LUCIFER´S RISING FESTIVAL in der TonHalle München

 

LUCIFER´S RISING FESTIVAL in der TonHalle München

Kurz vor dem Abschied des Jahrzehntes sollten die Höllenpforten für jene Jüngerinnen und Jünger mit schwarzen Seelen geöffnet werden. Dabei bediente man sich an einem recht abwechslungsreichen Line Up, bestehend aus Deathmetal, Blackmetal, NWoBHM sowie Thrash-Punk. Aber eines hatten alle gebuchten Bands dann doch gemeinsam: eine mehr oder weniger glaubhafte Attitüde und das Glaubensbekenntnis in Richtung südlicher Gefilde.

Rückblickend muss man sagen, dass Deathrite aus Dresden und Wiegedood aus Belgien die Tonhalle mit unheimlich guter Musik erfrischten. Während letztgenannte Truppe mit Old School Blackmetal, samt verstörendem „Gesang“ punkteten, erinnerten die Dresdner erfreulicher Weise an schwedische Genrekollegen wie „Dismember“ oder „Entombed“.

Heftig wurde es im Zuschauerraum dann, als Midnight aus den USA die Bühne enterten. Die kaum zu beschreibende Mucke des Trios ist ein Bastard aus Hardcore, Punk und Thrash und geht fast ausschließlich mit durchgetretenem Gaspedal nach vorn. Entsprechend ließen sich die anwesenden Metalheads in der ausverkauften Tonhalle auch von der Energie anstecken und bildeten einen ansehnlichen Moshpit.

Die Luft war kaum merklich wieder abgekühlt, als nach unzähligen Bierduschen die schwedischen Blackmetaller von Dark Funeral den Staffelstab übernahmen. Vorher wurde die Bühne mit allerlei Satansdevotionalien dekoriert und so erstrahlten die Bretter in neuem Glanz, flankiert von umgedrehten Kreuzen, umgedrehten Kreuzen und umgedrehten Kreuzen. Ein paar Pentagramme noch und fertig war des Teufels Altar. Nach einem ultralangen Introgedöns schritten fünf Männer mit langen, schwarzen Haaren auf die Bühne, gehüllt in Rüstungen mit Nieten und Nägeln besetzt und die Gesichter hinter Corpse Paint verborgen. Die Band gehört zur – Anfang der 90er herangerollten – zweiten Welle des Blackmetal und ist entsprechend lange schon im Geschäft. Und das merkt man dann schnell, wenn all das Böse und Niederträchtige durch Eheringe und Schnauzbärte konterkariert wird. Also doch nicht ganz so misanthropisch, wie es das Genre eigentlich verlangen würde. Dennoch wurde mit einem umgedrehten Jesus Christus hantiert, der Mittelfinger in Richtung Himmel gestreckt und eine schaurige Geschichte nach der anderen erzählt.

Nach dem sehr stimmungsvollen und sphärischen Set der Schweden, wurden nun wieder leichtere Geschütze aufgefahren und die Bühne nahezu von allen überflüssigen Requisiten befreit. Dafür wurde der allseits bekannte Ziegenkopf hinter dem Schlagzeug emporgezogen und irgendwann trampelte zu infernalischem Lärm dann die britische Legende Venom in die Szenerie. Frontmann Cronos kam erstaunlich sympathisch rüber, während die Massen vor der Bühne lautstark „Black Metal“ intonierten und sich gegenseitig die Eingeweide beim Pogo herausschubsten. Garniert wurde der Spuk mit allerlei Flammenshow und den wichtigsten Songs der Band („Black Metal“, „Welcome To Hell“, „Countess Bathory“). Leider changiert das Trio aber musikalisch zwischen mittelmäßig und sauschlecht, weshalb man sich die Frage stellen kann, warum Venom seit Veröffentlichung vom wegweisenden Album „Black Metal“ als Kult verehrt werden. Andererseits – wer kennt all die ikonenhaften Plattencover der Band nicht zur Genüge und wer regt nicht entzückt die Hörner in die Luft und grölt „Lay Down Your Souls To The Gods Rock´n´Roll“ mit? In jedem Fall gehört ein Konzert von Venom – zurecht oder auch nicht – auf die Bucketlist eines jeden Heavy Metal-Freaks. (ODI)

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