Elektronisches Märchenland – Get Well Soon in der Muffathalle München

Das Konzert von Get Well Soon in der Muffathalle geht zuerst relativ unspektakulär los. Als die Vorband Inner Tongue auf die Bühne kommt, ist die Halle nicht mal halb voll, und man fragt sich: Was ist das für ein Haufen Nerds da auf der Bühne, wie wollen die denn die Leute begeistern? Die Antwort kommt mit den ersten Tönen: Die Wiener legen sofort los, mit dröhnenden Beats und tragenden Melodien, und das Publikum bekommt einen ersten Eindruck, wie großartig dieser Konzertabend werden wird.

Dann wird erstmal die Bühne für Get Well Soon vorbereitet. Man sieht erstaunt und mit einem vorfreudigen Kribbeln im Bauch, wie immer mehr Instrumente auf die Bühne getragen werden, ein ganzes Arsenal an Gitarren wird aufgereiht. Das Konzert beginnt mit einem Intro Text über eine Liebesgeschichte, „LOVE“ schreien die roten Leuchtbuchstaben im Hintergrund und der Text endet mit einem toten Hund, wie könnte man besser die Musik von Get Well Soon einleiten, die in ihren Songs mit Liebe und Melancholie spielen wie sonst keiner. Als Konstantin Gropper, das kreative Genie hinter Get Well Soon, die Bühne betritt, ist plötzlich auch die Halle voll.

Wieder so ein Nerd Haufen, nur ein bisschen älter, aber schnell wird klar: Um so abgefahrene und komplexe Musik zu machen, muss man wohl ein ziemlicher Musikstreber sein. Vom ersten Song an ist jeder gepackt von der tiefen Stimme Groppers. Er spielt auf einer Akustik Gitarre (jedenfalls am Anfang, denn tatsächlich sind die sieben Gitarren auf der Bühne für nur zwei Leute bestimmt), auf der ein Foto eines Mädchens klebt. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Instrumenten passiert eigentlich zu jedem Song, wenn der Gitarrist genug vom Zupfen hat, dann spielt er mal eben Trompete, die Sängerin wechselt zwischendurch zur Geige, alles kein Problem. Als dann noch ein Mann mit Hackbrett auf der Bühne auftaucht, ist eigentlich keiner mehr überrascht.

Das Konzert ist eine Reise durch ein elektronisches Märchenland, die Musik komplex und vielseitig, Gropper spielt mal alleine, nur unterstützt vom Hackbrett, dann wieder explodiert die Bühne wenn die ganze Band ihre Instrumente bis zum Exzess treibt, und egal was sie tun, das Publikum ist immer dabei, entweder tanzend oder in stillem Staunen, so dass bei der Zugabe, als Gropper sich nur von Geige und Trompete begleiten lässt, niemand im Raum einen Mucks macht.

Für anderthalb Stunden gehört die Muffathalle nicht zu dieser Welt, alles treibt im Strom der Musik fort und fällt aus Zeit und Raum, während die Band nicht nur eine Zugabe gibt. Wenn man am Ende die Halle verlässt, muss man erst einmal wieder zurück finden, aus diesem Traumzustand. Alle sind zu verzaubert, versunken in ihrem eigenen Märchenland.(M.S.)

Fotos Get Well Soon