THE VIOLENT YEARS – Via Antarctica

Sehnsucht und sonstige Gefühle

THE VIOLENT YEARS _ CoverWarum die Norweger ihr kommendes Album „Via Antarctica“ ausgerechnet mit dem schwächsten Track („Stone Among Stones“) des Werkes gekoppelt an ein Videoclip bewerben, ist ein Rätsel. Um diese Frage ordnungsgemäß beantworten zu können, muss man sich schon etwas intensiver auf die insgesamt zehn Songs des anstehenden Outputs einlassen.
Schon mit dem Titeltrack beispielsweise, gelingt der Band ein musikalischer Spagat zwischen den Sisters Of Mercy und Nick Cave: garantiert an die goldenen 80er angelehnt und in das Gewand einer New Wave-Granate gehüllt.

Auch das folgende „Shots Of Love“ bietet hängengebliebenen Schulterpolster-Veteranen reichlich treibende Beats und kaputte Gitarrensounds, als hätte hier jemand noch mit einem Schraubenzieher bewaffnet, Hand an die Membran des Verstärkers gelegt.

Die gesamte Album-Produktion wird umschmeichelt von einem fiebrigen, urbanen Finish im Mastering, was insbesondere auf Stücken wie „Who Decided“ oder „New World Order“ hörbar ist. Die Lead-Vocals wurden beim Mixing nicht selten mit einem Small Room-Plug In und zart angedeutetem Reverb versehen, was diese gewisse Max Headroom-Atmosphäre erzeugt und die ein oder andere Gänsehaut verspricht.

Wie leicht die hier zitierte Ära auch hätte klingen können, wird beim Hören von „Failure“ klar. Mit einer mehrstimmigen Beatles-Harmonie tritt der Song einen wahren Erdrutsch an Glückseligkeit los. So hätten die Herrschaften McCartney, Lennon, Harrison und Starr Anfang der 90er sehr wahrscheinlich geklungen, wenn nicht gewisse Umstände für ein vorzeitiges Ende der Liverpooler Beat-Ikone gesorgt hätten.

Die Highlights heben sich The Violent Years für das letzte Drittel der Scheibe auf. „Rebels With A Cause“, „Here Comes The Fear“ und „The Plague“ erzählen ihre Geschichten allesamt mit einer sehr düsteren, sehnsüchtigen Stimme. Man lässt sich gerne von berührenden Worten wie „I try to scream but I swallow my voice instead“ auf den Boden der Tatsache zurückholen oder wippt gedankenverloren zu zirkusähnlichen Arrangements mit krassem Bariton den Kopf vor und zurück.

Ja und dann bleibt eben noch der vorab schon ausgekoppelte Video-Clip um „Stone Among Stones“. Eigentlich kein schlechter Popsong, welcher schon beim Intro unweigerlich an The Cure erinnert, sich aber schnell in Schlichtheit auflöst. Ohne wirkliche Eigenständigkeit bleibt das Stück eine unschuldige, gleichzeitig aber auch die eingängigste Nummer auf „Via Antarctica“. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, aber zumindest werden The Violent Years mit jener Referenz im Rücken, sicherlich ein breites Publikum auf sich aufmerksam machen.
Fazit: ein wahres Schmuckstück aus Skandinavien – überraschend und großartig inszeniert!(ODI)

Das Album erscheint am 31.05.2019!

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