SKID ROW im Backstage München

skid row live in münchenDer Glanz der Achtziger kehrt zurück

Das US-Heavy-Sleazerock-Flagschiff Skid Row macht in diesem Herbst mal wieder über den großen Teich und da sich diese Band – anders als die Genrekollegen aus Kalifornien – immer schon mehr den riffigen, härteren Tönen verschrieben hatte, hätte es ein wahnsinniger Abend werden können. Wäre München nicht auch bei dem dazugehörigen Tourrouting wieder zu einer eher unwichtigen Station herabgewürdigt worden. An einem Dienstagabend, Ende November fällt es manch altgedientem Rocker eben nicht sonderlich schwer, den heimischen Ohrensessel nebst einem Haferl Kamillentee einer schwitzigen, lauten Konzerthalle vorzuziehen. Und so war das Werk heute nicht einmal zur Hälfte gefüllt. Schade. All jene Freundinnen und Freunde Sebastian Bachs (ehemals Frontmann bei Skid Row mit elfenhafter Erscheinung und einem Stimmvolumen welches von Kapstadt bis Spitzbergen reicht), die sich vor gut dreißig Jahren noch in hautenge Lederklamotten gezwängt und die dauerbewellten Haare zu Wolkenkratzern hochtoupiert hatten, waren aber – ähnlich wie seinerzeit gestylt – natürlich dennoch am Start.

Den Abend eröffnete eine junge, britische Band namens Hollowstar. Die Musik des Quartetts könnte ebensogut auch aus den Untiefen der östlichen Bundesstatten der USA entstammen, schöner bluesiger Bourbon-Southernrock eben.

Vielleicht erinnert sich jemand an die Boxertragödie Rocky und den dazugehörigen Soundtrack? Damals kam die Band Survivor groß mit dem Titeltrack „Eye Of The Tiger“ raus. Zwar war der zweite Supportact eine andere Band, der angestaubte Classicrock ließe sich allerdings sehr gut mit oben genanntem Ohrwürmchen vergleichen. Niemand geringeres als die Rentnerbrigade FM haute gut vierzig Minuten lang eine souveräne Show raus, gute Sache.

Später verlor man dann die Lust auf den Mainact, als dieser das Publikum beinah eine Stunde warten ließ, die 80er und 90er sind leider vorbei und dieser Tage geziemt sich ein derartiges Verhalten nicht mehr. Fast war man geneigt, die Idee in die Tat umzusetzen und einen Verriss für dieses Konzert zu verfassen, als aber sehr gut gelaunte und brutal sympathische Musiker die Bühne betraten. Allen „ich muss morgen doch arbeiten“-Unkenrufen zum Trotz, bedankten sich Skid Row brav bei den Fans, dass sie ihnen nach mehr als dreißig Jahren noch immer den Traum ermöglichen, mit Musik ihren Lebendunterhalt zu verdienen. Der neue Mann am Mikro, ZP Theart, wirbelte herum wie ein Derwisch und konnte Sebastian Bach stimmlich zwar nicht immer das Wasser reichen, aber dennoch sehr gut mithalten.

Als Songs wie „18 And Life“, „Monkeybusinees“, „Slave To The Grind“, „I Remember You“ und zuletzt „Youth Gone Wild“ das Backstage durchfluteten, fühlte man sich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt und hatte die Uhrzeit schnell vergessen. Eine Energiegeladene Show mit Gitarren-Duell und dem Ramones-Cover zu „Psycho Therapy“ war natürlich viel zu schnell vorbei und hätte rückblickend betrachtet auch viel besser in einen Freitagabend gepasst. (ODI)

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