Im Interview mit Aurora – „Wir sollten uns für einander einsetzen“

Wir haben Aurora vor ihrem Auftritt am 1. Mai im Münchner Freiheiz zu einem kurzen Interview getroffen und mit ihr über die Magie der unterschiedlichen Städte, über die heilende Wirkung von Musik, über Herzensstürme und über ihr nächstes Album gesprochen.(english version below)

Du bist im Moment in Deutschland auf Tour, im Sommer wirst du dann auf vielen Festivals auf der ganzen Welt spielen, worauf freust du dich am meisten und warum?

Aurora Aksnes: Insgesamt freue ich mich im Moment vor allem darauf, im Studio zu sein und neue Songs zu machen. Wenn ich auf Tour bin, ist es schön, die unterschiedlichen Städte kennenlernen zu können. Manchmal hat man einige Stunden frei, in denen man die Städte dann erkunden kann. Ich liebe es, ein kleines Stückchen Natur, einen Park in jeder Stadt zu finden. Dann setzte ich mich hin, gehe ein bisschen spazieren und fühle einfach die Eitelkeit der Stadt. Ich liebe es auch, mich mit unterschiedlichen Leuten zu unterhalten und sie kennenzulernen. Auf Tour zu sein macht Spaß, ist aber auch gleichzeitig anstrengend, natürlich überwiegt aber der Spaß. Das Publikum ist in jeder Stadt unterschiedlich und gibt einem so viel Liebe. Wenn man jeden Tag eine Show spielt, ist es schön, ein bisschen Abwechslung zu haben.

Du sagst, du würdest dich auf die Arbeit im Studio freuen, arbeitest du also gerade an einem neuen Album?

Aurora Aksnes: Oh ja. Wenn ich alleine bin, schreibe ich diese traurigen und unheimlichen Songs. Ich habe bisher fast 40 Songs geschrieben, ich musste mich zwischen den Songs entscheiden und einige für das Album auswählen. Dann habe ich versucht, einige Songs zusammen mit meinen Bandkollegen zu schreiben, damit das Album ein bisschen fröhlicher wird. Um etwas Fröhlicheres zu machen, muss ich immer zusammen mit Freunden schreiben, damit sie mir sagen können, wenn es zu traurig wird. Es ist wirklich wichtig, in einem Album auch ein bisschen Freude zu haben. Ich will die Zuhörer ja nicht traurig machen. Ich will, dass das Album alle Emotionen beinhaltet. Es fühlt sich sehr seltsam an, wenn das Album für alle neu, aber alt für mich ist. Deshalb freue ich mich darauf, noch mehr Musik zu veröffentlichen, das macht am meisten Spaß.

In einem älteren Interview hast du gesagt, dass dir die Zwischenreden schwerfallen würden, ist es dann auch schwierig für dich, die richtigen Worte für deine Lyrics zu finden, oder ist das etwas anderes?

Aurora Aksnes: Das ist wirklich verrückt, weil mir alles viel einfacher über die Lippen geht, wenn ich singe. Das ist wie in Trance. Ich mache das, ohne zu wissen, dass ich singe oder schreibe. Das fühlt sich magisch an, ein bisschen wie Träumen. Das passiert einfach. Dass ich gerade auf der Bühne bin, realisiere ich erst, nachdem ich aufgehört habe zu singen. Mit Menschen zu reden, ist unheimlich. Das sieht man schon in der Schule, wenn man ein Referat halten muss. Wenn ich nervös bin, rede ich viel unsinniges Zeug, aber ich arbeite daran.

Du hast erzählt, dass du Musik vor allem für dich selbst machen würdest. Deine Mutter habe daraufhin gemeint, es sei egoistisch, das nicht mit anderen zu teilen, weil Musik Menschen helfen könne. Kannst du das erklären? Wie kann Musik deiner Meinung nach anderen helfen?

