Zurück zu uns – „Sensation“ von OK KID

OK KID _ SensationAufgebrachte Menschenmassen zieren das Cover, Alkoholfluten und durchzechte Partynächte in den Lyrics sind der Menschlichkeit gewichen. OK KID haben bereits in den letzten Jahren immer wieder klare Worte in Bezug auf Gesellschaft und Politik gefunden. Mit „Sensation“ veröffentlicht das deutsche Pop-Trio am 19. Oktober sein wohl politischtes Album.

Nicht-Wählen ist keine Alternative, Sich-positionieren die Devise der Demokratie. Schon lange ist es nicht mehr den Politaktivisten vorbehalten, eine Plattform zu nützen, Künstler aller Generationen, jeglicher Herkunft und jedes Genres haben ihr Netzwerk entdeckt, um in Zeiten von Brexit und aufkeimendem Nationalismus in ganz Europa ein politisches Zeichen für Menschlichkeit zu setzen. OK KID gehen mit „Sensation“ allen voran.

Mit „Lügenhits“ startet das Album in einer ironischen Hommage an die Früher-War-Alles-Besser-Mentalität, umringt von geklauten Zeilen aus den Tiefen der deutschen Popmusik. Wortgewandt wird der Bezug zur so geschimpften „Lügenpresse“ in hochfrequentierte Beats verpackt.

Ausgehend vom großen politischen Kosmos will das Album tiefer graben. „Hinterher“ handelt von zwischenmenschlichen Beziehungen, der Titelsong „Sensation“ von Selbstinszenierung. In kurzen, prägnanten Zeilen finden OK KID gewohnt die richtigen Bilder für die umso komplizierteren Gefühle unseres Alltags. „Wie schwer wiegt ein Wort, wenn man es hält“, heißt es im zweiten Song des Albums und ist wegweisend für das Private, das Politische und das Konzept von OK KID.

Pünktlich zur anstehenden Bundestagswahl hatten die Gießener ihren Song „Warten Auf Den Starken Mann“ bereits letzten Herbst veröffentlicht. “Es fing an mit Montagsdemo, danach kam Petry, danach heil”, singen die Jungs unverschnörkelt und wütend und setzen auf eine klare Botschaft statt auf Spielraum für (Fehl-)Interpretationen. Auch nach der Bundestagswahl hat der Song keineswegs an Aktualität verloren, ganz im Gegenteil.

Zum Abschluss des Albums folgt ein letzter Aufruf an sich selbst und politisch übertragen an alle Wutbürger. „Wut Lass Nach“ lautet der Titel und ist die unmissverständliche Aussage des Songs, während ruhige Streicher statt lärmender Pauken den Ton angeben. Wer ein Fan der KID OK Version war, wird von diesem Album eher enttäuscht sein. Die Gießener gehen einen Schritt zurück in Richtung Pop. Allerdings ist die Wut von OK KID auf diesem Album vielleicht gerade deshalb doppelt so laut zu hören.(P.P.)

Tour 2018

14.11.2018 AT-Wien, Arena

15.11.2018 CH-Zürich, Dynamo

16.11.2018 Stuttgart, Im Wizemann

17.11.2018 Frankfurt am Main, Batschkapp

18.11.2018 Köln, E-Werk

20.11.2018 Hannover, Capitol

21.11.2018 Hamburg, Docks

22.11.2018 München, Muffathalle

23.11.2018 Berlin, Columbiahalle

24.11.2018 Leipzig, Haus Auensee (hochverlegt)

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