Charisma des Protests – Pussy Riot Theatre in der Münchner Muffathalle 

 

Pussy Riot TheatreEs war nicht Theater, es war kein Konzert, es war gewissermaßen die russische Revolution, die am 20. Januar mit Pussy Riot Theatre in die Münchner Muffathalle einzog.

Entschlossen trat die junge Bandformation mit Mascha Alechina an der Spitze auf die Bühne, um ihre Geschichte zu erzählen. Die Masken fielen, die vier Performer spielten sich selbst.

Schnell wurde klar, dass die Show aus dem Unterhaltungsrahmen fallen würde. Unter dem Motto „As Punk As Possible“ standen dem Performance-Quartett Überzeugung und Unaufhaltsamkeit in aller Deutlichkeit ins Gesicht geschrieben. Auch die Zuschauer begannen, ihrem Aufruf zu folgen und unterstützten den russischen Rebellionschor.

Die Geschichte von Pussy Riot und damit die Geschichte des Abends begann mit Putins Kandidatur 2011. Es folgten autobiographische Videozusammenschnitte von Gegen-Demos und Probenplanung, bevor Pussy Riot die

Freiheit des bürgerlichen Zorns am 21. Februar 2012 in der Erlöser Kathedrale in Moskau zum Ausdruck brachten. Dann 40 Sekunden Verbrechen auf Leinwand, gespickt mit Überzeugung und Angst, Flucht und Stolz, zur Sprache gebracht in russischen Dialogen, verständlich gemacht durch deutsche Untertitel.

In Sprechchören stellten sich die Performerinnen und Performer mit ausgestellten Parolen gegen Korruption und Missstände in ihrem Heimatland. Harte, unnachgiebige Drums gaben den Takt der unausweichlichen Revolutionsaufrufe an.

Weder Drohungen noch Gefängnisstrafen konnten das Polit-Kunst-Kollektiv seit ihrem Protest-Tanz 2012 aufhalten. So war auch die Performance des Abends von Mut geprägt. Zwischen Theater, Musik und Wirklichkeit gaben Pussy Riot dem Protest in der Münchner Muffathalle charismatisch ein Gesicht.(P.P.)

Fotos Pussy Riot Theatre