Sophie Dunér im Interview – Musik ist etwas Unerwartetes

Die Jazzsängerin Sophie Dunér erzählt im Interview, was die Leidenschaft in der Musik für sie ausmacht, warum Musik unerwartet ist und dass für sie Musik und Kunst zusammengehört.

Was bedeutet für dich Schönheit im Zusammenhang mit Musik und vor allem Melodien?

Sophie Dunér: Ich mag Melodien, die extreme hoch und tief sind, welche, die interessant Ecken und Kanten haben. Es klingt so menschlich und auch schön gebrechlich, wenn sie schon fast brechen, weil sie in hohen Registern sind. Ebenfalls finde ich Intervalle mit Spannungen schön wie z.B. übermäßige Quarten, Septen, kleine Sekunden. Für mich ist das wunderschön, weil sich daraus ein wirklich guter Kontrast ergibt. Generell liebe ich auch plötzliche Schläge oder Eingänge, die man nicht erwarten würde. Ich denke, dass Musik etwas Unerwartetes hat, den Rhythmus von etwas Sprechendem, sich bewegendem, Lebenedem. (Es ist nicht immer alles im 4/4-Takt, nicht wahr?). Ebenfalls mag ich abrupte Wechsel von Dynamiken.

Was magst Du am meisten an deiner Profession und an welchem Punkt geht diese in Leidenschaft über?

Sophie Dunér: Ich mag es, wenn du “wirst” und wenn der Kopf aufhört, involviert zu sein. Das bedeutet für mich, dass ich meine Hausaufgaben gemacht habe.

Was ist für dich das Wichtigste beim Songschreiben?

Sophie Dunér: Nun, ich plane diese nie – es passiert einfach, sie fallen mir beim Busfahren oder wo auch immer ein. Die Informationen sind schon immer alle da, wenn ich Songs schreibe und ich denke auch nicht zu viel darüber nach, sie kommen einfach. Das ist möglicherweise das Unbewusste, welches vom Bewusstsein kommt.

Warum ist Kunst nie glücklich?

Sophie Dunér: Wenn man erfüllt ist, ist es nicht nötig, etwas zu kreieren. Man lebt die Kunst. So, wie wenn man verliebt ist, da ist keine Notwendigkeit, etwas zu kreieren. Man kreiert nur, was man nicht hat. Letztlich ist es das, wie es sich für mich anfühlt.

Was bedeutet für dich Melancholie?

Sophie Dunér: Ich weiß nicht. Ich glaube, ich möchte davon loskommen.

Warum kombinierst du Musik mit deinen eigenen Malereien?

Sophie Dunér: Das hat keinen speziellen Grund, es ist einfach passiert. Ich habe immer jeden Tag gemalt, also ist das ganz natürlich passiert. Andererseits unterstützen sich Musik und Kunst gegenseitig. Ich habe das Gefühl, dass es einfacher ist, der Musik zuzuhören, wenn etwas Visuelles dabei ist. Es ist ein Weg, um stärker miteinander zu kommunizieren. Man hat mir gesagt, dass das bizarrste Stück meiner Musik mehr Sinn macht, wenn ich es zusammen mit einem meiner Bilder kombiniere.

Was ist so besonders daran, auf der Bühne zu stehen und wie fühlt es sich für dich an, persönliche Dinge vor einem Publikum zu präsentieren?

Sophie Dunér: Ich habe mich immer sehr ausgestellt gefühlt, als ob sie mich alle direkt anschauen. Ich mag es, auf der Bühne lustig zu sein. Ebenso finde ich es großartig, in eine spezielle Energie zu kommen, das man zum Beispiel im Ethnic Jazz hat.

Was war das Wichtigste bei den Aufnahmen zu deinem Album?

Sophie Dunér: Die Arrangements für mein Streichquartett und meine eigenen Töne zu treffen.

Wie entstehen deine Ideen und was kommt zuerst: Melodie oder Text?

Sophie Dunér: Manchmal die Melodien, manchmal der Text. Abe rich finde es interessanter, mit dem Text zu starten, da einen das zu den Melodien führt, die man nicht selbst erfunden hat – so entsteht eine wilde, natürliche Melodie. Oft haben auch die Sätze schon eine Melodie für einen kreiert. Dann mag ich „Fehler“, man landet bei der falschen Note oder beim falschen Akkord, was ein Geschenk sein kann, weil es unvoreigenimmen und nicht selbst gemacht ist, was gut sein kann. (Wie die Abwesenheit vom Technischen, wiederum sehr frisch). Und dann gibt es Momente, die mit Melodien anfangen, oder auch Akkorde. Ich mag es, sie als Gruppen zu nehmen, als Themen, als Energien, die aufeinander folgen. Da ist das Malen der Assistent des Architekten.

