Neues Album, Neue Liga – „Zwei“ von OK Kid

okkid-zwei-coverDass OK Kid politischen Hip-Hop machen ist nichts Neues, diesen Erwartungen werden sie auch in ihrem aktuellen Album „Zwei“, das am 8. April erschien, mal wieder gerecht.

Schon das Albumcover lässt auf Gesellschaftskritik mit Geschmack und Köpfchen hoffen. Statt einem einfachen Mittelfinger ist die Peace-Geste zu sehen, der Zeigefinger ist jedoch abgetrennt. Dieses Bild lässt sich auf dreierlei Arten interpretieren: 1. Es gibt zwar einiges zu kritisieren, aber der Standardhass auf Alles und Jeden ist den 3 Jungs von OK Kid eine viel zu einfache Lösung 2. Der Mittelfinger geht an alle Duckmäuse, die sich lieber in vorgetäuschtem Frieden zurückhalten und 3. Kritik zieht besser ohne erhobenem Zeigefinger. Das Cover ist ein durchdachtes Statement und auch die Musik, die sich dahinter verbirgt, wird diesen Ansprüchen gerecht.

Statt mit der oft verbreiteten Anti-Alles-Einstellung überzeugen OK Kid mit ironischen Texten und Wortwitz. „Weiche Strafen für gewaltbereite Ausländer: No Go, nein, sie sind keine Nazis, auch sie trinken Kaffee Togo, auch sie waren schon im Urlaub, wo’s Schwarze gab“ heißt es in „Gute Menschen“. Damit treffen OK Kid den wunden Punkt der Zeit, wie kein anderer.

Doch nicht alles dreht sich um Politik und Gesellschaft. Der Song „Bombay Calling“ ist eine orientalisch angehauchte Liebeserklärung an den Gin und mit „Es ist wieder Februar“ haben OK Kid einen Song mit Ohrwurmgarantie geschaffen, einen Song über einen trostlosen Februar, der jedoch durch seinen musikalischen Sog, alles andere als trostlos, eine gehörige Portion gute Laune verbreitet.

Das Album überzeugt durch seine Vielfalt, thematisch, sowie auch in musikalischer Hinsicht. Als Kid OK Soundsystem haben die Jungs in der Deluxe-Version des Albums insgesamt 5 ihrer Songs geremixt und die, sonst eher zurückhaltenden Beats, einfach mal auf das doppelte Volumen hochgeschraubt. Die richtigen Drops im richtigen Moment öffnen dem typischen OK Kid-Sound eine neue Tür.

Damit schließen sie sich den Großen an. Lyrisch sind die 3 schon länger zwischen Bosse und Frittenbude einzuordnen und können nun partymäßig auch Drunkenmasters das Wasser reichen. Mit „Zwei“ rappen sich OK Kid genreübergreifend in die obere Liga.(P.P.)

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