New Art of Hip Hop – Macklemore & Ryan Lewis in der Olympiahalle München

So hat es sich wohl verändert, der Hip Hop. Sido hat seine Street-Credibility in Deutschland noch nicht verloren, aber Amerika hat einige Ritter verloren. Das zeigt sich auch am Publikum, das diesen merkwürdig grenzwertigen Style fährt. Cap, Jogginghose, Nike, Tanktop mit Ausschnitten bis zum Boden.

XPMusic startet ein passendes DJ-Set, etwas langwierig, weil alle irgendwie nur darauf warteten, Macklemore und Ryan Lewis begrüßen zu dürfen. Überrascht hat er mit dem Song, den er für seine Mutter geschrieben hat, welche vor zwei Jahren an Brustkrebs gestorben ist. Damit möchte er sagen: „Bleibt stark, kämpft weiter.“

Als zweiter Supportact spielt der 19-jährige Raury aus Orlando ein poppig-samtiges, zwischenzeitlich auch basslastiges, aber dennoch energisches Programm, mit dem er langsam Stimmung in die Olympiahalle bringt. Ein vorheriges, noch etwas angestrengtes Mitklatschen ermüdet bald, nachdem es begonnen wurde und der Applaus brandete erst wieder unter Kreischen und Hyperventilationsanfällen in den ersten Reihen auf, als die Stars des Abends die Bühne betraten.

Mit Schwarz-Weiß-Videos begann die Show, pathetisch ließ sich sich Macklemore von unten auf die Bühne fahren. Erstaunlich schnell standen die Zuschauer auf den Rängen, kaum jemand saß mehr auf seinem Platz. Mit vierköpfiger Big Band, Streicheresnble, Band und natürlich seinem DJ ist klar: Dieser Mann versteht den Hip Hop dieses Jahrzehnts nicht nur textlich, sondern auch musikalisch und instrumental.

10000 Menschen sind an diesem Abend zu seiner letzten Show in Deutschland gekommen und Macklemore lobt mit den Worten „You are the craziest fans in the world.“ Dass damit das Eis gänzlich gebrochen war, ist deutlich. Auf der Bühne ist der Musiker zu Hause. Er zeichnet eine Karikatur, wirft diese in die Menge und kurz darauf bebt die Halle: „Thriftshop“ ist nach all den Jahren noch immer feierbar, tanzbar und sorgt nach wie vor für Partystimmung.
Es ist ein Konzert, das so schnell wohl nicht vergessen wird, weil es authentisch und übertrieben zugleich ist.

Dennoch kommt man nicht umhin sich zu fragen: Was würde Eminem wohl denken? All the other Slim Shadys, please stand up… Ja, vielleicht. Bloß, dass da keine mehr von übrig sind. Ist aber auch nicht nötig, denn das hier ist nicht mehr 2000, sondern 2016. Und Macklemore hat nicht den Anspruch, ein zweiter weißer Rapgott zu sein.(A.E.)

Fotos Macklemore & Ryan Lewis