Hurts „Desire“ – Gentleman oder ausgediente Könige des britischen Pop?

hurts_desire_coverSieben Jahre ist es her, dass Hurts mit „Wonderful Life“ den Durchbruch schafften. Seitdem sind die bestangezogenen Herren des Synthpop weder aus den Charts noch aus den gut sortierten Playlists wegzudenken. Partyhits wechseln sich bei ihnen mit melancholischen und pathetischen Balladen ab, die kein Thema auslassen. So ist auch „Desire“ ein erfolgreiches Ansingen gegen Homophobie.

 

 

Die ein oder andere Eskapade leisteten sie sich nichtsdestotrotz: Ein rotzbesoffener Theo Hutchcraft feierte nach einer kleinen Episode im Krankenhaus am gleichen Abend bei Miley Cyrus weiter, hatte auch schon des Öfteren mal ein blaues Auge. Doch all dies tat dem Erfolg der Band keinen Abbruch, im Gegenteil: Die Scheitel wurden noch korrekter gezogen und musikalisch legten sie noch eine Schippe drauf. Der Achtzigerjahre-Pop erinnert an Prince, ab und zu auch an Bowie oder Frankie Goes To Hollywood; Hurts zeigen mit ihrer Musik auf, dass es in unserer Gesellschaft leider absolut nicht egal ist, wie man lebt. Denn leider ist 2017 nicht immer das 21. Jahrhundert, das wir uns wünschen: Schwulenfeindlichkeit, Menschenhandel, ein Torpedieren von denen ganz oben. Viele Fans von Hurts sind Außenseiter, sorgen bei den Konzerten aber für Party. Ihre Botschaft? Toleranz und zwar überall! Der Auftrag ist gar nicht mal so einfach und dennoch schaffen sie es, in ihrer Musik das zu transportieren, das den Helene Fischers dieser Welt offenkundig schwer zu fallen scheint: Geht mit offenen Augen durch die Welt und schaut euch den Menschen, der neben euch steht, genauer an, bevor ihr losgeht und ihn verurteilt.

Es sind Songs, zu denen die Feuerzeuge in den großen Hallen gezückt werden, der Lieblingsmensch geküsst und im Arm gehalten wird. Ein bisschen Gänsehaut schaffen Hurts immer wieder mit ihrer Musik, da sie auf große Klänge und pompöse Melodien setzen. Bei den Briten ist musikalisch im Gegensatz zu ihren Feier-Ausrutschern nichts dem Zufall überlassen: Durchdachtes, exzellentes Songwriting trifft auf genauestens abgestimmte Rhythmen und groß angelegte instrumentale Passagen. Hurts können es auch sieben Jahre nach ihrem Erfolg, der sie an die Weltspitze des Genres katapultierte und sind dabei sogar noch mutiger geworden. Gut so, denn es ist längst Zeit, dass jemand auch die heiklen Themen unserer Zeit nicht nur anspricht, sondern auch öffentlich macht.

Es sind diese seltenen Momente, in denen Pop wieder glänzt und die Könige Theo Hutchcraft und Adam Anderson den Thron weiterhin für sich beanspruchen dürfen. We are delighted!(A.E.)