Aurora Aksnes: Menschen sind sehr komplizierte Kreaturen. Wir fühlen so viele unterschiedliche Dinge, andere Menschen und andere Orte berühren uns. Nichts hält für immer. Wir werden alle das Gefühl von Verlust und Enttäuschung, das Gefühl, verlassen zu werden und keine Freunde zu haben, erleben. Wir erleben alle Dinge im Leben, die sehr hart sein können. Ich denke, einer der schlechtesten Fähigkeiten der Menschen ist, dass wir nicht über Gefühle reden können. Wenn du einen Freund fragst, ob es ihm gut gehe, wird er meistens antworten: „Ja, mir geht es gut, alles okay“, aber du kannst sehen, dass irgendwas nicht stimmt. Das ist der Grund, warum Musik so wichtig ist, weil so viele Menschen Angst davor haben zu sprechen, oder einfach niemanden zum Reden haben. Wenn du einen Song hast, der zu dir sprechen kann, kann er eine Art Freund sein. Musik ist so eine wundervolle Sache, vor allem für mich, weil ich nicht gut im Reden bin, aber ich kann darüber schreiben. Ich glaube, Musik kann uns sehr helfen, weil wir manchmal einfach weinen müssen. Es ist sehr gesund, manchmal zu weinen.

Du hast einen Song mit dem Titel „My Heart Is A Storm“, in welcher Situation hast du einen Sturm im Herzen? Ist das eher ein positives oder negatives Gefühl?

Aurora Aksnes: Der Song ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, aber ich mag diesen Song. Ich sollte ihn in das zweite Album packen. Ich denke es gibt sehr oft Stürme in meinem Herzen. Ich fühle sehr viel. Ich habe keine Angst vor Gefühlen, ich liebe es zu weinen und für kurze Zeit wütend zu sein, wenn es in mir brodelt. Ich verarbeite das dann in Musik, in Malerei oder in Yoga. Ich bin sehr emotional und weine sehr viel, mal bin ich erschrocken, ich denke nach, mal lache ich und mal bin ich wütend. Ich fühle gerne viele verschiede Dinge. Ich habe also sehr oft das Gefühl, Stürme im Herzen zu haben, und das geht in ganz unterschiedlicher Weise vor sich. Wenn du verliebt bist und Schmetterlinge im Bauch hast, dann hast du einen Sturm im Herzen. Das kann beides sein, Angst einflößend und ein zerreißendes Gefühl. Wenn du so viel fühlst und alles um dich herum vergisst, dann hast du das Gefühl, einen Sturm im Herzen zu haben.

Mit 16 hast du einen Song über den Weltfrieden geschrieben. Ich würde sagen, dass diese globalen Probleme momentan nicht mehr so offensichtlich in deinen Songs sind, spielen sie trotzdem noch eine Rolle?

Aurora Aksnes: Ja, absolut. Sie spielen eine Rolle in Songs, wie „Through The Eyes Of A Child“ oder „Black Water Lilies”, aber sie sind versteckt. Ich kann keine Nachrichten lesen, das bestürzt mich, weil es immer eine schlechte Neuigkeit gibt. Überall auf dem Handy liest man so viele traurige Dinge. Die meisten Menschen können dann einfach weiter scrollen, wenn sie sehen, dass wieder 100 Menschen getötet wurden, aber ich kann das nicht. Das bewegt mich sehr. Diese ganzen Dinge machen mich wütend. Dann habe ich das größte Bedürfnis, etwas zu schreiben, damit ich mich danach wieder ein bisschen fröhlicher fühlen kann. Ich denke es ist sehr wichtig, über diese Dinge zu schreiben, weil wir immer wieder vergessen, dass sie real sind. Wir können nicht jeden Tag über die Probleme der Welt nachdenken, aber wir sollten viel öfter darüber nachdenken, weil wir helfen können. Ich schreibe über Dinge, um uns an sie zu erinnern. Diese Probleme existieren und wir können nicht denken, dass es nicht unser Problem ist, weil wir alle zusammen auf dieser Welt leben. Es sollte uns bewegen, wenn jemand leidet.

Wieso machst du so viele live Videos?

Aurora Aksnes: Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Ich mag mich selbst auf jeden Fall lieber live als auf dem Album, weil mir Emotion und Energie am wichtigsten sind. Die Emotion kann man auf einer Aufnahme eben nicht so rüberbringen, wie live. Das ist zu perfekt. Live Shows sind viel echter, sie sind lebendig. Ich versuche, dieselbe Energie in das Album zu bringen. Das ist mein größtes Ziel für das zweite Album. Ich weiß noch nicht genau wie, aber vielleicht versuche ich, die Vocals vor Live-Publikum aufzunehmen.

(P.P.)

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Interview with Aurora – “We should all stand up for each other”

We met Aurora before her show for a little interview in Munich and talked with her about the magic of different cities, healing through music, storms at heart and about her second album.

You are playing a big tour in Germany at the moment and you will play at many festivals all around the world in summer, what are you most looking forward to, and why?

