Keine Panik Tour! – Udo Lindenberg begeistert die Olympiahalle München

Man muss es ihm lassen – Show kann er. Und dabei ist der Rocker aus Gronau nicht mehr der Jüngste (der Kniefall funktioniert am Bühnenrand mit einem Kissen). Dennoch begeistert er seine jahrelangen Fans, die sogar jubeln, wenn er einfach nur das Mikro schwingt. Fanliebe at its best, würde man meinen, und das weiß Lindenberg zu würdigen.

Gleich der Anfang war gigantisch: Udo schwebte von hinten in die Halle, seine Backgroundsängerinnen standen auf der Bühne und mit “Odyssee” begann eine eben solche. Auch, wenn sich wohl niemand verirren konnte, denn es war klar, was einen erwarten würde: Spaß, Rock, Momente zum Nachdenken und vor allem Show.

Die Band tritt konsequent mit Sonnenbrille auf und rockt, mal mehr oder weniger lässig, aber unbeirrt, vor sich hin.

Wichtige, richtige und gute Worte an diesem Abend von Udo Lindenberg. Zunächst fragt er “Wie lange muss ich diesen Song noch spielen?”, bevor er “Wozu sind Kriege da” mit Kinderchor auf der Bühne performt. Danach nutzt er seine Reichweite und die Bühne, um große Worte an ein großes Publikum zu richten. Er spricht von Zusammenhalt, Menschlichkeit, davon, dass man den “Nazischweinen” mit Zusammenhalt entgegentreten muss, und dass ein geeintes Europa viel bewegen kann. Endlich nutzt einer der Musiker seine Reichweite, positioniert sich und erinnert daran, dass das alles schonmal da gewesen ist. Er macht das, was man sich von vielen anderen auf den großen Bühnen in diesen Tagen wünschen würde: Mut beweisen und an die Menschlichkeit und eine “bunte Republik” appellieren.

Dass er die Töne nicht immer trifft, ist mittlerweile bekannt, doch wozu hat er Backgroundtänzerinnen, Josephine Busch und seine drei Sängerinnen? Doch von abgehalftert wagt man nicht zu sprechen, singt, springt, tanzt und wirbelt Udo Lindenberg doch nur so auf der Bühne und dem Wellenbrecher herum. Dieses Attribut möchte man fast eher dem Publikum zuschreiben, das in den Rängen saß und sich in der Arena kaum von der Stelle bewegte.

Etwas peinlich wurde es bei “Honky Tonky Show”: Tänzerinnen aus dem Ufo und der Kinderchor im Lindenberg-Outfit trugen zu einer gehörigen Portion Fremdscham bei. Überflüssig, ebenso wie der darauf folgende “Bodo Ballermann”, bei dem die Tänzerinnen als Fußballerinnen verkleidet Bälle in die Menge schossen. Auch das war mehr unnötig als künstlerisch wertvoll.

“Hinterm Horizont” dürfte eines der meist erwarteten Lieder des Abends gewesen sein, ab hier kommt dann der Musical-Charakter vollends zur Geltung und man fragt sich, ob das wirklich nötig ist. Ist es, das Publikum zumindest ist begeistert.

Am Ende ist es aber vollkommen egal, wie alt man ist, um mit Musik zu bewegen – Pathos kann er. Aber so richtig. An diesem Abend sind einige Jahre Musikgeschichte an einem vorübergezogen, die verdeutlicht haben, dass Musik eine der zeitlosesten Künste ist und keine Grenzen kennt.(A.K.)

Hier gehts zu den Fotos vom Konzert.

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