Das Gefühl von Freiheit – ZAZ mit neuem Album „Recto Verso“

Recto_Verso_Album_coverMünchen, 10.05.13.   Es beginnt mit „On Ira“, ein Titel, der musikalisch sehr an den Hit „Je veux“ erinnert. ZAZ schließen damit direkt an ihren Erfolg vom letzten Album an und landen einen definitiven Treffer. Die Songs frisch, heiter, tanzbar. Man hat das Gefühl, direkt und Herz Frankreichs versetzt worden zu sein. Wein, Sonne, ein Spaziergang entlang der Seine hin zur Notre Dame, den Eiffelturm in der Ferne. Freiheit, Leidenschaft und das unverkennbar Fröhliche und Beschwingliche, welches Sängerin Isabelle Geffroy in ihre Musik legt, kommt direkt beim Zuhörer an.

Isabelle Geffroy kam von der Straßenmusik, ihre Stimme nicht fein oder lyrisch, sondern ehrlich, direkt, rauchig, beinahe das, was man zuweilen „rotzig“ nennen würde, jedoch ohne jegliche negative Konnotation. Denn sie kann auch weich, sensibel und zart. In den letzten zweieinhalb Jahren hat sie eine rasante Reise hinter sich: Mit über 1,5 Millionen verkauften Platten des ersten Albums „ZAZ“ und mehrfachen Auszeichnungen, gelang der Sängerin ein immenser Erfolg. Mit dem neuen Album, welches sehnsüchtig erwartet wurde, legt sie nun nach und ja, es kann sich sehen lassen.

In Titeln wie „Comme ci, comme ça“ wird der Albumtitel aufgenommen, „Recto Verso“, zu Deutsch „Beiderseitig“. Dass sie ambivalent ist, zeigt die Sängerin in vielen ihrer Songs. Nicht nur textlich, sondern auch musikalisch. Von Chansons über Pop bis hin zu folkloristische Nummern ist alles vertreten. Ein wenig eintönig wird es bei „La Lessive“ und „Toujours“, denn hier kommt die Gefahr auf, dass sich das, was auf dem ersten Album so erfolgreich ankam, hier ganz schnell wiederholt. In dem Genre der Chansons verhaftet, bietet dies keinen allzu immens großen Spielraum. Und dennoch schafft es Geffroy, sich ihren Weg zu bahnen – musikalisch immer ein wenig frischer, immer ein wenig fröhlicher als die anderen.

Bei der Musik dieses Albums hat man das Gefühl, man sei in einem zweiten „Amélie-Film“ oder in einem Pariser Straßencafé und beobachte das Treiben um einen herum, während im Hintergrund leise, aber deutlich eine talentierte Straßenmusikband spielt. Und hier ist ZAZ etwas Wunderbares gelungen: Erneut schaffen sie es, den Hörer mit ihrer Musik in den Bann der französischen Melodien zu ziehen. Für die Länge der Songs bleibt die Welt um einen herum vergessen, sie ist ein wenig bunter, lebhafter.

Was bei ihrem alten Album bei der Songabfolge noch ein wenig haperte, wurde hier nun verbessert. Man merkt zunehmende musikalische Tiefe, die Songs stehen an der richtigen Stelle und scheinen ihren festen Platz in der Abfolge gefunden zu haben. Die Nachricht kommt an: „Ich möchte mich nicht entscheiden, denn es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß im Leben, sondern auch grau oder bunt.“ Ein Statement, welches durch die Musik vermittelt wird und durchweg unterstützt wird.

Melancholischer und auch nachdenklicher wird es bei den Titeln „Si“ und „La Lune“ – hier möchte man die Augen schließen und denkt sich weit weg. Dadurch, dass sie ein sehr flapsiges Französisch singt und spricht, kommen hier einige Passagen sehr ambivalent durch. Auf der einen Seite zeigt es die nicht vorhandene Notwendigkeit, die Traurigkeit zu deutlich auszusprechen und auf der anderen Seite vielleicht auch schon die Akzeptanz, dass das Leben nicht immer schön und bunt sein kann, sondern dass es auch Dinge gibt, die verletzen können.