Was bedeutet, gerade in Zeiten von Social Media, Freundschaft für Dich?

Sophie Dunér: Manche sind Kontakte, manche Freunde. Manche werden Kontakte, manche Freunde. Es hängt alles davon ab, wie du soziale Medien benutzt und in welche Richtung das geht. Es kann sehr befriedigend sein oder eben das genaue Gegenteil. Wie bei allem geht es um das „Wie“.

Debussy hat gesagt: „Musik ist die Stille zwischen den Tönen. Inwieweit stimmst du dem zu?

Sophie Dunér: Dem stimme ich total zu. Stille ist etwas, das die Noten bestärkt und andersrum, es kommt immer darauf an, wie lang sie ist. Also trägt sie zur Musik bei. Sie kann einen sehr großen Unterschied machen, was sie in Jazzimprovisationen ganz besonders tut.

Wenn du an die Anfänge deiner Karriere denkst: Was sind die größten Veränderungen seitdem?

Sophie Dunér: Sich selbst und seinen Präferenzen treu zu sein, seine eigene Ausdrucksweise und Position auf der Bühne zu finden.

Was denkst du über Musik, die politisch ist?

Sophie Dunér: Es ist gut, solange sie nicht im Voraus mit Worten erklärt werden muss. Ich habe mal einen Künstler im TV gesehen, der alles über seine Werke erklärt hat (in diesem Fall war es eine Skulptur, aber das lässt sich auch auf Musik übertragen). Als sie aufgehört hat zu reden, habe ich mir das Werk angeschaut und plötzlich schien es mir total langweilig. Es war nichtssagend aus dem Grund, weil schon alles vorher erklärt wurde. Ich denke, dass alle Kunst eine Message hat, die in sich selbst erklärend ist und die Kunst selbst trägt sich auch selbst und somit kommt die Message ganz von allein und vor allem auf ihrem ganz eigenen Weg – das ist die Schönheit und Originalität und auch die Herausforderung des Ganzen, nicht wahr?

Wie möchtest du, dass dein Publikum fühlt, während du auf der Bühne performs?

Sophie Dunér: Normalerweise haben sie extreme unterschiedliche Wahrnehmungen und Meinungen meiner Musik. Ich hoffe, dass sie, auf welchem Weg auch immer, bewege.

Was kannst du uns über die folgenden Monate verraten, welche Pläne hast du?

Sophie Dunér: Im Juni werde ich ein audiovisuelles Konzert auf dem „Festival O/Modernt“ in Stockholm spielen. Im Juli werde ich eine neue CD mit neuem, von mir geschriebenem Material zusammen mit Jeremy Harman am E-Cello in Boston aufnehmen und im August nehme ich an einer audiovisuellen Performance- und Kunstausstellung beim Bimbache Open Art Festival in El Hierro auf den Kanarischen Inseln teil. Ebenfalls werde ich bei zwei CD-Veröffentlichungen vom PARMA Recordings mitwirken: Im Juni beim PARMA Music Festival Live 2014/Navona Records und im Juli bei Big Sounds Vol.,/ Big Sounds Records. Zudem werde ich eine CD zusammen mit dem großartigen Jazzbassisten Dominic Duval veröffentlichen.

 

 – English Version

Sophie Dunér speaks about beauty in music, what she likes about her profession and that her paintings belong to her music.

What does beauty mean for you in terms of music and melodies?

Sophie Dunér: I like melodies with extreme highs and lows. Angular melodies with interesting peaks. Sometimes peaks that almost break in the high registers because they are too high! (makes it sound so human and, beautifully fragile!) And melodies that consist of intervals with tension – like tritones, 7ths, minor seconds etc. To me, that’s beautiful – and when they break out in a balanced, romantic melody or harmony it creates such a nice contrast! I like contrasts (as well as contradictions) a lot. In music – in general. I also love changes of time feels and sudden hits or entrances that I wouldn’t expect. Basically – I think I like music that has the unexpected, human rhythm of someone talking, moving or living! (They don’t all do it in 4/4, do they?) I also love abrupt changes of dynamics and activity.

