Lollapalooza Berlin – Hochglanz Festival auf historischem Boden

Vom 12. bis 13. September gastierte das Weltenbummler-Festival „Lollapalooza“ zur Europa-Premiere in Berlin, genauer gesagt auf dem alten Flughafen Tempelhof. Mehr als 90.000 tummelten sich hier an zwei Tagen vor den vier Bühnen rund um den Platz der Luftbrücke. Geboten waren neben Muse, The Libertines und dem aktuellen Lieblingsmusiker von 007, Sam Smith, auch lokale Größen wie Seeed und die Beatsteaks.

Das Lollapalooza, ein 1991 in den USA gegründetes Festival, das (seit 1991) von Beginn an mit nur einigen Unterbrechungen stattfindet, hat es sogar (bereits) in die Annalen der Simpsons geschafft und wird nicht selten mit Woodstock verglichen. Vom Esprit der Anfangstage ist aber bis auf den überall prangenden Spruch: “Lolla On“, nicht viel geblieben.

Das stört aber nur die ewig Gestrigen und von diesen findet man im heutigen Berlin nicht gerade Viele. So ist das heutige Lollapalooza ein fast perfekt durchorchestrierter Wanderzirkus der Musik, auf dem man mit einer Chipkarte am Handgelenk bezahlt, während wahlweise Papa oder Mama mit dem jungen Nachwuchs-Festivalgänger im „Kidzapalooza“, abhängt. Hier ist wirklich für jeden Etwas dabei. Lobenswert ist dabei zu erwähnen, dass sich der Veranstalter offen für Kritik zeigt und Mängel, wie zum Beispiel zu wenige Toiletten oder zu sparsam verbreitete Essbuden, bereits am nächsten Tag abgestellt hatte.

Auf den Bühnen selbst hingegen lief alles am wie am Schnürchen. Kaum Wartezeiten, was an einer guten Taktung der Bühnen lag und zudem reichlich gute Musik. Während auf der Perry-Stage, dem elektroaffinen Publikum Robin Schulz, Klangkarusell und als Highlight sogar Fatboy Slim einheizten, bot nebenan die Alternativ-Stage ein wenig Abwechslung zu den größeren Mainstages 1 und 2. Um von der Perry Stage zur Mainstage 2 zu gelangen, brauchte man übrigens gemütlichen Schrittes knappe 15 Minuten. So konnte man dann auch ein wenig die Dimension, die das Lollapaloozas einnahm, abschätzen.

Für die Unterhaltung zwischendurch sorgten u.a. Artisten in einer Art Hommage an „Madmax“. Sie düsten mit ihren Stahlgefährten über das Gelände und dank Landebahn-Beton und Flughafen-Hangar, kam hierbei sogar ein bisschen Fabrikhallen-Undergroundflair auf.

Während für manche wohl Fatboy Slim am ersten, Seeed oder Muse am zweiten Tag das Highlight des Festivals darstellten, so war es für uns die Band: „The Libertines“, der Headliner am Samstag. Klar, ein neues Album und nur ein einziger Europa-Auftritt sprachen dafür, dennoch waren wir skeptisch. Mit nur 10 min Verspätung betraten Carl Barat, Pete Dorothey, John Hassall und Gary Powell die Bühne und zeigten sofort, dass Sie berechtigterweise Headliner waren.

Ein rundum starker Auftritt über die volle Distanz, was in der Vergangenheit selten war, zeigten ebenso, wie die vorhandene positive Chemie zwischen Pete und Carl, dass es die Jungs diesmal wohl etwas ernster angehen. Wenn Pete dann noch frech verschmitzt lächelnd den Mikrofon-Ständer umnietete, sich brüderlich eine Kippe und Mikrofon mit Carl teilte und überhaupt ein wenig nach durchzechter Nacht aussah, dann kam auch reichlich: „Lolla-On“-Stimmung auf.

Abschließend kann man sagen, dass hier eine durchweg gelungene Europa-Premiere eines großen Main-Festivals hingelegt wurde. Die namhaften Acts und gute Orga sorgten für ein tolles und entspanntes Musikwochenende, welches für das erste Mal mit keinen allzu großen Pannen über die Bühne ging.(F.R.)

Fotos Lollapalooza Berlin Tag 1

Fotos Lollapalooza Berlin Tag 2

 

#lollaberlin

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