ALANIS MORISSETTE – Tollwood Musik-Arena

Eine Revue aller relevanten Hits im Schnelldurchlauf

Alanis_Morissette
Foto: John Salisbury – Warner Music

Als Alanis Morissette 1995 ihr Album „Jagged Little Pill“ veröffentlicht hatte, galt sie gemeinhin als leicht durchgeknallte, musikalische Mutter aller emanzipierten Frauen. Das Album der damals 21-jährigen ging weltweit durch die Decke und Songs wie „Hand In My Pocket“, „Head Over Feet“ oder natürlich „Ironic“ wurden stündlich auf MTV und im Radio ausgestrahlt.

Mittlerweile zählt die Kanadierin 44 Jahre und verdingt sich auch als Schauspielerin. Ein neues Album gab es seit 2012 nicht (abgesehen vom „Jagged Little Pill“-Acoustic-Remake und dem Livemitschnitt beim Montreaux Jazz Festival), auf Tour geht sie aber immer noch. Die nicht ganz ausverkaufte Musikarena auf dem Tollwood-Gelände glich am heutigen Abend einer Dampfsauna, Morissette sprang zu „All I Really Want“ dennoch wie ein junges Reh im Morgentau über die Bühne und nutzte den Klassiker hörbar, um ihre Stimme zu tunen. Mittlerweile hat sie ihre wilde, lange Mähne gegen einen frechen Lausbubenschnitt getauscht und wirkt insgesamt sehr erwachsen. Weiter ging es mit „21 Things I Want In A Lover“ und da war sie schon in Bestform.

Insgesamt neun Songs von „Jagged Little Pill“ brachte Morissette in dem aus achtzehn Stücken bestehenden Set unter. Den vorwiegend im mittleren Alter befindlichen, weiblichen Fanscharen entlockte dies fortwährend, lautes Gekreische zu jedem bekannten Akkord. Es war herrlich!

Morissette hingegen nutzte jeden freien Augenblick, um sich mit ihrer vorzüglichen Begleitband zu befassen. So groovte sie zu den wenigen Soli ihrer beiden Gitarristen oder prustete die gewohnt, leicht schrägen Töne in eine Mundharmonika zum Beat des Schlagzeuges.

Das besonders Faszinierende an dieser Frau ist ja, dass man nie weiß, ob ihre kauzige Art im Unvermögen einen Takt zu halten liegt oder ob sie einfach nur eine wahre Meisterin ihres Fachs ist. Letzteres muss wohl stimmen, denn während die Band stoisch am Rhythmus festhält, findet Morissette immer wieder den richtigen Einsatz und stets die passende Tonlage.

Ihre Texte, die vom immerwährenden Sich-Losreißen von allzu schlechterzogenen Ex-Geliebten geprägt sind, trägt die 44-jährige noch immer mit einer derartigen Inbrunst vor, dass man den Wahrheitsgehalt dieser Geschichten nicht anzweifeln möchte. Zur Generation X-Hymne „Ironic“ schwoll der Lautstärkepegel im ansonsten, wie immer viel zu leisen Zelt noch einmal merklich an.

Nach einem kurzen Zugabenblock („Uninvited“ und „Thank You“) war das Konzert leider etwas zu schnell vorbei. Es handelte sich zwar um eine Revue aller Hits, von denen Morissette einige zu bieten hat. Aufgrund des insgesamt aber spärlichen Outputs an Alben ab den Nuller-Jahren, waren eben diese besten Titel schon nach knappen neunzig Minuten gespielt.

Fazit: Diese Bühnenpräsenz und die Art und Weise eine tolle Stimme zu sehr guten Songs zu inszenieren, bleibt unerreicht. Thank You! (ODI)

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