Claire im Interview – „Eine gute Show zu spielen, heißt, sich fallen zu lassen“

Im Interview beim egoFM Fest in München, erzählen Claire von den turbulenten vergangenen zwei Jahren, von Filmkünsten und von Livekünsten, von Inspiration und von ihren Plänen für 2016.

Was war das für ein Gefühl, als ihr nach dem Diebstahl des Tourbusses 2014 den anonymen Hinweis erhalten und daraufhin euer Equipment wiederbekommen habt?

Josie: Am Anfang war der erste Gedanke, als der anonyme Tipp kam: Wer verarscht uns denn jetzt? Ist überhaupt nicht witzig!, weil man nach so einem Diebstahl nicht dran glaubt, dass es möglich ist, dass die Sachen wieder auftauchen. Ich glaube, im ersten Moment hat keiner dran geglaubt. Wir haben dann auch unter einander geredet und meinten: Wir freuen uns noch nicht, wir freuen uns erst, wenn wir die Sachen wirklich wieder haben, weil die Geschichte einfach so unreal war. Das war schon eine krasse Zeit vom Diebstahl bis hin zu dem Punkt, an dem wir unsere Instrumente wirklich wieder in unseren Händen hatten.

Ihr habt die Geschichte dann im Kurzfilm „Raseiniai“ thematisiert. Gibt es ein konkretes Gefühl oder eine Message, die ihr damit rüber bringen wolltet?

Florian: Das war die Möglichkeit etwas zu machen, was zu hundert Prozent nur mit uns zu tun hat, unsere Geschichte ist. Das war der Versuch, das Kapitel richtig abzuschließen. Es gibt keine Message im Film, wie „Klaut keine Sachen, klauen ist blöd.“

Josie: Aber klaut keine Sachen!

Florian: Es geht vielmehr um die Geschichte, die wir uns dazu ausgedacht haben, die Geschichte des anonymen Hinweisgebers. Es war eine geile Möglichkeit, mal in eine Fantasiewelt einzutauchen. Wir haben Monate damit verbracht, das Drehbuch zu schreiben, und haben uns dann die wildesten Geschichten ausgedacht. Musikalisch war es der Versuch, die Charaktere zu beschreiben. Die Challenge war das Gesamtding.

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Eigentlich seid ihr ja Musiker. Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, einen Film zu drehen?

Matthias: Wir hatten schon immer Lust, mal was Filmisches zu machen. Unsere Freunde haben dann gesagt, hey die Story ist ja echt filmreif. Das war der perfekte Zeitpunkt. Es war auch eine Herausforderung. Wir wollten sehen, ob wir auch einen Film hinkriegen. Währenddessen haben wir dann gemerkt, dass es Gründe gibt, warum wir Musiker sind und keine Filmemacher.

Josie: Wir sind froh, dass wir´s gemacht haben, aber wir werden es nicht nochmal machen.

Was sind eure konkreten Pläne für 2016?

Florian: Erstmal wollen wir heute Abend überstehn. Wir haben schon lange nicht mehr gespielt, und waren, was das Lampenfieber angeht, schon mal routinierter als heute.

Josie: Wir schreiben an einem neuen Album, was auch der Grund ist, warum wir länger nicht gespielt haben.

Florian: Und dann gibt´s hoffentlich auch eine Tour dazu.

Habt ihr eine Traumlocation, wo ihr unbedingt mal auftreten wollt?

Nepomuk: Es gibt eine Menge Festivals in Deutschland und Europa, wo wir unbedingt noch spielen wollen.

Josie: Wir haben auch auf jeden Fall noch eine Rechnung mit England offen. Koko ist ein legendärer Club in Londons Indieszene. Wir haben das Angebot bekommen, dort zu spielen, dann wurde unser Bus gestohlen und wir konnten nicht auftreten. Einmal in diesem Club gespielt zu haben, das fehlt mir immer noch, um die ganze Geschichte abzuschließen.

Florian: Eigentlich fällt mit dem Auftritt heute auch ein Häkchen. Seit ich Konzertkarten kaufen darf, gehe ich in die Muffathalle. Heute hier zu spielen ist furchteinflößend und cool zugleich.

claire010416©johannes kl-60Welcher Künstler hat euch bisher am meisten inspiriert?

Fridolin: Wir hatten das Vergnügen Woodkid in Frankreichsupporten zu dürfen. Die Bühnenshow und die Choreographie waren wahnsinnig beeindruckend, musikalisch und visuell war das unglaublich gut umgesetzt. Außerdem waren die auch super nett. Das zeigt wieder, dass es egal ist, wie groß der Künstler ist. Wenn er nett ist, ist er nett.

Florian: Foals in Luxemburg fand ich auch unheimlich cool.

Josie: Ja stimmt. Das war eh ein toller Tag für uns. Das war bisher vielleicht auch einer der krassesten Auftritte, die wir außerhalb von Deutschland hatten. Wir haben in einem Zelt gespielt und ehrlich gesagt glaube ich, dass nicht so viele Leute gekommen wären, aber dann hat es übertrieben angefangen zu schütten und alle haben Schutz gesucht vor dem Regen und sind zu uns gekommen. Das hat uns perfekt getroffen. Wir konnten eine geile Show spielen und das hat unfassbar viel Spaß gemacht. Die Laune ist dann natürlich um einiges besser, wenn man vor so einem vollen Zelt spielen kann und alles glatt läuft. Danach haben wir uns zusammen dann noch Foals angeschaut. Das war schon sehr beeindruckend.

Florian: Ja, wenn wir dann alle zu fünft dastehen und die Musik abfeiern, ist es wirklich gut. Wenn man das erste Mal backstage ist und vor seinen großen Vorbildern steht und die Typen sind, wie wir auch, inspiriert das nochmal auf einer anderen Ebene. Das ist super motivierend.

Matthias: Am beeindruckendsten fand ich, glaub ich, Snoopdog. In einem Jogginganzug ist er über den Flughafen geschlurft und Hunderte standen um ihn rum.

Was macht einen guten Liveauftritt eurer Meinung nach aus?

Nepomuk: Es gibt ein paar Sachen, die müssen garantiert sein. Die Technik muss funktionieren, der Sound auf der Bühne muss stimmen. Und dann geht es darum, dass du nicht nachdenken musst. Wenn du nicht nachdenken musst und dich fallen lassen kannst, ist es eine geile Show. Ich glaube, die Show ist fürs Publikum nur gut, wenn sie sich auf der Bühne auch gut anfühlt. Wenn wir entspannt sind, spielen wir eine gute Show.

Zum Abschluss Claire in unserer Münchner Fragerunde:

Isar oder Eisbach? Klare Entscheidung: 5:0 für Isar

Schnitzel oder Schweinebraten? Die Tendenz geht Richtung Schnitzel, bis der ausschlaggebende Einwand kommt: „Schnitzel ist ja gar nicht bayrisch!“

Augustiner oder Tegernseer? Claire im Chor: „Tillmann´s“

(P.P.)

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