Überschätzt oder doch bezaubernd? Alex Hepburn am Montagabend im Backstage München

München, 22.10.13.   Man kennt sie als Sängerin mit gewaltiger, einprägsamer und charakterstarken Stimme. Alex Hepburn weiß, wie sie ihr Publikum mit ihrer Stimme in den Bann ziehen kann. Wahnsinnig eindringlich, prägnant und wandelbar. Mal tief, mal hoch, dann wieder rauchig oder seidig. Facettenreich präsentiert sich die Londonerin ihren Zuhörern.

An diesem Abend sollte sie das Publikum im Backstage München verzaubern. Leider musste dieses eine Dreiviertelstunde auf die Musikerin warten. Sie entschuldigte sich zwar, doch wirklich zu kümmern schien es sie nicht.

Der Anfang wirkte etwas zu laut, etwas zu übersteuert und basslastig. Dass die Band instrumental überzeugte, bewiesen sie zwar mit dem Intro, doch wollte dieser rockige Sound zunächst nicht ganz zu Hepburns Stimme passen.

Man erwartete eine ebenso starke Perfomance, wie man sie von ihren Aufnahmen her kannte, doch leider wurde das Publikum dahingehend ein wenig enttäuscht. Nicht nur, dass sie lange auf sich warten ließ, die Show litt auch wenig unter mangelndem Entertainment. Sicherlich, ein Konzert lebt nicht davon, dass auf der Bühne Witze gerissen werden oder die Künstler besonders komödiantisch veranlagt sind, doch auch in der Musik selbst fehlte ein wenig Seele und Tiefgang. Das, was sie in ihren Songs lebt – diese Melancholie, der Schmerz, die herzzerreißenden Texte – das alles fand sich auf der Bühne keineswegs wieder.

Enttäuschend, da es nach durchgestylter Popmusik klang, was sich in ihren Alben für gewöhnlich nicht niederschlägt. War es die Persönlichkeit, die ihr auf der Bühne fehlte oder der fehlende Enthusiasmus? Vielleicht ein wenig von beidem, war man mit großen Erwartungen gekommen.

An manchen Stellen hatte man den Eindruck, dass sie Amy Winehouse imitierte, ohne dass dies bewusst geschehen würde. Ihre Stimme, in der Tat mächtig und bezaubernd, kennt viele Lagen. An diesem Abend jedoch fehlte ihr das Gefühl, das diese Stimme besonders macht. Man vermisste die Gänsehautmomente, die ein Konzert zu einem besonderen Erlebnis werden lassen. Was ihre Stimme eigentlich an Aussagekraft besitzt, war hier nur noch leise zu vernehmen, die Intimität erhielt keinen Einzug.

Überschätzt ist ihre Stimme definitiv nicht. Doch live enttäuschte sie leider. Vielleicht klingt sie auf Platte besser, damit jeder für sich die eigenen kleinen Momente aus ihrer Musik holen kann und somit ganz für sich alleine hat. Denn sie berührt dennoch auf vielen Ebenen.(A.E.)

Fotos Alex Hepburn

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