SABATON – Ist das Kunst oder kann das weg?

 

SABTON live in Munich

 

Kaum ein Konzert sorgte in letzter Zeit für so viel Zündstoff und engagierte Diskussionen in unserer Redaktion wie die Aufführung der schwedischen Power-Metaller von Sabaton am vergangenen Sonntag.

Dabei sollte man die spektakuläre Liveshow objektiv als das bewerten, was sie eigentlich sein sollte: Als Entertainment, das der schwer arbeitenden Bevölkerung dabei hilft, für ein paar Stunden den grauen Alltag zu vergessen. Im Vordergrund sollten auch der blitzsaubere Klang und die wuchtigen Gitarren stehen. In Erinnerung sollten hymnische, zum Mitsingen verführende Refrains und ein gar nicht mal unsympathischer Typ am Mikro bleiben. Großartig die Light- und Pyroshow. Ganz zu schweigen von einem Supportact wie Apocalyptica, die auch heute wieder ein Händchen für das ganz große Drama besaßen.

Leider rücken all diese positiven Dinge weit in den Hintergrund, wenn man an die Bühnendekoration näher betrachtet. Sandsäcke, Stacheldraht,Schützengraben und ein riesiger Panzer, welcher zugleich als Schlagzeugpodest diente. Natürlich sollte sich die Verwunderung hierüber bei jenen in Grenzen halten, denen Sabaton schon etwas länger bekannt sind. Kein Geheimnis macht Frontmann Joakim Brodén aus der Tatsache, dass die Lyrics der Band im Allgemeinen von Krieg handeln. Das sei der Treibstoff, den Sabatons Musikmotor benötigte. Historisch relevant seien diese, nicht – wie es jedoch den deutlichen Anschein erweckt – etwa das Grauen des Krieges glorifizierend. Man muss ehrlich sein: Geliebte Genrekollegen wie Iron Maiden oder die britische Death Metal-Legende Bolt Thrower verarbeiten dieses Thema auch häufig, sei es in Liedtexten oder dem Artwork. Generell scheint dies ein gern genommenes Stilmittel in einer von Männern dominierten Musikrichtung zu sein. Selbst Stilikone Lemmy Kilmister erlangte nicht zuletzt wegen seines Faibles und der Sammelleidenschaft für WW II-Devotionalien Berühmtheit. Nur sollte man nicht vergessen , dass eben Bands wie Iron Maiden oder Bolt Thrower einen Zombie in das Cockpit der Spitfire setzen oder grafische Darstellungen vom Rollenspiel „Warhammer“ verwenden, bei welchen Orks auf Elben treffen. Der Bezug zur Realität ist bei ihnen schlichtweg nicht vorhanden. Lemmy konterkarierte jeglichen ernsthaften Bezug zur Sache durch bissigen Zynismus. Indes bewegten sich Sabaton am Sonntag aber auf der nachgestellten Szenerie der Schlacht von Verdun – in der vollkommen historischen Realität.

Gepaart mit epischen Hymnen mag ein Außenstehender auf die Idee kommen, dass hier männliche Waffengeilheit und heroisches Platzhirschgehabe ungefiltert glorifiziert werden. Keine Frage, ein Teil der Metalgemeinde wird auch künftig nicht reflektieren und will einfach Spaß haben. Generell lebt die Unterhaltungsbranche ja auch davon, zu polarisieren und zu provozieren. So wurden in den 90ern Hip Hop-Legenden in den USA erschossen und in Norwegen Kirchen in Brand gesetzt. Dafür brauchte es lediglich ein paar Gangstermanieren und Pseudo-Satanismus innerhalb diverser Genres.

Von Bands wie Sabaton, Manowar oder Sodom geht mit ihrer Vorliebe für Panzer und Bomben und Schlachten sicherlich keine annähernd so große Gefahr aus; die viel zitierte künstlerische Freiheit stellt in Zeiten wie diesen aber ein extrem dünnes Männchen dar. Am Ende stellt sich die Frage, wie moralisch wertvoll eine solche Inszenierung ist und ob man es geil finden darf oder als Teil der Show begreifen muss oder es einfach ignorieren soll, wenn der Drummer nach „Night Witches“ von seinem Sänger (fiktiv) erschossen wird. (ODI)

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