Tu fais notre bonheur, Isabelle! ZAZ brillierte mit fulminantem Konzert im Freiheiz München

München, 12.05.13.   Welch Enttäuschung es vor Beginn des Konzerts schon gab. Sie haben Karten gesucht, die vereinzelten Besucher, doch leider keine mehr bekommen. Und man hätte es ihnen wirklich gewünscht, denn das, was im Laufe des Abends auf der Bühne geschah, war brillant.

Von einer Straßenmusikerin hin zu einer international geschätzten und anerkannten Künstlerin. Isabelle Geffroy aka ZAZ weiß, ihr Publikum mit ihrer rauchigen, einzigartigen und charakteristischen Stimme zu beeindrucken. Sie ist Französin durch und durch. Allerdings keine, welche affektiert auf Louboutin-High Heels und Chanel-Täschchen über die Champs-Elysées stöckelt, sondern eine, die ihr Handwerk im Künstlerviertel Montmartre gelernt hat.

Unkompliziert, authentisch, fröhlich und locker, so präsentierte sich ZAZ und legte dabei keinerlei unangenehme Allüren an den Tag. Ihre Band im Hintergrund hielt sich auch in eben diesem, wenngleich sie musikalisch perfekt eingesetzt war.

Einige Songs lang saß Isabelle Geffroy, bei schnelleren Titeln tanzte, hüpfte und sprang sie auf der Bühne umher; anfänglich hatte sie es ein wenig schwer, da das neue Album „Recto Verso“ erst vor zwei Tagen veröffentlich wurde. Das Publikum, eine bunte Mischung aus frankophilen (Pseudo-)Intellektuellen, Musikliebhabern und „Auf fast jedes Konzert-Geher“ wippte zunächst höflich mit dem Fuß, bis etwas mehr Stimmung aufkam und bei den bereits bekannten Songs des vorigen Albums „ZAZ“ mitgesungen wurde. Besonders die Hit-Single „Je veux“ wurde gefeiert, die ausverkaufte Freiheiz-Halle sang die Zeilen „Je veux de l’amour, de la joie, de la bon humeur, ce n’est pas votre argent qui fera mon bonheur“, welche sowohl Ohrwurmcharakter haben, als auch eine harsche Kritik an der Gesellschaft üben. Leichtigkeit, Freude, der Hauch von Freiheit – das alles vereint ZAZ in ihrer Musik, in ihren Zeilen, in ihren Melodien, welche berühren, bewegen und zum Nachdenken anregen.

Wer sie noch aus der Zeit kennt, als sie mit einem Bassisten auf der Straße gestanden ist und ihre Songs ohne Mikro, ohne Bühnenshow, ohne Band performt hat, hat wohl an diesem Abend deutlich gemerkt, welche immense Entwicklung die Sängerin aus Tours gemacht hat. Ein Song, der mehr Aufmerksamkeit erregt hat, als sie sich je hat vorstellen können und dann kam auch der internationale Erfolg, über 1,5 Millionen verkaufte Platten, Auszeichnungen über Auszeichnungen, ein Major-Label-Vertrag und viele, viele Shows.

Ja, sie beherrscht die Bühne, doch der Eindruck, dass sie sich nicht vollkommen wohlfühlt, kam immer mehr auf.

Titel wie „Si“ oder „Si je perds“ finden Anklang, das Publikum ist hingerissen von dieser einzigartigen Stimme, welche unter die Haut geht und trotz ihrer Heiterkeit so unglaublich melancholisch und ernst klingen kann.

Ein wenig schade für einige Zuschauer, dass ZAZ fast ausschließlich Französisch gesprochen hat und ihrem Temperament getreu, sehr schnell. Die Lacher hatte sie zwar auf ihrer Seite, wenngleich einige vielleicht nicht wussten, was denn nun so witzig gewesen ist.

Ein kühler Frühlingsabend mit hervorragender Musik, einer sehr guten Band und einer Ausnahmekünstlerin, welche sich aus der Masse der Angebotsvielfalt hervorhebt und abwechslungsreiche, französische Musik auf den Markt bringt. Es sind nicht bloß „irgendwelche“ Chansons, sondern Titel, welche nachhaltig sind, ohne nach dem dritten Hören auf die Nerven zu fallen. Songs, welche Tiefe haben, deren Texte sich nicht reimen, nur um sich irgendwie zu reimen. Ein Gesamtpaket, welche unangepasst ist und gerade deswegen so herrlich unkompliziert und schlicht schön ist.

Am Ende trat ZAZ für drei Zugaben mit ihrer Band nochmals auf die Bühne – nun mit Bayern-Trikots an. Die Begeisterung im Saal kannte kaum Grenzen und damit hatte sie wohl (fast) alle Sympathien für sich gewonnen.

Alors, chapeau, ZAZ, wir freuen uns auf weitere Projekte und Musik aus Frankreich und hören bis dahin „Recto Verso“.(A.E.)

Fotos ZAZ

 

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