Birdy im Interview – Melancholie ist Traurigkeit mit einem Hauch von Hoffnung

Wir haben Birdy zu einem Interview getroffen und mit ihr über ihr aktuelles Album, ihre Tour, ihr Leben in London und darüber gesprochen, wie es sich anfühlt, für so lange Zeit allein und weg von zu Hause zu sein.(English version below.)

Dein neues Album heißt „Beautiful Lies“. Was sind denn unschöne Lügen für dich? 

Birdy: Ich denke, schöne Lügen sind die Lügen, die du dir selbst erzählst. Für mich waren es die, dass ich mir immer wünschte, dass die Momente zu Hause nach so vielen Jahren des Tourens nicht enden würden.

Du tourst nun, seitdem du 14 bist. In Gegenwart deiner Freunde fühlt sich das sicherlich besonders an, auf der Tour ist das alles normal und du kannst das Haus nicht mehr verlassen, ohne, dass dich die Menschen als Birdy erkennen. Wann bist du Jasmine? 

Birdy: Ich versuche, immer ich ich selbst zu sein. Es war sehr komisch, sich an zwei verschiedene Leben zu gewöhnen und dann auch beide zu leben. Man muss die Balance zwischen beiden wahren, weil es wirklich sehr leicht ist, den Bezug zur realen Welt zu verlieren.

Man hat dich als „Heldin der Melancholie“ bezeichnet. Melancholie ist nicht das Gleiche wie Traurigkeit – was aber ist Melancholie für dich? 

Birdy: Für mich ist es eine Art reflektierende Traurigkeit. Es ist Traurigkeit mit einem Hauch von Hoffnung. Und das ist sehr hilfreich, weil auch die Message erhebend und friedlich ist.

Hoffnungsvoll in Bezug auf das Träumen oder woanders sein zu wollen? Wie fühlst du das, während du deine Songs an speziellen Orten schreibst? 

Birdy: Ja. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass dich auch der Song woanders hinträgt.

Was sind deine liebsten Plätze zum Songschreiben? 

Birdy: Ich liebe es, Songs auf dem Land zu schreiben, wo ich aufgewachsen bin. Es ist ruhig und friedlich und es ist toll, vollkommen fokussiert zu arbeiten.

Bono hat gesagt: „Music can change the world because it can change people.“ Inwiefern stimmst du dem zu? 

Birdy: Ich denke, dass die Message eines Songs einem die Augen für viele verschiedene Dinge öffnen kann und dir auch helfen kann, dich mit dir selbst im Einklang zu fühlen. Das ist eine wundervolle und auch sehr mächtige Sache.

Möchtest du, dass dein Publikum das auch fühlt während deiner Songs? 

Birdy:  Ja. Es ist besonders, wenn ich Feedback von jemandem bekomme, der mir erzählt, dass ihm meine Songs in schweren Situationen geholfen haben.

Welche Musik, Literatur oder Filme inspirieren dich am meisten? 

Birdy: Mein Album ist vom Buch „Die Geisha“ inspiriert, das ich am Anfang der Aufnahmen gelesen habe. Es geht um ein Mädchen, das von seiner Familie getrennt wird und woanders leben muss – hast du es gelesen?

Den Film habe ich gesehen. Ich denke, für uns ist es schwer zu realisieren, weil wir das normale Leben mit unseren Familien gewöhnt sind, wir gehen zur Schule und führen diesen ganz normalen Lebensstil. Das Leben der Geisha ist so vollkommen anders und wir können uns nicht vorstellen, dass dies deren Realität und Normalität sein soll.  

Birdy: Ich kann mich mit ihr in dem Punkt identifizieren, als dass sie von ihrem Zuhause we musste und in einer sehr komischen Welt aufwuchs. Es geht darum, die eigenen Stärken zu entdecken und für sich selbst zu kämpfen. Das ist etwas, das ich auch durchlebt habe. Von der Kultur war ich ebenso fasziniert wie von der Geisha ansich, die eine Maske trägt, hinter der sie sehr stark ist. Das habe ich wirklich an dem Buch geliebt.

Was ist der perfekte Song für dich? 

Birdy: Es gibt eigentlich keinen wirklich perfekten Song für mich. Für mich macht es einen Song besonders, wenn er etwas Unerwartetes in sich hat und man ihn beim erneuten Hören anders wahrnimmt. Es würde keinen Sinn machen, wenn es perfekte Songs gäbe, denn ich denke, dass  die Imperfektion etwas erst perfekt macht.

Du hast in einem Interview gesagt, dass du dich von Zeit zu Zeit einsam fühlst. Was ist der Grund dafür? 

Birdy: Ich denke, das ist ein natürliches Gefühl. Jeder fühlt sich manchmal einsam. Für mich war es der Fakt, dass ich zum ersten Mal ganz alleine nach London gezogen bin, wo ich niemanden kannte, wo meine Familie nicht bei mir war und ich nicht wusste, wo ich bin. Es hat einige Monate gedauert, um mich selbst zu finden.

Was vermisst du am meisten, wenn du auf Tour bist? 

Birdy: Mein Bett. Und die Dusche nach dem Aufstehen. Ich liebe es, unterwegs zu sein und es ist auch wirklich schön, im Bus immer woanders aufzuwachen. Ich bin an eine Menge Orte gereist, aber ich habe keine Erinnerungen an sie, weil alles immer so schnell ging und ich nicht viel sehen konnte. Ich war auch hier schonmal und ich erinnere mich auch irgendwie daran. Als ich in die Umkleide kam, habe ich gesagt „Ich war hier schonmal, aber ich weiß absolut nicht, wann.“ Es ist manchmal wirklich schwer, sich daran zu erinnern.

