„Die Zigarette danach rauch’ ich lieber allein“ – Jennifer Rockstock gewohnt flapsig und gut drauf im Backstage München

München, 18.01.13.   Es war ja alles ganz furchtbar. Furchtbar unsicher, ob sie überhaupt kommen kann. Oder singen. Oh, welch Enttäuschung wäre es gewesen, wenn Fräulein Weist sich nicht die Ehre gegeben und auf Grund ihrer Erkältung abgesagt hätte. Aber dem Konzert-Gott sei Dank – sie schaffte es in bester Form auf die Bühne, nicht nur, was ihre stimmlichen Qualitäten betraf.

Doch bevor das Publikum die Rocker aus Berlin bejubeln durfte, heizten die Bands Aufbau West und Heisskalt dem ausverkauften Backstage ein – Aufbau West mit innovativem deutschsprachigen  Mix aus Rock, Pop und experimentellen elektronischen Klängen (wir wagen hier jetzt keine Kategorisierung) und Heißkalt, die die Bühne mit feinstem Rock unsicher machten. Ja, beide Supports hatten es „drauf“ und auch die Texte sagten keineswegs „Wir wollen nicht der nächste große Independant-Act werden, sondern machen unser Ding, weil wir Musik lieben.“

Die Umbauphasen wurden durch das Set von DJ Amokkoma verkürzt.

Das weitestgehend sehr junge Publikum brannte sichtlich darauf, die verrückte Sängerin mit ihrer Band zu sehen; als Jennifer Weist mit ihrer Band auf die Bühne kam, war die Freude groß unter den Fans – und auch bei der Sängerin, die mehrmals betonte, dass es „geil“ sei, in München zu spielen.

Gewohnt rockig, ausgelassen und gut gelaunt röhrte die, unter den Fans schon als Standard angesehen, leicht und gewagt bekleidete Sängerin („Ich hab gehofft, man sieht das jetzt nicht so – ich hab mich heute extra nochmal gewaxt“), ins Mikro. Texte, die den Geist der Zeit wohl mehr als gut treffen, wenn sie davon singt, dass „nicht alles schlecht war“ oder dass man „Zwischen Laken und Lügen einen Moment zu jung und naiv“ war.

Höhepunkte der Show waren wohl vor allem für die Fans gedacht: Da sollten sich die Damen mal geschwind „oben ohne“ zeigen, doch auch auf der Bühne durften die Fans mitrocken – und das gleich zwei Mal.

Beim zweiten Mal holte Jennifer zwei Mädels auf die Bühne, die ihr gesangliches Talent unter Beweis stellten – durch Publikumsentscheid gewannen sie vier Backstage-Pässe und einen Merchandise-Gutschein. „Ihr Schätze, das habt ihr euch verdient“, so das Lob der Berliner Rockröhre Jennifer persönlich.

Sichtlich ins Schwitzen gekommen, wollte die Band aber doch noch den obligatorischen, gemeinsamen Schnaps trinken („Zickezacke, zickezacke, heu, heu, heu!“) und entließ das jubelnde Publikum mit „Nazis raus – Schwanz rein!“ in die Nacht.

Ein gelungenes Konzert, besonders auf der musikalischen Ebene. Was das eine oder andere Mal gehörig unter die Gürtellinie getroffen ist und wo man das Niveau beinahe schon von der Teppichkante aus hat Fallschirm springen sehen, wurde durch gesangliches Talent Jennifers, die eine Coverversion von Lady Gagas „Born this way“ gekonnt mit „Er gehört zu mir“ verbunden hat, wieder wett gemacht und man nimmt dieser Band durchaus ab, dass der Rock sie geprägt hat. Und dass sie musikalisch immer ernst zu nehmender werden. In diesem Sinne warten wir auf das neue Album, welches laut Band 2013 rauskommen soll und freuen uns auf weitere Konzerte.(A.E.)

Fotos Jennifer Rostock

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