FELIX KRAMER – Im Club Stereo Nürnberg

Felix KramerWiener Schmäh im Frankenland

Vorab-Studien zum heutigen Nachwuchsact ergaben neben einigen oberflächlichen, auch eine Reihe verheißungsvoller Informationen. Gut, um Kenntnisse über Herkunft des jungen Mannes zu erlangen, hätte man nicht den Wikipediaeintrag lesen müssen. Viel zu eindeutig waren das Gebärden und natürlich die Wienerische Mundart Kramers. Aber das er die Jazzgitarre und Kompositionslehre studiert hatte, machte schon neugierig auf den Abend.

Dabei hatte der Knabe eine dreiköpfige Band mitgebracht, was allein schon einem Viertel der gesamten Anwesendenzahl im schönen Kellerclub entsprach. Kauzig jammerte Kramer auf der Bühne herum, weil er seinen Fender Gitarrenamp nicht zum Laufen bringen konnte. Als es losging vermittelte er zunächst keinerlei Virtuosität an seinem Instrument.

Während die Backing-Musiker vorzüglich das Schlagzeug, den Bass, das Stagepiano, die Trompete und sonstiges bedienten pfuschte der Hauptakteur zunächst fiebrig am Mikrophon herum. Der Dialekt war großartig, keine Frage. Die lyrische Umsetzung der Themen indes kaum relevant. So plätscherte das Set durch die ersten drei Songs, bis Kramer angekommen zu sein schien und ein wenig des Glanzes erstrahlen ließ, den er sicherlich in sich trägt.

Irgendwann verließ die Band die Bühne und der junge Österreicher bereicherte den Abend mit einer entrückten Solo-Performance in Form von Elvis‘ „Can‘t Help Falling In Love“. Bei jeder Blind Audition hätte der Mann mit seiner Stimme abgeräumt und man war beruhigt, es doch mit einem richtigen Musiker zu tun zu haben. Ganz subtil schlüpfte Kramer anschließend wieder in die Rolle des leicht hängengebliebenen Grantlers, der halt macht, was er so macht. Die pseudonaiven Argumente („ich mach das immer so, weil das halt gut für mich ist“) konnten nicht über den geistigen Wortwitz hinwegtäuschen, den Kramer im zweiten Konzertteil dem spärlichen Publikum vermittelte. Er ätzte im Bezirks-Slang, immer wie zufällig, aber stets absolut tight seine Texte. Super aufrichtig und einfach extrem sexy.

Und als der Abend eigentlich schon gelaufen und mit ein paar ordentlich tanzbaren Stücken ums Eck war, ja da versaute es Felix Kramer doch noch mit dem „besten Song der Welt“, wie er diesen ankündigte. Allein nahm er hinter dem Piano Platz, rückte das Mikro zurecht und setzte zu – kein Witz – „Angels“, dem Durchbruchhit eines gewissen Robbie Williams an. Er konnte diesen Song aber weder an den Tasten korrekt, noch stimmlich anständig bedienen und das konnte auch jeder noch so unmusikalische Mensch im Saal spüren. Kramer hätte diesen Abend enden lassen sollen, als er am schönsten war, so wurde am Ende leider Klamauk daraus und er inszenierte sich als, nun ja, Newcomer, der sich noch einiges an Routine aneignen muß, um im schmutzigen Geschäft der Musikschaffenden bestehen zu können. Es ist einfach ärgerlich, dass er sich aber nicht auf seine oft sehr filigran geschriebenen Lieder im Jazz-, Austropop- und Liedermachergewand konzentrierte. (ODI)

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