Woodkid mit großem Orchester im Zenith München

Vom Pathos des Seins

München, 112.03.14.   Es ist ziemlich gewagt, mit einem Album mehr als ein Jahr zu touren und mit den gleichen Songs in eine Stadt zurückzukommen. Woodkid macht es und hat Erfolg. Wenn nicht er, wer kann dann so viel Pathos, Intensität und Gänsehautmomente auf die Bühne bringen?

Sizarr als Vorband machten sich gut, wenngleich sehr deutlich war, dass das Publikum recht ungeduldig auf Woodkid wartete.

Ein bombastisches Intro, eine faszinierende Lightshow, Streicherensemble und Big Band. Und der Bass. Der Bass, welcher nicht fehlen durfte.

Und Woodkid. Es ist diese ganz bestimmte Art und Weise, diese Nonchalance, mit der er auf die Bühne kommt. Jogginghosen, Bassballjacke, Käppi. Und ja, der etwas hipsterige Bart. Aber gut, der ist erlaubt. Hier geht es schließlich um die Musik, die an diesem Abend begeistern sollte.

Es ist Musik, welche umarmt. Wärmt. Intime, besondere Momente mischen sich mit basslastigen,  elektronischen Passagen. Laut, beeindruckend, stark. Es ist nicht bloß ein Konzert, es ist ein Erlebnis, welches man mit allen Sinnen wahrnimmt. Die Videos, welche im Hintergrund abgespielt werden, sind ganz in Schwarzweiß gehalten, passen sich dem Tenor der Show an: Immer ein bisschen zu pathetisch, zu melancholisch, zu emotional.

Das Publikum liebt es, man möchte ein bisschen weinen. Es ist Musik für die Jugend, trifft mit ihrer impulsiven und doch nicht ganz durchschaubaren Art genau den Zeitgeist.

Wir haben alle Möglichkeiten, doch sollen wir sie auch ergreifen?

Es ist eine mächtige Klangkulisse, die abgefeuert wird, fast überrennt es einen. Auf der Bühne wirbelt eine Band, die homogen ist und dabei noch nicht einmal angestrengt wirkt. Woodkids Musik elektrisiert und man fühlt sich wie auf einer Reise, deren Ziel man nicht kennt. Glück wird hier neu definiert, bittere Süße mischt sich mit den Klängen, die so mitreißend sind. Zwischendurch folgen einige Songs aufeinander, die der Show ihren Drive nehmen, es stockt ein wenig. Doch mit Charme und seiner charakteristischen, warmen, tiefen Stimme lässt Yoann Lemoine die Reise weitergehen. Es ist, als würde man mitgerissen in einen Strudel der Gefühle.

Es ist, als erwache man aus einem Traum: Das Konzert ist zu Ende, die Lichter gehen an. Man kehrt in die Realität zurück, beinahe ein wenig überfordert. „Run Boy Run“, „Conquest of Spaces“ und viele weitere Songs klingen nach. Sie haben berührt. Auf eine ganz spezielle Art und Weise. Da, wo Worte aufhören und nicht mehr beschreiben können, wie Musik sich anfühlen kann.(A.K.)

Fotos Woodkid

Fotos Sizarr

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