Sleeperstar mit EP „Blue Eyes“ entsprechen dem Indie-Rock-Klischee par excellence

sleeperstarcoverMünchen, 19.06.13.   Man wird dem ganzen irgendwann vielleicht ein wenig überdrüssig, vor allem, da es jetzt anscheinend en vogue ist, wieder wie die 1990er zu klingen, wenn man Indie-Rock produziert. Einige schaffen es, damit für Furore zu sorgen, Andere halten sich eher bedeckt oder bleiben unbeachtet. Vor allem, wenn sie dann der ganzen Szene auch noch hervorragend entsprechen und sich keinen Millimeter aus ihrem festgefahrenen Schema.

Auf der EP finden sich einige Songs, welche durchaus viel Potential haben, die auch von Zeit zu Zeit pathetisch werden, denen es aber an Substanz, Tiefgang und Wiedererkennungswert fehlt.

Seichter Indie-Rock, der vor sich hinplätschert, dessen Melodien aber dennoch eingängig sind, ins Ohr gehen und an eine Zeit erinnern, in der Chucks wieder aufkamen, in der die Jungs sich die Haare irgendwie wachsen ließen, Hauptsache aber mittellang. Und in der Revolution hieß, dass man zu spät zur Schule kam.

Hier zeigt sich, dass Sleeperstar sich an dem orientieren, was damals „in“ war und was damals gehört wurde. Sie transportieren den Sound der 90er nach 2013 und finden dennoch ihren eigenen Weg, recht individuell zu klingen.

Einige Songs sind melancholisch, andere tragen den rockigen Sound, der charakteristisch für dieses Genre ist. Textlich halten sie sich etwas bedeckt und es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten, die alle ins Blaue treffen. „Blue Eyes“, der Titelsong des Albums, handelt von den blauen Augen eines direkt angesprochenen Dus. Weicher Sound, der poppig anfängt und gut abgemischt klingt, fast in die Schublade des Mainstream gesteckt werden könnte. Es geht darum, dass sich der Sänger in die blauen Augen einer anderen Person verliebt hat. Es mündet in einer lauten Hymne, die ein wenig nach 08/15 klingt und einer Mischung aus Sunrise Avenue, Coldplay und Snow Patrol gleicht. Es enttäuscht insofern, als dass man einen eigenen Sound erwartet hat. Die selben textlichen und melodiösen Floskeln wiederholen sich auffallend oft und das nicht nur bei „Blue Eyes“, sondern auch bei „Replay“. Dem amerikanischen Indie-Rock-Pop-Genre entsprechend, folgt jeder Song einem strengen Schema. 1. Strophe, 2. Strophe, Refrain, 3. Strophe, Refrain, 4. Strophe, Bridge, Refrain. Sicherlich, solche Strukturen finden sich in beinahe jedem Song, doch die Melodien finden hier wenig Abwechslung.

Rhythmisch ein wenig punkig angehaucht mutet „Sparks“ an: Viel Hall, viel Schlagzeug, laute Gitarren und pathetischer Gesang. Man sucht vergeblich nach einer Abwechslung, nach raffinierten Klängen und Sounds, nach musikalisch spannenden Parts und interessanten Texten. Sie wirken allesamt etwas leer und unmotiviert, beinahe wie ein Referat, welches man auf die Schnelle noch vor der nächsten Schulstunde zusammengeschustert hat.

Stimmlich treten Sleeperstar durchaus professionell auf, was sich vor allem bei „Call It What It Is“ zeigt. Insgesamt sehr leichte Kost, welche sich gut im Radio macht. Relativ unspektakulär und unaufgeregt, etwas für Zwischendurch, wenn man sich nicht allzu tiefgründig mit der tieferen Bedeutung der Musik beschäftigen will.

Ein wenig Garagenrock, der seinen Weg auf die Platte gefunden hat und nun in Form einer EP in den Läden oder auf iTunes bzw. Amazon gekauft werden kann.(A.E.)

 

Anzeige