Warren Haynes auf dem Tollwood München

Die Halle ist halb voll, das Publikum schon eher älter, gespannt wartet man auf Warren Haynes, der im Blues hinlänglich bekannt und beliebt ist. Drei Acts zum Preis von einem – fast kommen Zweifel, ob da nicht die Qualität leiden wird, doch man wird eines Besseren belehrt.

Mit Blues vom Henrik Fleischlader Trio geht es los und dies bietet die perfekte Einstimmung auf einen Abend, der stimmlich besonders werden sollte. Beim Supportact liegt das Hauptaugenmerk auf mehreren kleinen Soli, doch es ist nie zu viel, sondern genau die richtige musikalisch gut abgestimmte Mischung. Gegen Ende zeigen sie ihr instrumentales Können, welches vom Publikum mit reichlich Applaus honoriert wird.

Jesper Munk – die Stimme, die nach Whiskey und Zigarren klingt avancierte zum heimlichen Hauptact, nicht zuletzt auch deshalb, weil er mit seiner Band wohl auch der jüngste Musiker des Abends ist. Nichtsdestotrotz kann man sich dem Eindruck nicht verwehren, dass die nachdenklichen, ruhigen Songs zuweilen schon etwas zu abgeklärt klingen und die Stimme etwas zu routiniert. Das Publikum feiert den 24-jährigen Sänger, der an diesem Abend musikalische Abwechslung auf die Bühne bringt.
Die Einen bezeichnen es wohl als Fahrstuhlmusik, für Andere ist es der Himmel auf Erden: Warren Haynes ist routiniert, sowohl solistisch als auch in der Kombination mit seiner Band Allmann Brothers. Blues, der nicht kitschig wirkt und ein Publikum, welches diese ehrliche, authentische und mitreißende Musik zu schätzen weiß. Im Blues wird weniger herumgefachsimpelt als im Jazz, es wird nicht so viel Aufhebens von der Musik gemacht wie im Rock’n’Roll und gerade deswegen stehen bei Warren Haynes musikalisches Können, harmonisch interessante Klanggebilde und Grenzen nicht alltägliche Phrasierungen im Vordergrund. Ein Abend, der sich dreifach gelohnt hat.

Fotos Warren Haynes

Fotos Jesper Munk 

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