ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG – Es gibt kein Morgen

EAV 2019Zu einem finalen Stelldichein luden dieser Tage die Mannen um Klaus Eberhartinger und Thomas Spitzer, denn wie so viele andere Helden aus frühen Kindertagen, verabschieden sich nun auch die E.A.V. für immer von den Konzertbühnen. Das Tollwoodzelt war heute freilich bis auf den letzten Platz gefüllt, denn wer die Grazer kennt, der weiß, dass es bei den Konzerten weithin um mehr geht als nur um Jux und Tollerei. Die Texte der Grazer besitzen eine erschreckend aktuelle, politische Relevanz und mit dem vielschichtigen Genremix gelingt es der Band von jeher, jede Geschichte auch musikalisch authentisch zu erzählen.

Zu Beginn wurde heute ein Sarg auf die Bühne getragen, aus welchem sich Eberhartinger erhob und recht energetisch mit “Vorbei” ein Startpunkt gesetzt wurde. Gefolgt von “Banküberfall”, “Tanz, Tanz, Tanz”, dem “Alpenrap” und “Go Karli Go” wurden die Weichen recht bald auf ein absolutes Best Of-Set gestellt. Auch wenn Stücke wie “Heiße Nächte”, “Samurai” oder “Burli” leicht umarrangiert in gekürzten Fassungen daherkamen, konnte einem die Präsentation durchaus einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Zu beinah jedem Song erschien Klaus Eberhartinger im passenden Kostüm und beinah jedes Wort wollte man inbrünstig mitgrölen. So wie man es vor vielen Jahren im Kreise der Familie gemacht hatte, als “Geld Oder Leben” und “Liebe, Tod Und Teufel” rauf und runter gespielt wurden. Die zuvor noch Kabel tragenden Stagehands traten als Bühnenstatisten immer mal wieder, lächerliche Figuren darstellend, in die Szenerie und auch sonst war das Programm mit erwartungsgemäß vielen Details angereichert worden.

Aber dafür, dass sich die Österreicher die Zeit nahmen, auf aktuelle Themen einzugehen und diesen auch mit mehreren Titeln Bedeutung schenkten, dafür gebührt ihnen der eigentliche Respekt. Jedes Statement Eberhartingers manifestierte sich zu messerscharfen Botschaften und hinterließ schmerzhafte kleine Wunden auf der Haut des jeweiligen Zielobjektes. Nicht zuletzt ein gewisser Donald Trump und rechtsgerichtete Wutbürger sowie kirchliche Würdenträger bekamen dabei ihr Fett weg. Und daran, dass eigentlich auch “Burli” einmal ein Protestlied gegen die Atomindustrie war, erinnert sich heutzutage kaum noch jemand. Man würde sie dieser Band einfach nicht zutrauen, diese spitzen, einfühlsamen und intelligenten Worte hinsichtlich politischer und wirtschaftlicher, aber eben auch persönlicher Unzulänglichkeiten. Zumindest dann nicht, wenn man die Konzentration lediglich auf die lustigen Comics und sich wunderbar kreativ reimenden Texte in den Songs richtet.
“S´Muaterl” sorgte für Gänsehaut, danach gab es die volle, gutmenschliche Breitseite mit “Toleranz”, “Heimatlied”, “Rechts 2/3” und “Neandertal”. Dann war aber Schluss mit Unlustig und es wurde noch einmal tief in der Gassenhauer-Kiste gekramt. Hervorgebracht wurden natürlich noch “Küss Die Hand…”, “Der Tod” und sogar der schönste Song der Band “Sandlerkönig Eberhard”.

Mit der Zugabe ging es in die Hitverlängerung, die Titel waren einfach zu schön, zu allgegenwärtig, als dass man nicht jeden einzelnen davon aufzählen könnte: “Küss Die Hand Herr Kerkermeister”, “Märchenprinz” (inklusive medium steifer Tanzeinlage Eberhartingers), “Fata Morgana” und zu allerletzt das obligatorische “Morgen”. Da konnten einem schon die Tränen übers Gesicht kullern.

Thomas Spitzer und Co. machten allerdings selbst keinen weinerlichen Eindruck, heute stand das Sich-Selbst-Feiern und Gefeiert-Werden im Mittelpunkt. Verdient hatten sie es sich allemal.
Habe die Ehre, meine Herren… (ODI)

Fotos Erste Allgemeine Verunsicherung