Multiinstrumentalist oder Comedian? Beides! – Jack Garratt im Freiheiz München

Jack Garrat war schon Vorband für Mumford & Sons, aber irgendwie ist der Name trotzdem noch nicht zu allen durchgedrungen. Das wird sich an diesem Abend ändern. Den Einstieg macht Martin Luke Brown, der ganz alleine performt, also singt und am Dj-Pult steht. Der Sound ist leider nicht der Hammer, aber der junge Mann hat eine beeindruckende Stimme, ein ideal gewählter Support, denn man merkt schnell: Jack Garratt mach im Prinzip das Gleiche, nur auf höherem Niveau.

Der Multiinstrumentalist ist nicht sehr bekannt in Deutschland, aber ein Konzert von ihm lohnt sich definitv. Auf die Bühne kommt ein Mann, der mit seiner Cap und dem Hipster-Vollbart aussieht, wie ein Tankwart auf Abwegen. Der erste Song ist nicht wirklich der Hammer, doch man merkt schon, wie unglaublich voll die Musik ist, dafür, dass da nur ein einzelner Mann und keine ganze Band auf der Bühne steht. Außerdem fällt die Stimme auf, die so ziemlich alle Lagen und Klangfarben bietet, die man sich vorstellen kann.

Dann kommt Garratt in Fahrt, und man kann nicht anders, als erstaunt sein: Er singt nicht nur voller Emotion, er spielt auch Drums, Gitarre und Piano, außerdem bedient er ein drumpad und ein Synthesizer. Alles irgendwie abwechselnd und trotzdem auf einmal, ohne dabei den Faden zu verlieren oder durcheinander zu kommen. Da sitzt jeder Handgriff, die Cap wackelt vor Enthusiasmus und er wechselt in unglaublicher Geschwindigkeit von einem Instrument zum anderen. Das steckt an.

Er improvisiert sogar ein Cover von Purple Rain auf der Bühne, bricht es mitten drin mit einem Fuck It ab und macht weiter mit einem Cover von Justin Timberlake. Alles irgendwie lässig aus dem Ärmel geschüttelt.

Die Interaktion mit dem Publikum ist zuerst unsicher, dann jedoch merkt man, dass der schüchterne Typ, der nicht weiß, was er sagen soll, wohl Taktik ist – Denn mit der Zeit erinnern die Ansprachen an das Publikum eher an Stand-up Comedy. Der Typ ist nicht nur ein abgefahrener Musiker, der ist auch noch verdammt witzig! Das Publikum ist ganz bei ihm und lacht über die Mischung aus schüchternem Trottel und Hipster mit mir-doch-egal-Attitüde. Den Auftritt rundet das ideal ab.

Es erfordert sicher Selbstbewusstsein, so aufzutreten, vor einem Vorhang, der an große Theatersäle erinnert und mitten im Scheinwerferlicht, ganz alleine. Nach dem Konzert weiß man aber:
Dieser Mann kann das, er hat von Comedy über Blues bis Electro alles in seinem Repertoire und kann damit problemlos einen ganzen Saal begeistern.(M.S.)

Fotos Jack Garratt

Fotos Martin Luke Brown