Aurora Aksnes: In general I am very excited about being in studio and making new songs at the moment. When I am on tour it is very nice to get to know all this different places. At least you sometimes have some hours off, so you can see different cities. I love to find small areas of nature, I love to find a park in every city. Then I sit down, maybe take a walk and just feel the vanity of the city. I also like to talk to people and get to know them. I really like to get the smell of the city. It is much fun but also exhausting to be on tour, of course more fun. The audience gives lots of love and they are very different in every city. It is nice to have variation, if you play a show every day.

You said you love being in studio at the moment, so are you working on a new album?

Aurora Aksnes: Oh yes. When I am alone, I am writing these sad and creepy songs. I have written almost 40 songs until now, but I had to choose some songs, being on the album. Then I tried to write some with the bandmates, so we can make something happier. I always need to write with friends to write something more cheerful, so they can tell me when it is too sad. It is important to have some joy in the album, as well. I do ott want to make people depressed. I want to have all the emotions on an album. It feels strange when the album is new to everyone but old to me. So I am very excited to release more music because that is most fun.

In an older interview you said that you have some problems with the speech between your songs. Is it also difficult for you to find the right words for your lyrics, or is this different?

Aurora Aksnes: It is very strange because when I sing everything flows on my lips much easier. It is like in trance. I just do it without knowing, that I am singing or writing. It just happens. It feels very magical, a bit like dreaming. It is just happening and then you realize that you are on stage after you have done singing. It is kind of scary to talk to people. You see it at school when you have to do presentations. Talking is a scary thing. When I get nervous I say lots of strange things. But I am working on it.

You said that you are creating music for your own. Then your mother told you it would be selfish not to share it because it can help other people. How can music help people?

Aurora Aksnes: People are very complicated creatures. We feel so many things and we get attached to other people and to places and to things. Nothing lasts forever. We will all experience the feeling of loss or disappointment, being left outside and having no friends. We all experience things in life, which can be really tough. I think one of the worst ability of humans is that we cannot talk about emotions. If you ask a friend “Are you fine?” your friend will most likely say, “I am fine, there is nothing” but you can see that something is wrong. That is why music is so important because there are so many people who are afraid to talk and maybe do not have anyone to talk to. If you have a song that can talk to you it can be kind of a friend. Music is such a beautiful thing, especially for me because I am not good at talking but I can write about it in music. I think music can help us a lot because we need to cry sometimes. It is very healthy to cry sometimes.

You have a song called “My Heart Is A Storm”. In which situations is your heart a storm? Is this more a positive or a negative feeling?

Aurora Aksnes: I have forgotten about that song but I like that song. I should put it on the second album. I think my heart is very often in a storm. I am a tiny person and I feel many things. I am not afraid to feel because I love myself to cry and to be angry for a little while if there is any trouble in me. I like to put it in music, in painting or in yoga. I am very emotional and I cry a lot, I am scared and I think, I laugh and I am angry, so I like to feel so many things. And I often have the feeling that my heart is a storm, it can be in many ways. If you are in love, when you have butterflies in your belly, then you have a storm in your heart. That can be both, being scared and being so torn apart. When you feel so much and you forget about everything else that is when your heart is a storm.

At the age of 16 you wrote a song about world peace. These global problems are not really obvious in your songs at the moment, do they still play a role?

Aurora Aksnes: Yes, absolutely. There are songs like “Through The Eyes Of A Child” and “Black Water Lilies” but it is very hidden. I cannot read the news, it makes me really upset because there is always something sad. Everywhere on your phone you read about so many sad things. Most people can just scroll, when they see 100 people got killed, they move on, but I cannot do that. It affects me a lot. All these things make me angry. Then I have the biggest need to write something, so I can feel a bit happier when I am done. They inspire me a lot. I think it is important to write about these problems that we try to forget that they are real. We cannot think about the world’s problems every day but we should think about them much more because we can help. I write about things so we can be reminded of them. These problems exist and we cannot think that it is not our problem because we are all together in this world and we should all stand up for each other. It should affect us if anyone is suffering.

Why do you make so many videos of live performances?

Aurora Aksnes: I have not thought about it. I definitely like myself more live than on the album because the most important thing for me is the emotion and the energy. You cannot show the emotion on a record in the same way as live. It is too perfect. Live shows are so more real, they are alive. I try to put the same energy in the album, that is my biggest goal for the second album. I do not know how but I might try to record the vocals in front of live audience.

(P.P.)

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