Hip Hop mal ganz anders – Sookee „Mortem & Makeup“

Sookee_Mortem & Makeup_coverDenkt man an Hip Hop, denkt man an coole, goldkettenbehangene Typen in Oversize-Klamotten, die teure Autos und knapp bekleidete Frauen lieben. Dieses Bild von Hip Hop jedoch schmeißt Sookee auch mit ihrem gerade erschienenen Album „Mortem & Makeup“ komplett über den Haufen. Bei ihr ist alles anders, um nicht zu sagen das völlige Gegenteil davon. Die überzeugte Feministin kämpft seit langem mit ihren Songs für eine offene und tolerante Gesellschaft und prangert mit ihrem neuen Album Misstände aller Art in gewohnt unverblümter Sprache an.

Gleich mit ihrem ersten Song „Q1“ nimmt sie die aktuelle politische Situation ins Visier, kritisiert rechte Tendenzen oder die Flüchtlingspolitik. Ihr Fazit fällt wie zu erwarten nicht rosig aus: „Einsame Insel oder Untergrund“. So wie es derzeit ist, ist es für Sookee jedenfalls nicht auszuhalten.

In ihrem Song „Queere Tiere“ beschreibt sie das bunte Sexualleben der Tiere und fordert damit auf, das gewohnte Männchen-Weibchen-Schema endlich aufzugeben und offen für alle Formen der Liebe zu sein.

 

 

„Mortem & Makeup“ ist thematisch sehr breit aufgestellt und behandelt neben brisanten politischen Themen und feministischen Anliegen etwa auch den fragwürdigen Umgang mit psychisch erkrankten Menschen im Song „SSRI“ oder die vorurteilsbeladene Sicht auf Prosituierte wie in „Hurensohn“.

Sookee ist aber nicht nur kritisch gegenüber gesellschaftlichen Zuständen, sondern nimmt sich auch selbst nicht von Kritik aus. In „Die Freundin von“ beschreibt sie ihr Aufwachsen in einer schwierigen, oft gewalttätigen Umgebung und wie sie darauf reagiert hat – nämlich ebenso mit Gewalt: „Hab auch nach unten getreten, war nicht besser als sie. Hab ihre Namen vergessen, doch das vergesse ich nie.“

Musikalisch zeigt sich „Mortem & Makeup“ ebenso vielfältig wie die Themen sind: Mal sehr energiegeladen mit schnellen Rhythmen wie in „Q1“oder auch mal mit eher leisen und melancholischen Tönen wie in „Ruhe“ – da ist Abwechslung angesagt.

Sookee hat sich die große Aufgabe gestellt, mit ihrer Musik aufzurütteln und die Welt ein klein wenig besser zu machen. Sie greift mit Mut und Vehemenz unbequeme Themen auf und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund – nur beschleicht einen bisweilen bei der Wucht an Problemen, die sie präsentiert, doch die Frage, ob dies nicht von allem auch etwas zu viel ist.(D.S.)