THE OCELOTS – Started To Wonder

Tiefsinnige Musik ohne Grund zur Trauer

The Ocelots - Started To Wonder
Album Artwork: Paul Tobin

Man möchte es kaum glauben, aber es gibt auch noch ein irisch/folkloristisches Leben neben Party-Pub-Bands á la Flogging Molly. The Ocelots sind so eine junge Combo und beerben auf ihrem Debutalbum die irische Genre-Gallionsfigur, den leicht angegrauten Glen Hansard. Stimmlich, als auch von der Melodieführung der äußerst einfühlsamen Musik, fühlt man sich erfreulicher Weise bald schon an den Ex-Frames Frontman erinnert.

Sehr gefühlvoll mit zarten Harmoniegesängen und an der akustischen Gitarre (lediglich angewärmt durch einen unaufdringlichen Bass) beginnt die Platte mit „Gold“. Dieses Stück hätte auch einen würdigen Closing Track abgegeben. Andererseits entwickelt sich sogleich eine tolle Spannung, die Appetit auf mehr macht. Ebenso treibt sich der Song selbst ein wenig voran und endet in einem bezaubernden Arrangement mit Mundharmonika und sonstigem Folkinstrumentarium.

„The Switch“ kommt sehr britisch daher, fördert dabei aber kaum den pubgeschwängerten Konsum von schwarzem, obergärigem Bier mit Kumpels, als vielmehr ein gemeinsames Lauschen, während man mit der besseren Hälfte unter einer dicken Decke lümmelt oder vor dem Kamin sitzt.

So geht es auch weiter mit „Dream The Day Away“, wobei die Ocelots endlich zum Banjo greifen und den Track so mit ein paar lässigen Gesängen, Kontrabass und Percussion zersetzen.

Auf „Lost“ erinnern die beiden Brüder ein wenig an den jungen und unbeschwerten Chris Martin nebst Gefolgschaft und schaffen einen sehr angenehmen Singalong bis zur Minute 1:25, wenn eine spannende rhythmische Challenge gemeistert wird. Der Hobbyzuhörer wird da nicht mithalten können. Und auch dann wieder ein klasse Mundharmonika-Solo. Normaler Weise ist dieses kleine, unscheinbare Gefängnisutensil unlängst zu einem Standartwerkzeug für wenig ambitionierte Hintergrundflächen verkommen, bei den Ocelots feiert es aber ein gekonntes Revival.

„Strangers In The Stairways“ legt hernach mit einem schönen Fingerpicking los und auch das restliche Album verhält sich ähnlich intim gegenüber dem Hörer. Im Vordergrund stehen natürlich die rauchigen, mit schönem Vibrato versehenen Stimmen der Watsons sowie die dezent eigesetzten Instrumente. Hier jagt eine Melodie die andere, ohne dass das Album aber allzu beschwingt oder leichtfüßig daherkommt.

Ein tolles Stück Kunst, mit bürgerlichem Handwerk legen die Ocelots vor und folgen damit den Fußspuren der Avett Brothers aus den USA. Es bleibt zu hoffen, dass sie diesen Pfad nicht zugunsten eines Gelegenheits-Mainstream-Publikums verlassen (vgl. Mumford & Sons).(ODI)

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