Eine Hommage an die Jugend und wie es ist, erwachsen zu werden – die Killerpilze melden sich mit 5. Studioalbum „GRELL“ zurück

KP grellMünchen, 13.02.13.  Am 01.03.2013 erscheint das neue Album “GRELL” der Killerpilze. LifeOnStage.Net hat für euch schon mal vorab reingehört. Vorbestellt werden kann das neue Album entweder online oder im Plattenladen eures Vertrauens. Es lohnt sich definitiv!

Da haben sie sich etwas gedacht, die drei Jungs. Wobei – nein. Das sind gar keine Jungs mehr, sie sind junge Männer, die ihre eigenen Wege gehen und mit Ernst und Reflexion darüber singen können, was sie erlebt haben. Mit ihrem fünften Album beweisen sie, dass sie sich weg von der Teenie-Band hin zu einer ernst zu nehmenden Formation entwickelt haben. Ob sich das Musikalische nun im Pop oder Rock definiert, spielt zunächst nur eine sekundäre Rolle.

Mit dem Titel(-song) „GRELL“ gehen sie gekonnt etwaiger Kritik aus dem Weg, ohne dass man ihnen das negativ ankreiden könnte. Denn das Wort „grell“ steht für sich selbst, bedeutet, dass etwas Neues kommt, dass etwas neu beginnt. Es bleibt spannend und es ist ein Appell an die eigene Phantasie und daran, sich den Wert der Überraschung und des Unbedarften trotzdem noch zu wahren. Hier drücken sie viel Mut, Engagement und Selbstbewusstsein aus.

Ohne unglaublich melancholisch, wehmütig oder gar pseudo-emotional zu klingen, schreiben sich die Killerpilze hier mit ihren Texten ehrlich etwas von der Seele und leben besonders den Moment und das, was eben gerade passiert. Und ja, man nimmt es ihnen ab, besonders deswegen, weil sie herrlich unangepasst sind und sich nicht gezwungen am Mainstream orientieren.

Dass es ein Konzept bei diesem Album gibt, beweist das Trio in der Auswahl und Reihenfolge ihrer Songs. Gleich beim ersten Song „Jäger (Das kann doch nicht alles sein Pt. 1)“ singen sie von der heutigen Gesellschaft und dem Trugschluss, dass die heutige Generation für alles stehen will, sich aber für nichts einsetzt. „Wir sind die Jäger des verlorenen Ziels“ ist Kritik und Reflexion zugleich. Und der Wunsch, etwas zu ändern, die Ambition, die Jugend hinter sich zu lassen und nach vorne zu schauen.

Musikalisch bewegen sie sich mit diesem Album weiter – weiter weg vom Rock in die Richtung, die man einfach „Killerpilze“ nennen muss. Frühere Alben senden die eindeutige Nachricht „Es muss Rock sein, wir wollen einen harten Sound kreieren“, doch mit „GRELL“ beweisen sie, dass sie nicht nur anders können, sondern sich nicht von Konventionen und dem, was gerade „in“ ist, lenken lassen. Das müssen sie auch gar nicht mehr, denn längst haben sie ihren eigenen Stil gefunden.

Wenn sie den „ersten Zug nach Paris“ nehmen oder noch nicht ganz wissen, was sie „studieren“ wollen, sind sie authentisch und ganz einfach echt – ungeschminkt, ehrlich und dennoch nicht flach. Die musikalischen Anfänge erkennt man nur noch in Ansätzen und freut sich, dass es hier weiter geht. Poppigere Sounds treffen auf reife Texte. Hier geht es nicht darum zu fragen: „Was wollen diese drei Jungs der Welt vermitteln?“, sondern darum, einfach mal zuzuhören. Denn sie erzählen hier eine Geschichte, nüchtern und dennoch herrlich unverbraucht. Da gibt es keine Rocker-Allüren oder Texte, die man meint, schon zig Mal gehört zu haben. Es bleibt Raum für eigene Interpretationen.

Einzig der Titelsong wirkt dennoch ein wenig überambitioniert – da wird mit Pausen mitten im Song experimentiert, stellenweise hat man das Gefühl, dass das Wort „grell“ ein wenig Überhand nimmt.
„Erster Zug nach Paris“ hat beinahe einen hymnenartigen Charakter, was im ersten Moment etwas überladen wirkt, ist man doch eigentlich eher kompliziertere Harmonien gewöhnt. Melancholischer wird es dann bei „Sommerregen“, da allein schon der Titel eine solch bittere Süße impliziert, dass man es beinahe spüren kann. Fragen, warum man, wenn man doch in der Sonne baden kann, nicht im Regen schwimmen kann. Ein Liebeslied der etwas anderen Art, auf welches man sich zunächst einlassen muss, damit es gut wird.

„Alles, was ich tun muss“, abgekürzt mit „A.W.I.T.M.“ klingt wieder ein bisschen nach Teenie—Protest-Band und man hört leichte Einflüsse der Band Die Ärzte. Ein bisschen viel Rebellion, ein bisschen viel Anti.

Dass es ein Konzeptalbum ist, war schon beim ersten Blick auf die Songauswahl relativ deutlich. Die letzten drei Songs „Himmel I (Prelude)“, „Himmel II“ und „Himmel III“ belegen dies umso mehr. Elegant wurden diese drei Schlusssongs durch das rein instrumentale „Himmel I (Prelude)“ eingeleitet. Hier können sie auch leise, ruhig und nachdenklich.

Die drei „Himmel“-Tracks schließen das Album sehr schön ab, wenn auch gar nicht mehr witzig, spitzbübisch oder ironisch. Da wird die eigene Unerfahrenheit über das, was auch nach dem Leben kommen mag, zur Sprache gebracht. Auch, wenn sie erwachsen geworden sind, sind sie noch längst nicht allwissend und sind doch weise, indem sie genau wissen, dass sie noch nicht alles gesehen haben. „Ich weiß nichts über den Himmel, weiß nichts über’s Paradies, weiß nicht, wie ich das finde, weiß nicht, ob’s so was gibt. Doch für dich, für dich glaub ich daran. Für dich hoff’ ich, dass du dort irgendwo bist.“ Eine schönere Liebeserklärung kann es wohl fast nicht geben.

Ja, die Songs wirken nach, haben Ohrwurmpotential, ohne dass sie lästig wirken. Man möchte mitsingen, feiern. Ein Album, welches man beim Auto-oder Zugfahren gerne im Gepäck hat, beim Feiern mit Freunden hören kann oder einfach nur, wenn man mit einer Tasse Kaffee oder Tee auf dem Sofa sitzt. Die Killerpilze schaffen es mit diesem Album, eine Botschaft zu übermitteln – gepaart mit Musik und das kommt an, man versteht sie in ihrer Musik und freut sich beim Beenden des letzten Tracks auf den Anfang des nächsten. Sie bewahren sich in ihrem Reifeprozess ihre Jugend; und vielleicht ist genau dies das Wichtigste, um nicht unterzugehen. Sie haben es bewiesen: Nicht unterkriegen lassen, wieder aufstehen und weitermachen. Und genau deswegen „klingt die Stadt immer noch nach uns“, den Killerpilzen.(A.E.)

 

Anzeige