Musikalische Monogamie – Placebo veröffentlichen mit „Loud Like Love“ ihr siebtes Studioalbum

Placebo_AlbumcoverMünchen, 17.09.13.   1994 war die Welt noch in Ordnung. So in Ordnung jedenfalls, wie sie in den 90ern sein konnte. Und im selben Jahr gründeten sich Placebo, die englische Psychedelic-Rock-Band, die sich bis heute, 19 Jahre später, halten konnte. Oder was heißt halten konnte: Die sich stetig weiterentwickelte und ihrem Sound dennoch unheimlich treu blieb.

In ihren Songs liegt so viel Pathos und Melancholie wie bei kaum einer anderen Band. Was bei manchen eher unecht rüberkommt, bespielen Placebo mit Leichtigkeit. Songs wie „Every You, Every Me“ oder „Song to say goodbye“ sind beinahe so etwas wie ihre Aushängeschilde. Man kommt nicht umhin, Brian Molkos Stimme sofort zu identifizieren. Es gibt kein „Das klingt ein bisschen wie Placebo.“ In 99 Prozent der Fälle sind sie es auch. Authentisch, charakteristisch und instrumental immer wieder innovativ. Man möchte meinen, sie seien mit Mollakkorden geboren worden, so sehr ziehen sich eben diese durch all ihre Alben.

Was 1996 mit Placebo anfing, geht 2013 mit Loud Like Love weiter und hat sich seit damals kaum verändert. Man möchte ihnen vielleicht vorwerfen, zu stagnieren oder sich auf ihrer Erfolgswelle auszuruhen, doch finden sich in ihren Songs immer wieder neue Strukturen. Vor allem textlich scheinen sie keine Grenzen zu kennen. Nach vier Jahren ohne Album finden sie nun zu alter Größe zurück und haben ihr nunmehr siebtes Studioalbum veröffentlicht. Welches jedoch nicht ganz so düster und melodramatisch anmutet wie die Vorgänger.

Der Opener und Titelsong „Loud Like Love“ eignet sich hervorragend als solcher und hat seine Stärken vor allem im ungewöhnlich langen Intro und dem sehr rockigen Sound. Molkos Stimme, unverkennbar wie eh und je, steht wie bei fast jedem Song im Vordergrund. Dieser erste Song ist rockig, schnell und instrumental sehr geladen. Sind das noch die drei Engländer von damals, bei deren Songs es sich so gut Auto fahren oder weinen lässt? Ja, sie sind es noch.

Dieses Mal jedoch kritischer, pointierter und vielleicht auch etwas provokanter. „Too Many Friends“, die erste Singleauskopplung des Albums, besingt den Verfall der Gesellschaft und die Abhängigkeit der digitalen Medien, es geht um das marode Bankensystem und darum, dass es immer diese eine Person gibt, die für einen da ist.

Dynamisch ist das Schlagwort bei Loud Like Love, finden sich hier unter den elf Songs einige, die überraschend schnell und eher rockig als psychedelisch sind. Gänsehautmomente finden sich bei „Bosco“. Der letzte Song vor dem Bonustrack beginnt mit Klavier, ist ruhig, balladesk und überraschend nachdenklich. Textlich übertreffen sich Placebo einmal mehr. Man könnte den ersten Titel hernehmen, zitieren und beim letzten Song aufhören. Sie packen viel Wahrheit und unverblümte Ehrlichkeit in ihre Lyrics, dass es beinahe wehtut.

Placebo hatten schon immer dieses gewisse Talent, genau die richtigen Songs für die richtigen Momente zu schreiben. Perfekt für diesen Herbst eignet sich dieses Album. Geschrieben für die, die sich verloren fühlen, verletzt, für die, die etwas verloren haben. In der Musik von Placebo kann man sich verlieren, man möchte eintauchen und die Welt um sich herum vergessen.

Nicht so gelungen sind Titel wie „Rob The Bank“ oder „Hold On To Me“. Letzteres wirkt ein wenig zu klischeehaft und erinnert instrumental an die ersten Gitarrenstunden, die man damals hatte. Dreiklang rauf, Dreiklang runter – immer und immer wieder. Enervierend und textlich nicht gerade der große Wurf, präsentieren sich diese beiden Songs ein wenig fremd auf dem sonst so stimmigen und melodisch großen Album. Let’s face it: Weniger ist manchmal mehr.

Mit „Begin The End“ hat sich Brian Molko textlich wohl selbst übertroffen und trifft damit mitten ins Herz der Hörer. „Look me in the eyes, say that again / take me to your chest and let me in (…) / knock me of my feet like heroine“ – es geht um Fehler, die man gemacht hat, ob nun zwischenmenschliche oder solche, die man wiederholt. Tatsächlich fühlt man sich direkt angesprochen und möchte weinen, weil es so schön ist. Entwicklung und ein dramaturgischer Aufbau findet sich in jedem Song – überraschend hier, dass auffällig viele Songs sehr lang sind. Besonders viel Wert wurde hier auf die Intros gelegt, die sich instrumental vielfältig gestalten.

Buttrig und seidig wird es besonders bei „Bosco“ und auch bei „A Million Peaces“. Oft fragt man sich, ob Molkos Stimme diese Balladen fasst und ob diese dann noch zum Tragen kommen. Doch sobald die Songs zu Ende sind, drückt man automatisch auf „Repeat“ und möchte sie immer und immer wieder hören.

Ohrwürmer, Gänsehautmomente und wunderschöne Songs vereinen sich zu einer musikalischen Reise durch das Placebo-Universum und die Fans werden sich gerne an die alten Zeiten zurückerinnern, ohne dabei nostalgisch werden zu müssen, denn Placebo schaffen es auf ihre eigene, brillante Weise, ihre Hörer abzuholen und Loud Like Love einmal mehr zu einem musikalischen Meisterwerk zu machen.

Gekauft werden kann das Album ab sofort bei iTunes, Amazon oder im Plattenladen Eures Vertrauens.(A.E.)

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