What do you like most about your profession and at what point does it turn into passion?

Sophie Dunér: I like when you „become it“ and when the head [finally!] ceases to be involved [„auto play“]. That means you´ve done your „homework“, to me.

What is the most important thing for you when writing lyrics?

Sophie Dunér: Well, I never plan them – they just happen or, present themselves to me on a bus or whatever – information is already stored in oneself so, when it comes to writing lyrics, I don’t think too much or, am too conscious about it – they just pop out. The subconscious, reacting from the conscious, possibly.

Why does art never come from happiness?

Sophie Dunér: Because when being fulfilled, it´s not necessary to create. You live art. Like when you are in love. No necessity to create. You create what you don’t have. At least, that’s how it is for me.

What does melancholy mean for you in detail?

Sophie Dunér: I don´t know. I believe I want to get rid of it.

Why do you combine music with arts and your own paintings?

Sophie Dunér: No special reason – it just happened that way. It´s the same thing, really. I always painted every day, so I guess it happened naturally….on the other hand, they enforce each other, I have noticed. I feel that with having visuals involved, it makes it easier for anyone to relate to it, especially original written music. It’s a way to communicate stronger. The most bizarre piece of (my) music makes more sense when combining it together with one of my paintings, I have heard being said.

What is the most special thing to be on stage and how does it feel for you to perform personal things in front of your audience?

Sophie Dunér: I always felt quite exposed, like they look straight into me. I love feeling humorous on stage. I also enjoy getting into a strong, rhythmic groove on stage, this kind of raw, primal energy that you can find in some ethnic jazz, for example.

What was the most important thing when you were recording your recent album?

Sophie Dunér: To get my string quartet arrangements and the personality of the tunes right!

How do ideas come to your mind and what comes up first: melodies or lyrics?

Sophie Dunér: Sometimes melodies first, sometimes lyrics. But I find starting with lyrics is more interesting as that leads you to melodies you haven’t created yourself – it gives you a melody thats natural and wild, taken from life – often, the sentences have already created the melody for you. Then I love to use `mistakes´- you land on the wrong chord or note – and that could be a gift because its unpretentiously not prepared by yourself – which can be a good thing! (the absence of the mind, again very fresh.) Then, of course, if I start with melodies – or chords, I like to treat them as groups or themes or patterns of energies next to each other. There, painting is the assistant and the architect.

What does, in times of social media, friendship mean for you?

Sophie Dunér: Some are contacts, some are friends. Some BECOME contacts, others – friends. It all depends on how you use it and in what direction one takes it – it can be highly stimulating or, quite the opposite…..like everything, it’s the HOW.

Debussy said: “Music is the silence between the notes.” How far can you relate to that quote?

Sophie Dunér: A lot! Silence is another shape that encourages the notes and vice versa, depending on how long it is – so of course, it contributes as music. It can certainly make a huge difference – and it does, in jazz improvisation, for example.

If you think of the very beginning of your career: What are the most important changes you went through?

Sophie Dunér: Being true to your own preferences in music, finding your own expression and stage attitude.

What do you think about music being political?

Sophie Dunér: As long as its not explained with words beforehand. I once saw an artist on TV explaining everything about her creation (in this case, it was a sculpture – but it could have been music as well). When she was finished talking, I looked at it, but it was completely boring to me. It had nothing more to say as everything was explained beforehand. In my opinion, all art has a message by itself and is created to and is the vehicle to and will spread the message in its very own, special way – that’s the beauty, originality and the whole challenge of it, isn´t it?

What do you expect your audience to feel while performing on stage?

Sophie Dunér: Usually, they have extremely varied reactions and opinions of what I do musically. I hope something will move them, in whatever way.

What can you tell about the following months, what do you have in store?

Sophie Dunér: In June, I will be giving an audiovisual concert at „Festival O/Modernt“ in Stockholm, Sweden. In July, I will be recording a new CD of new material (jazz written by myself) together with Jeremy Harman on electric cello in Boston, US and in August, I will be participating with an audiovisual performance and art exhibit at Bimbache Open Art Festival in El Hierro, Canary Islands. I will also be featured on two new CD compilations releases by PARMA recordings (USA): In June, PARMA Music Festival Live 2014 / Navona records and in July, Big Round Sounds Vol. 1 / Big Round Records. As well, I will be releasing a CD of standards with the great jazz bassist Dominic Duval.

(A.E.)