstadt zu haben, wusste er doch jeden seiner bisherigen Auftritte hier in der richtigen Reihenfolge der jeweils zugehörigen Location zuzuordnen.

Es ist doch so: beim Deutschen als Gesangssprache spalten sich bekanntlich die Lager. Allen vermeintlichen Vertretern des Anti-Lagers soll an dieser Stelle dringend ein kleiner Moment der Auseinandersetzung mit Max Giesingers Musik empfohlen werden, um sich davon eines Besseren belehren zu lassen. Denn bringt man dann auch noch ein Ohr für feine Melodien und stimmige Rhythmen mit, darf man eigentlich schon gar nicht mehr weghören. Max schafft es, der in Verruf geratenen deutschen Sprache neue Coolness und Singability einzuhauchen und verbindet seine narrativen Texte mit zwar eingängigen, aber nicht zu einfachen Melodien. Das allein und noch so viel mehr qualifiziert ihn als einen der Vorreiter des deutschen Gesangs. Was das mit dem Konzert zu tun hat? Nun, man muss als eher genervter Radiohörer, der nur eine kleine und nicht zu feine Auswahl seiner Hits kennt, erst auf dieses Konzert gehen, damit einem das mal so klar wird.

Um also das Konzert nicht zu vergessen: Stimmung – zehn von zehn Sternen. Sein Mitteilungsbedürfnis lässt in seiner Authentizität keine Zweifel zu, seine Fannähe ist echt und gelebt. Da geht ein Max Giesinger mal durch die gepferchte Menge des Publikums und kommt heil und munter auf die Bühne zurück. Da wird erzählt und gescherzt, kleine Liedchen zusammen gesungen und wieder erzählt. Dem Max kauft man ab, dass er für die Chance im Musikbusiness dankbar ist und wirklich versucht, das Beste daraus zu machen. Bei seinem Auftritt hört man ihm einfach gerne zu, wie er singend von seinen Ängsten und Hoffnungen, Enttäuschungen, Erlebnissen und Lebensentwürfen erzählt.

Rein akustisch gleicht der Abend einer Platten-Session, also top – doch dabei ist der Faktor, ihn live auf der Bühne erleben zu dürfen, nicht berücksichtigt. Abgesehen davon, dass sein Englisch nach eigenen Angaben und einer Sprechprobe einfach nicht gut ist und er (nur…eher nicht) deshalb auf Deutsch singt, baut er aus der deutschen Sprache eine einfache Geschichte ohne zwanghafte Reime und schwer im Magen liegende Aneinanderreihungen von bedeutungsschwangeren Worten, wie durch selbigen Satz verdeutlicht.

Selbst bewegende und emotionale Songs machen beim Zuhören auf ihre ganz eigene Weise eine angenehme und hoffnungsvolle Stimmung. Pathetisch ausgedrückt ist Max Giesinger Lebensgefühl und auch weniger kitschig gesagt, nimmt man nach seinem Konzert einfach ein wenig Max mit nach Hause…in die zufällig einen Mitbewohner suchende WG.(S.N.)

Fotos Max Giesinger

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