Ein Saunagang mit Silly am Sonntag beim Tollwood München

München, 22.07.13.  Es gibt nicht viele Bands, die eine über 30 Jahre andauernde Geschichte haben und noch immer erfolgreich besteht. 1978 in Berlin gegründet, besteht die Band bis heute, wenn auch nicht in komplett der gleichen Besetzung

Der Ausfall des Supports tat der Stimmung beim Abschlusskonzert des Sommer-Tollwoods 2013 keinen Abbruch. Mit “Verkehrte Welt” aus ihrem aktuellen Album “Kopf an Kopf” begannen Silly ihr Konzert, das Publikum jubelte.

Einen Tag, bevor sich der Todestag der ehemaligen Sängerin Tamara Danz zum 17.- mal jährt, war bei alten Songs ein wenig Melancholie und Wehmütigkeit zu spüren, besonders bei “Asyl im Paradies”.

Rockig und musikalisch professionell spielten Silly ihr Programm, welches immer wieder mit  Gitarren-und Bass-Soli durchzogen war. Dass sie ein wenig in die Jahre gekommen sind, merkte man nicht und genau dieser Aspekt ist es, der Silly zu Recht zu einer der erfolgreichsten deutschen Rockbands macht.

Bodenständig, authentisch und herzlich bespielten sie an diesem warmen Juliabend ein gemischtes Publikum, bei dem vom Altrocker bis zu den Konzertkarten-Gewinnern alles vertreten war.

Gänsehautmomente fehlten ebenfalls nicht, besonders bei “Vaterland” und “Blutsgeschwister”. Tiefgründigkeit und Ehrlichkeit, welche jedoch nie zu pathetisch oder aufgesetzt wirkten.

Leise Töne brachten Texte nah, welche von schmerzender Traurigkeit erzählten, von Tragik – Geschichten, die das Leben erzählt. Verpackt in Melodien und Reime, die bewegen, zum Nachdenken anregen.

An einigen Stellen meinte man, dass Tamara Danz doch ein wenig fehlt. Was vollkommen natürlich ist, wenn man als Fan vielleicht noch die alten Songs im Ohr hat; doch Neues bedeutet nicht zwangsläufig, dass es schlecht ist oder gar verwerflich. Es bedeutet Umbruch, Wege, auf welchen man anfänglich stolpert, doch auch aufsteht und Erfahrungen sammelt, welche bereichern.

Dass Silly genau das gelebt haben, zeigten sie an diesem Abend.

Sängerin Anne Loos fand weise und treffende Worte: “In dieser Welt geht nichts mehr ohne ein Miteinander.” Womit sie pointiert den Zahn der Zeit getroffen hat. Nicht nur im Leben, auch in der Musik ist das ein Tenor, den Silly leben – als Band funktionieren sie hervorragend und verstehen es, Emotionen zu vermitteln, die nicht abprallen, sondern unter die Haut gehen. Zusammen mit ihrer Musik.

Dass in Zeiten von elektronischer Musik und Playback-Konzerten Musik aus den 70er und 80er Jahren bestehen kann und klar aufzeigt, welchen Wert eben diese hat, ist leider selten, geworden. Silly bringen mit ihren Songs echte Musik zurück in die Konzerthallen.

Und so geht das 25. Sommer-Tollwood zu Ende und hat für dieses Jahr einmal mehr einen sehr würdigen Abschluss gefunden.(A.K.)

Fotos Silly – Tollwood München

 

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