Lord Of The Lost – ein Konzert der leisen Töne im Backstage München

Lord Of The Lost und leise?! Das scheint erstmal gar nicht zusammenzupassen – kennt man die Dark Rock-Band aus Hamburg doch eher für die lauten, oft schrillen Töne.

Doch bei dieser Akustik-Tournee „A Night To Remember“ ist alles anders als gewohnt: Inspiriert vom Gothic meets Klassik Festival 2013 in Leipzig, bei dem die Band zusammen mit einem Sinfonieorchester auftreten durfte, bringen Lord Of The Lost diesmal ein Kammerorchester mit. Nun fragt man sich gespannt, wie das wohl zusammengeht – Dark Rock und klassische Musik.

Den Abend eröffnen Florian Grey und Band als Support mit ein paar langsamen Akustikstücken und stimmen das Publikum so auf den folgenden Main Act ein. Wie nicht anders zu erwarten, ist das Publikum vorwiegend in Schwarz gekleidet, sitzt aber – und dies dürfte schon etwas Besonderes sein – im bestuhlten Backstage.

Als Lord of the Lost und die sechs Kammermusiker schließlich auf die Bühne treten, werden sie vom Publikum begeistert empfangen. Passend zum Anlass sind die Bandmitglieder in festlich-schlichter, schwarzer Kleidung erschienen und ohne die sonst so auffällig geschminkten Gesichter. Weit entfernt also diesmal vom wilden, provokanten Dark-Rock-Image, das die Band sonst pflegt.

Und natürlich gibt es diesmal auch keine wilden Showeinlagen, sondern die Musiker präsentieren sich mit einer Art pyramidenförmigen Bühnenaufbau, die den ganzen Abend auch so erhalten bleibt: Auf einer erhöhten Bühne im Zentrum sitzen zwei Bandmitglieder an den Keyboards, links und rechts davon sind auf zwei tieferliegenden Bühnen jeweils Streicher und Schlagzeug. Ganz unten, auf der eigentlichen Bühne befinden sich noch zwei Gitarristen, ein Posaunist und vorne natürlich der Frontmann der Band Chris Harms. Dazu unterstreichen ruhige Bühnenlichter sowie hin und wieder von Bühne fließender Disconebel die getragene Stimmung.

Die Musiker beginnen mit dem von Haus aus langsamen Stück Lost in a heartbeat und man merkt schnell: Beide Musikstile harmonieren bestens und Chris Harms tiefe Bassstimme passt gut zur streicherdominierten, klassischen Musik. Neben weiteren bekannten Songs wie Afterlife oder See you soon, die neu für diese Tournee arrangiert worden sind, bringen die Musiker auch Stücke, die eigens für diese Zusammensetzung komponiert wurden. Das Publikum ist jedenfalls begeistert und honoriert diese eigenwillige Mixtur aus so gegensätzlichen Stilen mit kräftigem Applaus.

So lobt auch Chris Harms die gute Stimmung und betont, dass dies für eine norddeutsche Band nicht so ohne weiteres zu erwarten gewesen wäre. Man merke, das Münchener Publikum sei „bierzelterprobt“. Das nun wieder nervt ein bisschen, bedient er sich hier doch ausgedienter München-Klischees. Aber Harms gefällt es offensichtlich und wiederholt es ein weiteres Mal.

Wie bei einem klassischen Konzert gibt es sogar eine Pause. Als es danach weitergeht, stellen sich allerdings langsam Ermüdungserscheinungen ein: Die Stücke variieren nur wenig und auch Harms Stimme bleibt in den tiefen Lagen verhaftet, zeigt wenig Bandbreite. So wirkt die Musik auf Dauer ein wenig monoton.

Alles in allem aber ist es ein gelungenes Konzert mit einer spannenden und ungewöhnlichen Mischung unterschiedlicher Musikrichtungen, die sehr gut beim Publikum ankommt und – wie es der Tourneetitel A night to remember nahelegt – sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. (D.S.)

Fotos Lord Of The Lost 

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