SLEAFORD MODS – The British Way

Sleaford ModsWem die Streets zu poppig und die Gorillaz nicht englisch genug sind, der fand sich an diesem Montagabend im Backstage ein, wo die beiden Nottinghamer Jason Williamson und Andrew Fearn bereits zwanzig Minuten vor Showbeginn auf der Bühne standen und die Situation begutachteten.

Die nicht eingefleischten Fans im Publikum dachten wohl beim Anblick dieser Gestalten, es handelte sich um die beiden Fahrer des Tourbusses. Bestens gekleidet in Jogginghose (mit seitlich angebrachter Knopfleiste) und Rum Ham-Shirt kamen die beiden so gar nicht wie ein mittelmäßig berühmter, internationaler Act daher. Als das Duo dann später erneut die Bühne betrat, hatte sich am Slacker-Style nichts geändert und wenigstens das Klischee in Sachen britischem Kleidungsgeschmack hatte sich damit schon einmal bestätigt.

Die recht aufreibende Performance benötigte indes etwas mehr Zeit um in den Herzen des anwesenden Publikums eine Regung auszulösen. Zunächst einmal wirkte alles sehr ehrlich, aber auch ein wenig entrückt. Produzent Fearn lungerte lediglich mit Bierflasche in der einen Hand vor seinem aufgeklappten Laptop herum, hatte die andere, freie Hand in der Hosentasche vergraben und schüttelte den Kopf zum Beat hin und her. Dieses Ritual wurde nur unterbrochen, um per Tastendruck den nächsten Loop zu starten. Jenes Gebärden konnte schnell die Frage aufwerfen, welche aufregenden Arbeiten alle übrigen DJ´s hinter ihren Pults so verrichten, wenn Sie mit acht Armen scratchen, loopen, bouncen und auflegen, während elektronische Musik doch easy aus der Konserve kommt.

Frontsau – und diese Bezeichnung trifft es ziemlich punktgenau – Williamson verkörperte derweil die wilde Vorstellung eines englischen Randaletouristen. Aus seinem engen T-Shirt traten muskelbepackte und altertümlich tättowierte Arme hervor, der Stiernacken stand unentwegt unter Spannung. Der Sänger spie die herrlichsten Flüche ins Mikrofon, wobei der leicht androgyne Bewegungsablauf nicht so recht ins Bild passte und die Szenerie noch wahnsinniger wirkte.

Beim vierten oder fünften Track „Kebab Spider“ kippte auch die Stimmung bei den Besuchern und es entwickelte sich eine fiebrige Mischung aus Club-Romanze und Loveparade. Die dumpfen Drum & Bass-Sounds auf dröhnender LoFi-Basis taten ihr Übriges, aber allen voran Jason Williamson begeisterte mit seiner antisozialen und doch mitreißenden Präsenz und der bis auf ein Mindestmaß reduzierten Kommunikationslust.

Auch wenn der Spuk nach einer knappen Stunde schon wieder vorbei war, so hatte sich in der halben Stunde davor ein homogener, schwitzender, tanzender Energieklumpen entwickelt und man konnte den Drang nach einer durchzechten Nacht mit viel Lager und selbstgedrehten Kippen in sich aufkeimen spüren. Ach, wären Montagabende doch immer so aufregend…(ODI)

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