Über dem Durchschnitt – „Medium Cool World“ von Pelzig

Nach mehr als einem ganzen Jahrzehnt Wartezeit melden sich Pelzig endlich mit einem neuen Album zurück. „Medium Cool World“: Das sind 10 Titel geballter Alternative Rock, trotzig und provokant, gemischt mit einer großen Portion „Retrolässigkeit“.

Mit „Style Kills All“ starten Pelzig getreu ihres Stils, jedoch relativ gesetzt, legen im Verlauf des Albums aber immer wieder eine Schippe drauf.

Der namengebende Song „My Medium Cool World“ legt dann eine sehr schroffe Seite offen. Die dreckigen Gitarrenriffs werden ohne Spannungsaufbau, aber mit Synthie-Unterbrechungen von der gewollt rotzigen Stimme Christian Schulmeyrs halb übersungen, halb überredet. Durch den rauen Sound drängt sich einem das Bild eines ununterbrochen rauchenden Mannes in zerfetzter Lederjacke auf, der im Morgengrauen in einer Kneipe zurückgeblieben ist und über sein verkorkstes Leben nachdenkt. Sein persönliches Resumée ist „medium cool“. Abgefuckt aber lässig, das trifft auch auf den Song zu.

Zur Ruhe kommt das Album mit dem letzten Song „All Signals off“. Erst scheiden die hallenden Vocals der von Anfang an gedämmten Melodie gänzlich aus, dann bekommt das Piano genügend Zeit, völlig ungehetzt auszulaufen. Damit ist nicht nur ein gelungener Schlusstakt geschaffen, sondern die Abrundung des gesamten Albums.

In einer mittelmäßig coolen Welt machen Pelzig mit ihrem neuen Album einfach wieder ihr Ding und das ist sogar ziemlich cool. “Medium Cool World“ ist ab dem 27. November erhältlich.(P.P.)

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