Flauschigkeit und Wohnzimmeratmosphäre bei Dermot Kennedy im Zenith München

Dermot Kennedy live in München
Foto: Universal Music

Normalerweise gehen einem vor allem die Songs oder Künstler gehörig auf den Geist, die im Radio und den Charts in Dauerschleife gespielt werden. Nicht so Dermot Kennedy. Der irische Singer-Songwriter hat sich spätestens mit „Outnumbered“ einen Namen gemacht und liefert einen Ohrwurm nach dem anderen.
Es ist nicht nur seine Musik, die unheimlich eingängig ist, sondern vor allem seine Stimme, die tief berührt. Am Dienstagabend bewies er das eindrucksvoll im Zenith, als er vor einem beseelten Publikum spielte. Draußen war es kalt, neblig – ein ganz typischer Novemberabend. Kennedy schaffte es von der ersten Sekunde, die Zuhörer zu fesseln und mit seiner einmaligen, rauchigen und doch sehr weichen Stimme zu beeindrucken.

Sehr harmonische Bilder zierten das Backdrop, in die gesamte Inszenierung war viel Liebe zum Detail zu erkennen, wenngleich das Konzert vollkommen ohne große Extras oder Aufregungen auskam. In dem Moment, als die Stimme erklang, hatte man die Chance, die Welt um sich herum zu vergessen und in die musikalische Reise einzutauchen, auf die der Sänger seine Fans an diesem Abend nahm.
Mag die Musik auch sehr gefällig sein – zuweilen erinnern Motivik und Melodieverlauf stark einen rothaarigen Kollegen – so ist doch seine Nähe zum Publikum und die Intensität, mit der er diese Musik auf der Bühne lebt, unheimlich authentisch und auch emotional.
Besonders schön zu sehen war, dass es durchaus noch ein paar vereinzelte Menschen gibt, die Konzerte nicht durch ihre Handydisplays verfolgen wollen, und tatsächlich zugehört und –geschaut haben.

Ja, Dermot Kennedys Musik mag massentauglich sein, aber im Zenith hat man gemerkt (abgesehen davon, dass man einmal mehr gemerkt, dass diese Halle einfach akustisch grundsaniert gehört!), dass sie doch für jeden etwas ganz Individuelles bedeutet und bereitzuhalten scheint. Als man sich gegen Ende des Konzerts umgeblickt hat, konnte man strahlende Gesichter sehen, geschlossene Augen – jeder war in seiner eigenen Welt und damit darf man dieses Konzert als sehr gelungen bezeichnen. Diese sehr flauschige Wohnzimmeratmosphäre konnte man durchaus durch die Nacht mit nach Hause nehmen und wird sich gerne an diesen Abend erinnern. (A.E.)

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