OBEN OHNE Open Air 2014 – 16.000 Fans – Sommerhitze und Sonnenschein

Seit 2001 gibt es das jährlich stattfindende Open Air in München und mit jedem Jahr wurde die Begeisterung größer. In diesem Jahr hieß es: „Back to the roots“!

Letztes Jahr noch auf dem Messegelände, fand es in diesem Jahr wieder auf dem Königsplatz statt, veranstaltet von den Kreisjugendringen München-Stadt und München-Land. Dieses Jahr hielt einige Überraschungen bereit, welche sich nicht ausschließlich auf das Line-Up bezogen. Erstmals waren Musikgebärdensprachdolmetscherinnen anwesend, um während der Acts zu übersetzen. Als Headliner wurden Alligatoah, Claire und Bilderbuch angekündigt und vom Publikum sehnsüchtig erwartet.

Den Anfang machte Sierra Kidd, der junge Rapper aus Emden. Begeisterung bei einem ebenfalls sehr jungen Publikum, welches in der Mittagshitze ein wenig ruhiger wurde – kein Wunder bei 33 Grad im Schatten.

Sam, Teilnehmer der letzten Startrampe des Bayerischen Rundfunks, konnten für Jubel unter den Gästen sorgen. Deutlich blitzen Hip Hop-Allüren durch, die, mal mehr, mal weniger zelebriert wurden. Doch dies tat dem Auftritt keinen Abbruch, sondern animierte die springende Menge zum Feiern.

Ska-rockig wurde es mit Heldenfrühstück, die mit rockigem Sound für Gegenprogramm sorgten. Leider fanden sie beim Publikum nicht so viel Anklang wie erwartet, was vielleicht der enormen Hitze auf einem unter dem strahlend blauen, freiem Himmel geschuldet war. Durchaus enthusiastisch spielten sie ihr Konzert und für einige Momente konnte man in eine ganz andere Welt abtauchen.

Leise fingen sie an, leise und beinahe melancholisch war die Begrüßung von Paper & Places aus Regensburg. Mit Indie-Rock bereichern sie seit einiger Zeit die bayerische Medienlandschaft und fanden ihren Platz zwischen den Bands an diesem Nachmittag hervorragend. Galant wechselten sie zwischen lautstarker Intensität und einfühlsamen Klängen, welche trotz der ausgelassenen Stimmung anzukommen wussten. Es sind diese kleinen Nuancen, welche die Besonderheiten und Unterschiede oftmals ausmachen.

Auch technische Probleme gehören zu einem Open Air dazu. So geschehen bei Bilderbuch aus Wien – ein definitives Highlight an diesem Tag. Bilderbuch haben sich keine Nische gesucht, sondern Decken gekonnt viele Genres ab, ohne dabei den Anschein zu erwecken, dass alles nur halbgar ist. Im Gegenteil: Indie-und Progressive-Rock, Hip Hop – all diese Elemente können Bilderbuch bei sich vereinen und leisten damit etwas, das nur wenige Bands von sich behaupten können. Ihnen ist diese spezielle Art der Ambivalenz inne, mit der sie spielen, die ihr Ass ist und die mit einer unglaublichen Leichtigkeit daherkommt. Zugeständnisse wurden auch gemacht. “Bei Gott, heut ist es im München schöner als in Wien. Wer hätte das gedacht?” Selbstredend, dass dieser Aussage applaudiert wurde. Ja, die Wiener spielten hier außer Konkurrenz und heizten die Stimmung nochmals an, bevor es langsam in den Abend ging.

Demograffics &Tribes of Jizu funktionierten als Band zwar gut, doch schienen sich nicht ganz einig zu sein, ob sie nun Hip Hop, Reggae, Dancehall oder alles zusammen mischen sollen. Gegen Mashups ist prinzipiell nichts einzuwenden, doch wirken sie so unmotiviert etwas fehl. Das Publikum schien sich ebenfalls einig zu sein und wartete eher auf Claire und Alligatoah.

Sie gingen durch die Decke, 2013 war ihr Jahr und mittlerweile sind sie nicht mehr nur in Deutschland bekannt, sondern auch international. Die Münchner Band Claire freute sich sichtlich, wieder einmal daheim spielen zu dürfen. Weniger erfreulich die offensichtlichen technischen Probleme. Ab und an klang es etwas zu verzerrt und übersteuert. Und doch bleibt es große Musik, die Claire immer wieder zu einem besonderen Act machen.

Die Sonne ging unter und endlich kam der lang erwartete Hauptact – Alligatoah wurde von der ersten bis zur letzten Minute gefeiert. Textsicher und feierwütig die Menge, Alligatoah auf der Bühne in bester Laune. Jeder Titel wurde mit kleinen Gags angekündigt, es war beinahe ein Austausch von Insidern zwischen dem Hip Hopper und seinen Fans. Oben Ohne und Oben Mit – egal wie, es wurde Party gemacht und Zugaben vehement gefordert, die Alligatoah seinem Publikum mit Vergnügen gab.

Ein langer, heißer Tag neigte sich dem Ende zu, die letzten Töne verklangen und auch die Moderatoren von egoFM auf der Bühne, die durch das Programm geleitet haben, verabschiedeten sich unter tosendem Applaus.

Ein Open Air, wie es sich gehört – auf dass noch viele weitere folgen werden.(A.K.)

Fotos OBEN OHNE Open Air 2014

Anzeige