SCHILLER -Opus-: Klischee oder Beispielhaftigkeit?

Schiller_OpusMünchen, 13.09.13.   Wenn man das Albumcover sieht, erwartet man entweder alles oder nichts. Eine schneebedeckte Berglandschaft mit grau-schwarzem Horizont ziert das Bild, der Schriftzug Schiller Opus ist in bunten Lettern geschrieben. Entweder eine wahrliche Selbstüberschätzung oder ein Understatement par excellence. Doch lassen wir uns mal auf das ein, was uns erwartet. Schiller. Nein, nicht der Dichter, sondern Schiller aka Christopher von Deylen, der bereits im Jahr 1998 dieses Musikprojekt gründete – elektronisch, poppig, symphonisch. Es waren keine Grenzen gesetzt. Auch bei Opus verschwimmen die Grenzen zwischen Elektropop und Klassik extrem. Prominente Unterstützung holte sich Schiller von Opernstar Anna Netrebko, Pianistin Hélène Grimaud und Oboist Albrecht Mayer.

Beeinflusst von Größen wie Tschaikowsky, Grieg, Paganini oder Satie, finden sich 7 Titel auf dem achten Studioalbum wieder, welches selbstbewusst und einfach mit Opus betitelt wurde. Dass es einen so einfachen und dennoch signifikanten Namen trägt, ist vielleicht zum Einen der klassischen Musik geschuldet, zum Anderen dem Faible für kurze, aber prägnante Albentitel, die sich auch schon in er Vergangenheit bei Schiller finden lassen.

Ganz nach dem klassischen Schema einer Sinfonie, fängt das Album mit einer Exposition an, welche sich stetig aufbaut. Orchestrale Klänge, im Mittelpunkt stehen die Posaunen, welche beinahe fanfarenartig zu einer filmmusikähnlichen Klangkulisse auflaufen und sich rhythmisch und tonal wiederholen. Wie ein Sog strudelt dieser erste Titel dahin, fängt einen ein und entlässt den Hörer dann mit sanften, schmeichelnden Streicherpassagen in den zweiten Song, „Desert Empire“, der den Rhythmus der Einleitung aufnimmt und etwas elektronischer weiterführt, was orchestral angefangen hat. Der Titel gewinnt an Drive, wird schneller und es kommt langsam ein roter Faden zustande, der sich dann auch letztendlich durch den Rest des Albums zieht.

Nicht umsonst hat sich Schiller oben genannte Unterstützung geholt, denn was wäre ein an die Klassik angelehntes Album ohne deren zeitgenössische, prominente Vertreter?

Zunächst wäre da die Gymnopedie No. 1 von Eric Satie, welche zusammen mit der Pianistin Hélène Grimaud eingespielt wurde. Hier kann man einhaken und den Umstand zum Vorwurf machen, dass es sich um beinahe schon ausgelutschte, überhörte Titel der klassischen Musik handelt. In wie vielen Filmszenen hat man die Gymnopedie schon gehört? Sie gehört fast schon zu beinahe allen französischen Filmen wie Gérard Depardieu oder Yann Tiersen zu Amélie. Nichtsdestotrotz setzt Schiller bei den Melodien, welche hier schlichtweg fließen, auf die Musik und nicht auf den Effekt selbiger.

Etwas düsterer, schwerer, getragener und elektronischer wird es bei der Version von „Swan Lake“, bei welchem der Oboenpart, gespielt von Albrecht Mayer, hervorsticht und beinahe ein Alleinstellungsmerkmal einnimmt. Zwischendurch etwas zu elektronisch, wirkt die Oboe an der ein oder anderen Stelle leicht fehlplatziert, sticht sie zu sehr raus.

Bombastisch und kristallklar wie sie ist, setzt Anna Netrebko in „Solveig’s Song“ Akzente, welche ihrer einzigartigen Stimme geschuldet sind. Ein Sopran, der vielleicht bei einigen ihrer gesungenen Charaktere überschätzt wird, ergänzt sie bei Opus auf den Punkt und brillant genau die Elemente, welche den Titel zum besten des Albums machen. Der dritte Satz, das Lento aus der 2. Suite von Edward Griegs Peer Gynt Suite, ein Wiegenlied, bekommt hier neue Dimensionen. Der eingespielte Part mit Violine verschwimmt zu einer orchestralen, beinahe träumerischen Symphonie, die mit Anna Netrebkos Gesang zu einer Größe findet, die beachtenswert ist.

So plätschert das Album weiter vor sich hin, eingefasst in einen Rahmen aus sieben Titeln, die sich zwar nicht ähneln, aber dennoch den gleichen Tenor besitzen und zu einem elektronischen Werk zusammengefasst werden.

Klischee trifft hier auf Innovation, was prinzipiell musikalisch eine spannende Mixtur ergibt, doch die Aufmerksamkeit lenkt sich sehr schnell eben auch auf die Titel, die man schon hundertfach gehört hat: Solveig’s Song, Swan Lake, Paganini – plump oder genial?

Ein einheitliches Bild scheint sich bei diesem Album nicht zu ergeben, wenngleich man danach sucht. Der vorher erwähnte rote Faden zieht sich trotz allem durch das Album – immer wieder werden die sanften, klassischen Klänge durch harte Streicherparts und elektronische, symphonisch anmutende Soundeffekte durchkreuzt. Opus passt bestens in das Gesamtwerk von Schiller, das ist keine Frage und mit diesem Ausflug in die Bereiche der Klassik erschließt sich nun auch für diejenigen, die die elektronischen Beats gewohnt sind, eine wohl neue Klangerfahrung. Hier werden Hymnen geschaffen, die ursprünglich gar keine Hymnen waren, doch durch den Einsatz verschiedenster Elemente zu solchen gemacht werden. Neue Wege also, die beschritten werden. Ob man auf diesen nun stolpert oder nicht – das Gesamtwerk kann sich sehen lassen, die große Begeisterung bleibt jedoch aus.(A.E.)

 

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