In deinem Song „Keeping your head up“ singst du davon, für jemanden da zu sein und jemandes Kopf oben zu halten. Was ist deine persönliche Inspiration für den Song gewesen? 

Birdy: Ich denke, der Song ist ein bisschen mit dem Gefühl verbunden, einsam und niedergeschlagen zu sein. Da muss jeder einmal durch, aber ich erinnere  mich immer daran, dass es so viele schöne Dinge gibt, die noch auf einen warten und dass die Zukunft gut wird. Das erhebt dein Gemüt und du weißt, dass es Menschen um dich herum gibt, die dir dabei helfen. Ich war sehr glücklich, aber jeder erlebt Höhen und Tiefen und für mich bedeutet der Song vor allem, weg von zu Hause zu sein, das Leben alleine in London, verloren zu sein und meinen Weg zu finden. Aber es  hilft mir zu wissen, dass es so viele schöne Dinge gibt, die auf mich warten.

Was hast du für die kommenden Monate geplant? 

Birdy: Ich werde in Amerika touren und bin schon sehr aufgeregt. Danach werde ich hoffentlich eine Tour durch Asien machen, wo ich noch nie war und das wird sehr besonders werden für mich.(A.E.)

 

Interview with Birdy – Melancholy is sadness with a touch of hope 

Before her concert in Munich we met Birdy and talked about her new album, being away from home, her description of melancholy and about the fact that there is no such thing as a perfect song. 

Your new album is called „Beautiful Lies“. So what kind of lies are not beautiful for you? 

Birdy: I think beautiful lies are the kind of lies you are telling yourself. For me it was being home with my family after five years of touring and being away, getting back to normality and wishing that could last forever.

This leads me to my next question. You are now touring since the age of 14, which is very young, which makes you feel special on the one hand when you are together with your friends from school but also takes you to normality while touring. You nearly cannot leave the house without being identified as Birdy. At which point are you Jasmine?

Birdy: I try to be myself all the time. It has been really weird getting used to have two different lives and to get used to both of them. You have to have a balance because it is so easy to lose touch of the real world.

Some newspapers reviewed you as „heroine of melancholy“. So, melancholy is not the same as sadness. What, to you, is melancholy?

Birdy: For me it is a reflective sadness. It is sadness with a touch of hope. And this is very helpful. The message is very uplifting, very peaceful as well.

Hopeful in terms of dreaming or being somewhere else? Do you feel that while writing songs at a special place? 

Birdy: Yeah. I think it is very important for the song to take you to somehwere special.

According to that, what are your favourite places to write songs? 

Birdy: I love to write songs in the countryside where I grew up. It is quiet and peaceful. It is nice to feel completely focused.

I have got a quote for you from Bono. He said: „Music can change the world because it can change people.“ In which way do you agree to him? 

Birdy: I think a message in a song can open your eyes to lots of different things, you relate to things in different ways and they help you feel in peace with you sometimes. And that is a wonderful and powerful thing.

Do you want your audience to feel these things while listening to your songs as well? 

Birdy: Yeah. It is a really special thing when I get feedback from someone telling me that something I have written helped them through a really hard situation.

Which music, literature or movie do inspire you most? 

Birdy: Actually, this album is inspired by the book called „The Geisha“ which I read at the beginning of the whole process. It’s all about this girl who’s ripped from her family into another country, have you read it?

I watched the movie. I think it is hard to realise because it is normal for us to live with our families, go to school and go this way of life. This is so different from our lives so that we cannot imagine that this is kind of normality in the Geisha’s country. 

Birdy: I relate to the fact that she is taken from her home and she has to grow up in this very strange world; it is about her discovering how strong she is and about her fighting for herself. That was something I was going through at the same time. But I was also fascinated by the culture and the Geisha herself, wearing a mask – behind that she is very strong. This was what I really loved about the book.

What is for you the perfect song? 

Birdy: There is not really a perfect song for me. What is special to me about a song is when it is different and makes you listen and think about it and when it has something in it which you do not expect. And I do not think that there is such a thing as a perfect song, that would not make sense. I think something can be perfect when it is imperfect which makes it perfect.

You said that you feel lonely from time to time. What is the reason for that exact feeling? 

Birdy: I think it is just a natural thing; everybody feels like that sometimes. For me it was the fact moving to London for the first time by myself. I used to be at home with my family. And then I was at a place I had no idea about, I did not know anyone and I did not know where I was. It has been hard few months to find myself.

Which things, except from your family, do you miss most while touring? 

Birdy: That is my bed. I miss getting up and use the shower. I love being away and I love touring a lot as well. It is quite nice being on the bus and wake up somewhere completely different. I travelled to a lot of places but I do not really have a memory of them because it is so quick and I cannot see much though. I have been here before and I kind of just remember it when I came into the dressing room and I said „I have been here before but I do not know when“. It is really hard to remember where you are sometimes.

In your song „Keeping your head up“ you sing about being there for someone and keeping up someone’s head. What is your personal inspiration for that song? 

Birdy: I think that song is kind of linked to feeling a bit down and lonely. That is something I go through from time to time but to me it is about remembering that there are so many bright things coming, that there is so much more coming and that the future is bright. That is going to lift your spirits. And also having people around you helping do that.

I have been very lucky but everybody has to go through ups and downs and to me, it is dealing with being away from home, finding it really hard being in London, lost and finding my way, missing my family. But remembering that there are so many good things lifts me.

What do you have in store for the next months? 

Birdy: I will be touring America and actually, I am excited. After that, I will be hopefully touring Asia where I have never been before which will be very special for me.(A.E.)

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