Außergewöhnliche Stimme und Gänsehautmomente – Saint Lu am 11.04. im Feierwerk München

Viele Künstler mögen es nicht, wenn man sie mit anderen vergleicht. Dies ist durchaus verständlich, doch bei Saint Lu fällt es schwer, nicht etwa Amy Winehouse oder gar Janis Joplin zu erwähnen, da einem diese beiden Stimmen sofort einfallen, wenn Saint Lu anfängt zu singen.

Als Support trat Jesper Munk auf, der besonders im letzten Jahr in München für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Er und seine Gitarre, eine Mischung aus Blues, Rock’n’Roll und Soul und natürlich seine unverkennbare, raue Stimme. Das sehr gemischte und etwas ältere Publikum konnte er nicht ganz für sich gewinnen, dennoch darf man auf sein Album, welches in Kürze erscheinen wird, gespannt sein.

Soulig, rockig und poppig – so ging es mit Saint Lu weiter, deren selbst geschriebene Texte das Publikum einwandfrei beherrschte. Nicht nur sie funktionierte auf der Bühne, auch ihre Band konnte musikalisch überzeugen. Begeisterte Zuhörer, die das Energiebündel auf der Bühne feierten. Ihre aktuelle Single „Craving“ fand enormen Anklang. Ihre Stimme, mal rau und hart, dann wieder weich und melancholisch, versteht die Sängerin einzusetzen. „What’s right for you is wrong for me / It’s not how it’s supposed to be / And I can’t help feeling this way / Oh, I’m craving, I’m craving“, so der Text. Erstaunlich ernst, erwachsen und reflektiert.

Dass Saint Lu, welche mit bürgerlichem Namen Luise Gruber heißt, eine ernst zu nehmende, erwachsene, individuelle und durchaus authentische Musikerin ist, bewies sie am Donnerstagabend galant, als sie den Text kurzzeitig vergaß, sich diesen kleinen Ausrutscher jedoch nicht anmerken ließ und mit ihrem Publikum zusammen lachte. Bühnenpräsenz – das beschreibt mit einem Wort den Abend und die Leichtigkeit, mit der Saint Lu ihrem Publikum gegenüber getreten ist.

Da fragt man sich, ob es denn überhaupt nötig ist, noch große Shows zu spielen, bei denen die größtmögliche Anzahl an Leuten, welche auf der Bühne und um diese herumspringen, benötigt wird. Reicht es nicht einfach, wenn es jemanden gibt, der sein Handwerk beherrscht und damit viele Menschen begeistern kann, eine Atmosphäre kreiert und ganz natürlich ist? Wenn es nicht immer Konfetti regnet und keine Lasershow arrangiert wird, damit über musikalische Unfeinheiten hinweg getäuscht werden kann?

Saint Lu macht Musik, die berührt. Ihre Musik, ihre Stimme und zudem noch ihre Texte. Eine Mischung, die brillant sein kann, die etwas bewegen kann. Wenn nicht für die Massen, dann aber für die, die wirklich zuhören.(A.E.)

Fotos Saint Lu – Orangehouse München

 

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