Deichkind – Die coolen Jungs aus Hamburg bringen das Zenith München zum Kochen

Schon bevor das Konzert beginnt, wird eines klar: Die Fans wollen Deichkind richtig feiern und viele haben sich dazu aufwendig im Stil der Band kostümiert. Man sieht engsitzende, neonfarbene Glanzleggins, zu Kleidungsstücken umfunktionierte Mülltüten oder Glanzfolie und die für Deichkind unvermeidlichen Leuchtbänder und Dreieckshüte. Dieser Abend verspricht ein buntes, knalliges Fest zu werden!

So ist dann auch die Stimmung bereits gut, als zunächst Musikvideos über die Leinwand vor der Bühne laufen und das Publikum mit harten Beats, Sprechgesang und oft schrägen Bildsequenzen auf den Abend einstimmen – einen Support gibt es nicht. Abschluss und Höhepunkt ist dabei ein Konzertmitschnitt von Rage Against The Machine mit “Killing In The Name”, der einige Menschen aus dem Publikum zu wilden Tänzen animiert.

Dass die Band etwas von einer guten Showdramaturgie versteht, zeigt sie allein damit, wie sie ihren Auftritt einleitet. Markant hierbei ist ein sehr tiefer, langgezogener Ton eines Tibetischen Horns, bei dem imposante Naturaufnahmen gezeigt werden. Das Horn wird von langsamer, getragener Musik abgelöst und es strecken sich immer mehr Hände in die Luft, formen ein Dreieck. Deichkind, Deichkind wird skandiert. Die Spannung steigt …

Dann, endlich, die Leinwand fällt und da stehen sie, die Jungs von Deichkind. Zuerst ist nichts zu sehen außer den weiß blinkenden Dreieickshüten und den metallischen Accessoires ihrer Kostüme, die wie immer ein wenig an Actionfiguren aus Videospielen erinnern.

Sie legen los mit “So ‘ne Musik”, dem Hit ihres aktuellen Albums “Niveau Weshalb Warum”.

Gleich beim zweiten Song “Denken Sie groß” zeigt Deichkind seine ganze, bekannte Kreativität: So tragen sie völlig überdimensionierte, rosa Gebilde auf dem Kopf, die Gehirne darstellen sollen. Und bei “Like mich am Arsch” etwa verfolgen sich riesige Emojis auf der Bühne. Es ist klar – die Band lässt sich etwas einfallen, um ihr Publikum zu begeistern. Und dies applaudiert, tanzt und feiert die Band ausgiebig. Die dankt es dem Publikum mit: „Munich, I love you!“

Neben Songs des aktuellen Albums spielt Deichkind auch ältere, bekannte wie “Leider geil”, wobei ein riesiger silberfarbener Luftballon mit dem Schriftzug des Songtitels über der Bühne schwebt. Oder der Song Bück dich hoch, bei dem einer der Bandmitglieder einen Trachtenhut trägt – wohl als kleine, ironische Aufmerksamkeit für das Münchener Publikum gedacht.

Berührungsängste mit seinen Fans hat Deichkind jedenfalls nicht: Beim Song “Hauptsache nichts mit Menschen” formieren sich die Jungs zu einer Art Polonaise und ziehen durch das Publikum. Ausgerechnet bei diesem Song ein Bad in der Menschenmenge zu nehmen, zeigt die gute Portion Ironie, die der Band eigen ist. Zum Abschluss der Polonaise rufen die Jungs dann auch „München ist heiß“ – und meinen die Temperatur wie die Stimmung.

Das Farbkonzept dieser Show ist schwarz-weiß und findet sich in allen Teilen wieder: Bei den Kostümen, der Bühnenbeleuchtung, den Requisiten sowie bei den Omnipods – das sind von Deichkind erfundene, umherfahrende Säulen, auf denen die Bandmitglieder oft stehen und wesentliche Bestandteile ihrer Show sind.

Was lässt dich da noch sagen – an diesem Abend feiert Deichkind mit seinem Publikum ein grandioses Fest mit einer perfekt geplanten Show, bei der alles stimmt. Vielleicht manchmal eine Prise zu viel Performance, zu viel Perfektion – aber das ist auch schon alles, was man meckern kann. (D.S.)

Fotos Deichkind

 

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