So war King Krule im Atomic Café München

Von der Kunst, keine Kunst sein zu wollen

München, 12.04.13.   Er ist erst 19 und er sieht auch keinen Tag älter aus. Blasses Gesicht, rote Haare, ein typischer Ginger. Und achso, er macht da irgendwie so Musik. King Krule, ja, kennt man vom Hörensagen, muss cool sein. Wer sich noch nicht richtig mit dem jungen Archy Samuel Marshall auseinandergesetzt hat, wird leicht überrascht sein, wenn die ersten Takte erklingen. Man denkt an lieblichen Gesang, vielleicht ein bisschen Indiepop oder so. Doch darauf kann man lange warten.

Rauchige Stimme, ein Hang zum – ja, was eigentlich? Es ist die Stimme eines Sängers, der mutmaßlich zu viel Whisky getrunken und zu viel geraucht hat. Tiefgründig, abgefucked und mit einer Egal-Haltung, die ihresgleichen sucht.

Doch seine Musik ist ihm definitiv nicht egal, was nicht nur auf seinem Album „6 Feet Beneath the Moon“ zu hören ist, sondern auch live. Und da ganz besonders. Es ist diese Mischung aus rauchiger, tiefer Stimme und dem Blues-Sound, den King Krule nicht nur spielt, sondern auch lebt.

Im ausverkauften und für eine Veranstaltung dieser Art gänzlich ungeeigneten Atomic Café drängten sich die Besucher dicht an dicht, um den, vor allem im letzten halben Jahr, gehypten Briten zu erleben.

Als Support trat Thidius auf und konnte mit Elektro-Soul begeistern.

Jubel und Applaus waren groß, als King Krule die Bühne betrat, mit bis zum obersten Knopf geschlossenen Hemd, Gitarre und Band. Unscheinbar wie ein Schuljunge, doch sobald die ersten Zeilen erklangen, verflüchtigte sich dieser Eindruck immens schnell. Das Schuljungen-Image war abgelegt und plötzlich erklang extrem erwachsene Musik. Musik, die so klingt, als sei sie nicht von dieser Welt, als sei sie aus einer fernen Welt. Ein bisschen entrückt, weit weg von dem, was alltäglich ist.

King Krule benötigt keine großen Bühnen oder eine Lightshow, keine Backgroundtänzer. Er hat sich, seine Stimme und seine Gitarre. Es ist Musik, die im ersten Moment melancholisch anmutet, doch durchaus Hoffnungsschimmer beinhaltet. Eine Gradwanderung zwischen Schnodderigkeit und Brillanz. Man kann beinahe nicht zuordnen, was genau King Krule in den einzelnen Momenten aussagen möchte, denn jede einzelne Zeile von allem etwas beinhaltet. Mal ist er nonchalant, dann verlieren sich die Zeilen in einem psychedelischen Strudel, werden gewispert, genuschelt, geraunt. Und dann, mit einem Mal, klingt alles nicht mehr so verschwommen, sondern sehr klar. Ausdrucksstark ist King Krule in jeder seiner Zeilen, nichts bleibt dem Zufall überlassen, auch wenn das auf der Bühne durchaus den Anschein hat. King Krule verliert sich in der Musik, lebt das, was er macht. Er klingt immer ein wenig gelangweilt, immer ein wenig genervt, doch während er seine Zeilen singt, ist da diese Intensität, diese immense Intimität, welche sich dem Zuhörer nur schleichend erschließt. Doch sobald man sich darauf eingelassen hat, möchte man mehr, kann sich dem Charme nicht mehr entziehen. Sind es Abgründe, die sich auftun oder ist es schlicht die Musik unserer Zeit, die wieder zu sich selbst findet und die dem entsprechen, was man wirkliche, echte, ungestylte Musik nennen darf?

King Krule vereint all diese Eigenschaften in seinen Songs und lieferte eine Performance ab, welche einem noch lange in Erinnerung bleiben wird. Weil sie nicht so ist wie das, was man kennt.(A.E.)

 

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