Ehrlich, direkt, politisch – Kettcar in der Münchner Muffathalle

Kettcar

„Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich)“ heißt die aktuelle EP, die Kettcar zu Beginn des letzten Jahres veröffentlicht hatten. Doch die Hamburger hatten für ihr Konzert noch viel mehr in den Kofferraum gepackt: „Wir haben alles dabei: die lauten, die leisen, mit und ohne Bläser.“ Für ihre vorerst letzte Tour hatte die Kultband zum Rundumschlag aus fünf Alben ausgeholt.

Unerwartet ruhige Töne schlugen Kettcar zur Eröffnung der ausverkauften Show am 27. Januar in der Münchner Muffathalle an. „Können wirs mal richtig krachen lassen?“,  fragte Frontmann Marcus Wiebusch im Anschluss in die Menge. Die Frage war natürlich eine rhetorische, die Lichter begannen bunt zu flackern, „Money Left To Burn“ und die Fallhöhe zum Intro hätte größer nicht sein können – ein gelungener Schachzug.

Mächtige Leuchtflächen im Hintergrund der Acht-Mann-Formation verwandelten sich urplötzlich zu Projektionsmonitoren  und in den richtigen Momenten ebenso organisch wieder zurück. So ließ die Rockband die Grenzen zwischen Kino und Live-Konzert an diesem Abend brüchig werden.

Kettcar vertreten ihren Standpunkt und sind laut. Das Humanität keine Verhandlungsfrage ist, wird in „Sommer 89“ thematisiert. In „Wagenburg“ sangen die Hamburger von Utopie und Gutmenschen, während die Drums an schwere Eisenketten erinnerten. „Liebe ist das, was man tut“ und Kettcar überzeugten an diesem Abend ehrlich, direkt und politisch. (P.P.)

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