In ihrer Stimme liegt eine unerklärliche Weisheit, welche jedoch niemals überheblich durchdringt; Isabelle Geffroy, ihres Zeichens Weltenbummlerin und Reiseliebhaberin, hat schon viel gesehen, nicht zuletzt auch die Straßenmusik im Pariser Künstlerviertel Montmartre.

Dass sie viele verschiedene Stile in ihre Musik mit einbezieht, wird bei „Recto Verso“ noch deutlicher als bei „ZAZ“ – dass Jazz durchaus mit Pop und Chansons vereinbar ist, verdeutlicht die Sängerin bei Tracks wie „Cette Journée“ und „J’ai tant escamoté“. Die Titel der einzelnen Songs sind auffallend kurz gehalten, weiß Isabelle Geffroy, sich auch mit wenigen Worten sehr gut auszudrücken. Auch für diejenigen, die Französisch nicht so einwandfrei beherrschen, kommt eine Nachricht in der Musik rüber, denn Musik, und das wird mit diesem Album einmal mehr deutlich, ist international und verfügt über keinerlei Sprachbarrieren.

Die auffälligen orchestralen Momente, die hier häufiger eingesetzt wurden als bei „ZAZ“, tragen zu den abwechslungsreichen Songs bei. Das Gefühl, dass es voran geht, dass es tanzbare, singbare und das Ohr umschmeichelnde Melodien sind.  Melodien, die ins Ohr gehen, ganz besonders „On Ira“, „La Lune“, „Si“ und „Déterre“. Wenn zwar nicht alle tanzbar, so haben sie umso mehr Potenzial, Ohrwürmer zu werden.

Dass es auch alles in allem poppiger als der Vorgänger geworden ist, merkt man gegen Ende einiger Titel sehr deutlich, wenn die chanson-haften Passagen ein wenig nachlassen und deutlich hörbar ist, dass nicht mehr so sehr auf Raffinesse als auf Eingängigkeit gesetzt wurde. Eingängigkeit und teilweise Verwechslungsgefahr mit einigen Vorgängern, welche aber wieder durch unerwartete Momente in den Songs selbst wett gemacht wird. Ja, man hat vielleicht Angst, genau hinzuhören, weil man nicht will, dass es klingt wie etwas bereits Dagewesenes. Man wird nicht enttäuscht.

ZAZ wollten der Welt definitiv nichts mit einem zweiten Album beweisen, am wenigsten sich selbst. Es ist zwar durchkonstruiert, doch die Musik klingt immer noch frei, authentisch und keineswegs gestellt oder unecht.

Was 2010 vielleicht noch etwas verspielt oder unreif klang, ist nun strukturiert, durchdacht, erwachsen und handfester. Musikalisch nach wie vor einwandfrei, besteht dieses Album aus Titeln, welche in eine Richtung drängen, mit der ZAZ sagen wollen „Jetzt erst recht“. Keine Attitüde der Art „Hört alle her, uns gibt es noch“. Nicht laut, sondern auch zuweilen sehr leise, ruhig und bedacht klingen die Titel. Eine musikalische Reise der besonderen Art, denn endlich gibt es wieder französische Musik, welche nicht mit nervigen Elektrobeats unterlegt sein muss, um gut zu sein.

Nun heißt es also „On ira“ und zwar zum Plattenladen eures Vertrauens oder auch online zu Amazon oder iTunes, wo das Album ab dem 10.05.13 verfügbar ist.(A.E.)

 

ZAZ im Internet: www.zazofficial.com

 

ZAZ Deutschland – Tourtermine:

05.05. HAMBURG – Fliegende Bauten – SOLD OUT

06.05. BERLIN – Heimathafen

09.05. KÖLN – Gloria – SOLD OUT

12.05. MÜNCHEN – Freiheiz – SOLD OUT

25.06. ABENBERG  – Burg Abenberg

03.07. BONN – Kunst!Rasen

04.07. STUTTGART – jazz Open

07.07. MAINZ – SWR Summer Festival

08.07. MÜNCHEN – Tollwood Festival

22.07. SINGEN – Hohentwiel Festival

02.08. BERLIN – Citadel Music Festival

03.08. DRESDEN – Junge Garde

09.08. HAMBURG – Stadtpark OpenR