Vorab REINGEHÖRT – KYTES – „good luck“ – Nicht alles war früher schlecht

Kytes_good luck_Album-coverDie Kytes haben schon einiges richtig gemacht im Verlauf ihrer Karriere: 2009 wurde die Combo unter dem wirklich sehr unschönen Namen „Blind Freddy“ gegründet, produzierte aber unter diesem Titel keinen schnöden Top 40-Gefälligkeitspop sondern begeisterte mit Strokes ähnlichen Indie-Rhythmen. Später benannte sich das Quartett dann in Kytes um und legte neben dem rauchigen, tanzbaren Rock auch das flegelhafte, ungewaschene Image ab und tauschte es zugunsten wohlproduziertem Elektropop ein. In beiden Fällen fiel die Wahl des dargebotenen Genres in die angesagteste Tauglichkeitsschublade der aktuellen Ära und ermöglichte den Münchnern somit ein beständiges Voranschreiten in die Professionalität. Und damit lagen die Vier natürlich goldrichtig, denn nicht jeder lokale Act kann sich seit mittlerweile mehr als einer Dekade über Wasser halten.

Nach „Heads And Tales“ von 2016 erscheint nun der zweite Streich mit „Good Luck“. Die Platte stellt die große Schwester vom Vorgängeralbum dar und klingt dabei glatter als auch wohlgefälliger im Gesamtsound.

„Runaway“ eröffnet die Scheibe mit glasklarem Gesang und nach 80er Jahre beknieendem Songwriting. Stünde Morten Harket (seines Zeichens Sänger der Skandinavien Popper A-Ha) in den Credits als Sänger, man würde sich nicht wundern.

Schon bei „Go Out“ entzückt Michael Spieler aber mit stimmlicher Individualität, während der Song Freunden von „Vampire Weekend“ durchaus Freudentränen in die Augen treiben wird. Ein flotter 4/4 Takter mit brutal eingängigem Chorus. Früher hätte man einen solchen Song als Ohrwurm beschimpft.

Mit „Emily“ folgt ein hitverdächtiger und gleichzeitig schon tausendfach gehörter Melodiewälzer, welcher es nicht schwer haben sollte, in diversen Heavy Rotations zu landen. Auch die nächsten Stücke „Take Me Home“, „Want You Back“ und „Alright“ können die recht angestaubte Corsage des immer hippen und stets hopsenden Dancegelages nicht abwerfen und verlieren sich dabei leider recht schnell in Gefälligkeit.

Erst mit „Shot Of Love“ groovt sich die Band erneut in Ezra Koenig-artigem Songwriting ein, welches ein fulminantes letztes Album-Drittel einläutet. Das Highlight stellt dabei die feinfühlige, von einem Studiopiano begleitete Ballade „Wheel“ dar, welche zur Songmitte in einer bittersüßen Melodie aufgeht und weiteres Instrumentarium zulässt. Die vorliegende Edition von „Good Luck“ wurde am Ende noch um den Bonustrack „Livin In Havana“ angereichert, welcher dem Zuhörer mit schönen laid back Off Beats zusetzt und durchaus zum Kreisen der Hüften anregt.

Das Durchhören der Platte wird Fans der früheren Indie-Rocker vor eine kaum zu bewältigende Aufgabe stellen, da die enthaltende Musik eher das heute junge Publikum ansprechen wird und unmittelbarer Gitarrensound faktisch von der Bildfläche verschwunden ist. Man sollte der Band hierbei aber keinerlei Kalkül unterstellen, viel mehr darf man eine natürliche Evolution Ihrer Musik feststellen. Ja, auch Indie-Rocker werden irgendwann mal zu erwachsenen Künstlern. Und so werden Freunde der bereits erwähnten Populärmusiker so manches Lieblingslied vorfinden und mit Sicherheit wird die Scheibe eine weitere Antriebsfeder auf die großen Bühnen bedeuten. Die Kytes sollte man künftig auf dem Schirm behalten. (ODI)

Das Album erscheint morgen (28.02.2020)!

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